Die Galerie der Ermordeten

Christian Müller © aw
Christian Müller / 11. Nov 2018 - In der Ukraine werden Aktivisten, die sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, oft einfach liquidiert.

Wer in den verschiedenen Schweizer Zeitungen auch die Zehn-Zeilen-Meldungen liest, hat's vielleicht gelesen, die NZZ berichtete sogar etwas ausführlicher: In Cherson, einer 300'000-Seelen-Stadt am Dnepr im Südosten der Ukraine, ist die 33-jährige Kateryna Grandziuk, die als Aktivistin gegen die landesübliche Korruption ankämpfte, vor drei Monaten mit Schwefelsäure übergossen worden. Am 4. November ist sie nun, trotz scheinbar erfolgreicher medizinischer Behandlung, nach einer äusserst schmerzvollen Zeit im Krankenhaus verstorben.

Ein Einzelfall? Nicht wirklich. Zumindest an die Ermordung der 38-jährigen Rechtsanwältin Iryna Nozdovska, die sich für mehr Gerechtigkeit im ukrainischen Justiz-System einsetzte, mag man sich erinnern. Auch Infosperber hatte darüber berichtet.

Aber so wie die Korruption, so gehört eben auch die Beseitigung unliebsamer Mitbürgerinnen und Mitbürger zum «Kulturgut» der Ukraine. Die «Kyiv Post» hat eine kleine Galerie der Ermordeten ins Netz gestellt, mit Angaben zur Person, mit Bild, mit Angabe der vermuteten Ursache des Gewaltdelikts, und mit Informationen über vermutete, eventuell verhaftete oder gar der Tat überführten und verurteilten Täter – hier anklicken. Die letzten Punkte in dieser Rubrik sind allerdings fast immer leer. Warum soll der Staat Mörder suchen und bestrafen, die doch dafür sorgen, dass die Korruption als lukrative Geldquelle der politischen Elite erhalten bleibt? Sie sind doch eigentlich hochwillkommen!

Das alles hindert europäische Politikerinnen und Politiker nicht daran, nach Kyiv zu reisen und die ukrainischen Spitzenpolitiker ihrer «tiefen Freundschaft» mit der Ukraine zu versichern. Gerade vor zehn Tagen auch wieder Angela Merkel. «Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde», heisst es, also sind alle Feinde Russlands doch unsere Freunde. Auch die Ukraine, logisch. Angela Merkel: «Germany will be on Ukraine’s side.»

Zum Bild: Angela Merkel am 1. November 2018 in Kiev. Sie versichert Staatspräsident Petro Poroschenko: «Deutschland ist auf Seite der Ukraine».

Ergänzende Informationen

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor war auch selber schon in Cherson. Es gibt trotzdem keine Interessenkollisionen.

Weiterführende Informationen

Angela Merkel am 1. November 2018 in Kiev

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Eine Meinung

Ein besonderer dank für diese Artikel an den Autor und die Plattform!

Gerade in der deutschen Mainstreampresse, wird die irrwitzigen Korruption in der Ukraine und der innerukrainische (oft tötende!) Umgang mit «störenden Objekten» fast immer totgeschwiegen, bis relativiert. Im Donbass-Krieg lügen und betrügen BEIDE Seiten täglich und die einfachen Leute, geraten immer zwischen die Mühlsteine.

Werner Eisenkopf
Werner Eisenkopf, am 11. November 2018 um 15:47 Uhr

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