Schon wieder eine Revolution

Jürg Müller-Muralt © cc
Jürg Müller-Muralt / 10. Jul 2013 - Jetzt ist auch im Vatikan die Revolution ausgebrochen. Jedenfalls meinen das einige Medien.

«Die Revolution des Jorge Bergoglio», titelten «Tages-Anzeiger» und «Bund» (Link siehe unten). Die beiden Blätter verkündeten sozusagen ex cathedra und apodiktisch: «In gerade einmal 100 Tagen hat Franziskus die Kirche revolutioniert». Punkt. Eine «sanfte Revolution» sei es, «die stets gelassen lächelt».

Mit dieser sanften und lächelnden Revolution im Kirchenstaat treibt der inflationäre Gebrauch des Revolutionsbegriffs, wie er kürzlich in Infosperber thematisiert worden ist, weitere Blüten. Damit soll der neue Stil des neuen Papstes nicht kleingeredet werden. Franziskus wirkt sympathisch, signalisiert Eigenständigkeit, stellt die Armen, Verfolgten und Entrechteten ins Zentrum, beginnt mit einer Reform der Kurie, räumt in der Vatikanbank IOR auf, lebt Bescheidenheit persönlich vor. Aber überlassen wir die neue Bescheidenheit nicht dem Papst, und üben wir uns wenigstens sprachlich in ihr – und vor allem: Wahren wir die Proportionen. Franziskus setzt mutig neue Zeichen, nimmt dringend nötige Stilkorrekturen vor und beginnt mit institutionellen Reformen. Das ist viel, aber noch keine Revolution.

Es ist noch früh genug, von revolutionären Vorgängen im Vatikan zu sprechen, wenn Jorge Bergoglio die wirklichen Kardinalfragen an die Hand nimmt. Wenn er also etwa in den Bereichen Frauenrechte, Frauenordination, Verhütungsmethoden, Homosexualität, Ökumene, quasi-monarchischer Aufbau der Kirche, Absolutheitsanspruch der römisch-katholischen Kirche etc. die Weichen in völlig neue Richtungen stellt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Artikel in «Bund» und «Tages-Anzeiger»

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.