Noch gesprächsbereit: BNP-Chef Prot mit den Handelsblatt-Redakteuren Landgraf und Bastian © handelsblatt

Noch gesprächsbereit: BNP-Chef Prot mit den Handelsblatt-Redakteuren Landgraf und Bastian

Das Schweigen der Banken - Fragen ohne Antworten

Hugo Spitz / 12. Okt 2011 - Ein Interview des deutschen Handelsblatt mit dem Chef der französischen Grossbank BNP Paribas, das in der Sprachlosigkeit endete.

In der Regel verbreiten die Banken nur positive Meldungen. In der Krise verwenden sie «Neusprech», wie George Orwell sagte, also die Sprache, die den Menschen die Gedanken beibringt, die sie denken sollen. Damit sie an Widerstand oder gar Aufstand nicht einmal denken. Kurz vor der Katastrophe fehlen ihnen die Worte ganz und gar. - Das deutsche «Handelsblatt» bringt ein schlagendes Beispiel für diesen Zustand. Wir bringen dieses zutiefst aufklärerische Interview in vollem Umfang. Der Rest ist Schweigen.

INTERVIEW MIT BNP-CHEF PROUT

Baudoin Prot, der Chef von BNP Paribas, der größten französischen Bank, hat die Handelsblatt-Redakteure Nicole Bastian und Robert Landgraf vor vier Wochen zum Interview empfangen. Anschließend wurden die Antworten von Baudouin Prot mehrfach überarbeit und schließlich zurückgezogen. Angesichts der aktuellen Lage im Bankensektor wollte man sich nicht mehr äußern. Das Handelsblatt dokumentiert ein Interview ohne Antworten - stellvertretend für eine Geldelite, der es die Sprache verschlagen hat.

Herr Prot, Krisenstimmung überall in Europa, wie sieht die Lage an den Finanzmärkten derzeit wirklich aus?

Baudouin Prot: –

Das soll optimistisch klingen, aber vertrauen Sie wirklich den Äußerungen einzelner Staatschefs, dass sie ihre Haushalte in Ordnung bringen? Wir denken zum Beispiel an Italien.

Prot: –

Aber die Politik hat reagiert, nicht agiert. Wurden die jüngsten Sparbemühungen nicht gerade von den Märkten erzwungen?

Prot: –

Traut der Markt den Italienern wieder, oder helfen derzeit nur die Staatsanleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen in Grenzen zu halten?

Prot: –

Auch Frankreich hat seine Probleme. Sind Sie sich sicher, dass Ihr Land weiter die Bonitäts-Bestnote «AAA» behält oder, genauer gesagt, behalten darf?

Prot: –

Die französische Haushaltsministerin Valerie Pecresse hat schon davon gesprochen, dass ein schlechteres Rating das Land etwa fünf Milliarden Euro jährlich kosten würde.

Prot: –

Zu den wackeligen Ratings und Liquiditätspuffer: Können Sie angesichts der Diskussionen um das wackelige Rating und die Probleme der französischen Bankenindustrie überhaupt noch ruhig schlafen?

Prot: –

Wie wird das Wirtschaftswachstum in Europa künftig ausfallen? Womit plant und rechnet Ihr Institut?

Prot: –

Sie sprachen von einer Überreaktion der Märkte. Aber die Banken trauen sich doch auch untereinander nicht und legen ihr Geld lieber bei der EZB an. Warum?

Prot: –

Aber Sie könnten es doch an andere Banken verleihen.

Prot:

Haben Sie nun Vertrauen in die Bankindustrie oder nicht?

Prot: –

Haben Sie das auch in den vergangenen Jahren so gehandhabt?

Prot: –

Falls es anders kommt: Besitzt BNP Paribas einen ausreichend großen Liquiditätspuffer?

Prot: –

Aber steckt die Bankenindustrie nicht in einer ähnlichen Situation wie vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor drei Jahren?

Prot: –

Irgendwie drängt sich nach Ihren Worten das Gefühl auf, die Europäer haben das schlechte Image und die Amerikaner die Probleme. Ist das wirklich so?

Prot: –

Was hat die ehemalige französische Finanzministerin und heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, mit den Äußerungen über einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 200 Milliarden Euro für Europas Banken bewirkt?

Prot: –

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland. Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Prot: –

Können Sie sich vorstellen, warum Frau Lagarde als neue Chefin des IWF vom Saulus zum Paulus wurde?

Prot: –

Trotz allem – werden wir angesichts der neuen Aufsichtsregeln nach Basel III nicht notgedrungen Kapitalerhöhungen bei allen Banken sehen?

Prot: –

Stellt es die Investoren zufrieden, wenn sie künftig keine oder nur eine kleine Dividende bei ihren Bankaktien verdienen?

Prot: –

Lässt sich das jetzige Dividendenniveau durchhalten, wenn die Belastungen aus dem Engagement in Staatsanleihen zu groß werden?

Prot: –

Griechenland-Engagements und Euro-Bonds: Schreiben Sie Ihr Griechenland-Engagement aus Vorsichtsgründen auf den Marktwert von 50 Prozent ab – oder nehmen Sie die 21 Prozent als Maßstab, die von den Buchprüfern gefordert werden?

Prot: –

Was passiert mit den Anleihen, die erst nach 2020 fällig werden und nicht Teil des Hilfspakets sind?

Prot: –

Würden in der augenblicklich schwierigen Lage Euro-Bonds Erleichterung bringen?

Prot: –

Wie groß ist die Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht?

Prot: –

Glauben Sie, dass die EZB langfristig Staatsanleihen kaufen muss?

Prot: –

Wollen Sie die Mittelstandsbank IKB übernehmen oder liegt der geplante Kauf angesichts der Turbulenzen auf Eis?

Prot: –

Grundsätzlich: Macht es Sinn, in schwierigen Zeiten eine Bank zu kaufen?

Prot: –

Lassen Sie uns den Versuch unternehmen, optimistisch zu sein: Wann werden die Zeiten wieder besser?

Prot: –

Herr Prot, wir danken Ihnen für das Interview.

NACHTRAG

Im Handelsblatt sind in Kästchen zum Interview nützliche weiterführende Informationen enthalten. Der Hinweis in den weiterführenden Informationen (unten) führt zu dieser Quelle.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Das Handelsblatt-Interview mit ergänzenden Informationen

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