Tamedias Verbeugung vor Christoph Blocher

Guy Krneta © Ayse Yavas
Guy Krneta / 08. Aug 2016 - Auf einer ganzen Seite im jüngsten «Magazin» durfte der SVP-Strategiechef einen Kommentar von Daniel Binswanger gegendarstellen.

Christoph Blocher hatte es noch nie so genau genommen mit der Wahrheit. Die Wahrheit zu sagen sei gut, aber in der Politik könne man das nicht immer, sagte er 2012 unverblümt in einer Debatte an der Universität St. Gallen. Wenige Monate davor hatte er in der «Südostschweiz» bekannt: «Wir lügen ja den ganzen Tag. Wenn ich zum Beispiel eine hässliche Frau sehe, sage ich ihr doch nicht, sie sei hässlich. Ich sage ihr: Sie sehen noch hübsch aus. Es gibt eben Situationen, in denen man etwas sagen muss, was nicht stimmt». Und gegenüber der «Berner Zeitung» antwortete er, als ihn diese fragte, warum er bei seinem Medienengagement in Basel gelogen habe: «Was ich sagte, stimmte, aber ich habe nicht alles gesagt».

So waren wohl auch Blochers Äusserungen im Abstimmungskampf um die Masseneinwanderungsinitiative zu verstehen. «Welch ein Interesse sollten die EU-Länder haben, die bilateralen Verträge fallen zu lassen?», sagte er beispielsweise im Interview mit seiner «Basler Zeitung» im Januar 2014. «Heute über Mittag im Schweizer Radio kam ein EU-Abgeordneter zu Wort. Der Parlamentarier sagte, dass der Vertrag mit dem drittgrössten Kunden der EU nicht gekündigt würde». Und die «Weltwoche» doppelte nach: «Die Schweiz muss die bilateralen Verträge nicht aufkünden» (23.01.2014).

Blochers Zorn, Tamedias Entgegenkommen

In einer ganzseitigen «Entgegnung auf Daniel Binswanger», die am 7. August 2016 im «Magazin» des «Tages-Anzeiger» erschien, behauptet Blocher nun: «Welch ein Unsinn! Denn die Initiative – inzwischen gültiger Verfassungstext – verlangt das Gegenteil vom bilateralen Freizügigkeitsabkommen und deshalb ausdrücklich Neuverhandlung und Anpassung dieses bilateralen Abkommens». «Magazin»-Redaktor Daniel Binswanger hatte Blocher und seinen Mitstreitern in einem Beitrag vom 9.7.2016 vorgeworfen, noch am Abend des Abstimmungssonntags eine Spitzkehre vollzogen zu haben und die Kündigung der Bilateralen, die vorher als kaum wahrscheinlich behauptet wurde, in Kauf zu nehmen. Er verglich die Schweizer EU-Gegner mit Brexit-Befürwortern in Grossbritannien und wunderte sich, dass diese, im Gegensatz zu jenen, von den Medien nicht als Lügner bezeichnet wurden.

Dies hatte Blochers Zorn hervorgerufen. «Jedermann lobt die direkte Demokratie», wettert er nun. «Aber wehe, die Volksmehrheit stimmt anders, als es eine selbst ernannte Elite für richtig hält.» – Erinnern wir uns: Über die Personenfreizügigkeit war vor der Masseneinwanderungsinitiative zweimal abgestimmt worden, über die Bilateralen Verträge mit der EU dreimal. Fünfmal hatte eine Mehrheit klar Ja gestimmt, ehe wiederum eine hauchdünne Mehrheit für die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sorgte – und damit, was offenbar vielen nicht so recht bewusst war, für die Kündigung der Bilateralen?

Meinungen gegendarstellen?

Das Recht auf Gegendarstellung hat eine Person, die durch Tatsachenbehauptungen in einem Medienbericht unmittelbar betroffen und in ein ungünstiges Licht gerückt wird, schreibt das schweizerische Zivilgesetzbuch vor. Der Presserat ergänzt in einem Kommentar ausdrücklich: «Reine Meinungsäusserungen sind nicht gegendarstellungsfähig».

Dass ein Politiker, der mit dem Medienkommentar eines Redaktors nicht einverstanden ist, eine ganze Seite zur «Entgegnung» erhält – nicht auf einer Meinungs- und Debattenseite notabene –, ist ungewöhnlich. Der weitere Verlauf zeigt denn auch, worauf der angeblich in ungünstiges Licht Gerückte zielt. Blochers Beitrag verlässt Binswangers Argumentation, die darin endet, dass die Frage der Bilateralen im Rahmen der Rasa- oder einer anderen Initiative glücklicherweise noch einmal an der Urne beantwortet werden kann. Stattdessen polemisiert Blocher gegen das Rahmenabkommen mit der EU, gegen das er eben – was für ein zeitlicher Zufall! – das Kampagnenfeuer eröffnet hat.

Doch während er in anderen Zeitungen teure Inserate schalten musste, verbeugt sich Tamedia vor ihm und stellt ihm grundlos und anlasslos den Platz im «Magazin» gratis zur Verfügung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Schriftsteller und Bühnenautor Guy Krneta ist Vertreter der Plattform «Rettet Basel», die sich für unabhängige Medien in Basel einsetzt.

Weiterführende Informationen

Erich Schmid: Blochers Gratiswerbung im «Magazin», 19.8.2014

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16 Meinungen

Die Gratisseite im Magazin ausgerechnet für den Milliardär aus Herrliberg ist ein Skandal. Interessant ist aber, was sich im Pressemarkt tut. Geld zu verdienen im Print ist ja schon seit einiger Zeit recht schwierig geworden, also geht es bei Fusionen oder gar Neugründungen um edlere Ziele. Nur, leider passen die Ziele des alten Altbundesrates nur einem Bruchteil der Leserschaft, und sie wehren sich gegen die Umerziehung. Bis 30% der Stimmbürger folgen der SVP aber in der erfolgreichsten Leservernichtungsaktion der Schweiz haben gar 40% der Abonnenten die Basler Zeitung auf die Blocher-Postille verzichtet. Nur ist das Abbestellen des Blattes gar nicht so einfach, nach Abokündigung wird sie selbst im Kanton Baselland weiterhin geliefert, einfach gratis. Weshalb gibt es bei der BZ überhaupt noch zahlende Abonnenten? Den Tagesanzeiger samt Magazin werde ich bei aller Sympathie für Daniel Binswanger genau wie damals beim Schreibverbot für Niklaus Meienberg erneut abbestellen. Martin A. Liechti, Maur
Martin A. Liechti, am 08. August 2016 um 12:38 Uhr
Da Herr Krneta die von ihm als «Blocher-Zeitung» bezeichnete Basler Zeitung wahrscheinlich nicht liest, muss ihm entgangen sein, dass ihr am Samstag jeweils das «Magazin» beigelegt ist. Es gibt also keine «Gratisseiten» für Herrn Blocher im «Magazin», sondern der Tamedia-Verlag ist daran interessiert, dass die Basler Zeitung weiterhin das «Magazin» verbreitet. (Übrigens: Ich bin nicht Abonnent der Basler Zeitung, lese das «Magazin» nicht mehr und deshalb auch nicht mehr die meist auf schwachen Füssen stehenden «Theorien» des Herrn D. Binswanger).
WErner Zumbrunn, am 08. August 2016 um 13:45 Uhr
Tja, da bin ich bei Guy Krneta und Martin A. Liechti. Warum bloss lassen die Medien den Unfrieden stiftenden Blocher immer wieder zu Wort kommen, obwohl er ja öffentlich bekennt, dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt – vor allem in der Politik nicht. Den Kniefall der Tamedia kann ich nicht verstehen und schon gar nicht goutieren. Die Strategie, mit Blocher-Themen das Interesse der Leser fördern und die Auflage erhöhen zu wollen, funktioniert schon längst nicht mehr. Das Gegenteil passiert – Leser und Leserinnen verlassen das Gedöns und wenden sich anderen Medien zu, welche auf all die Wiederholungen von Blocher verzichten, mit denen er seit Jahren dieselbe Schiene fährt, indem er bei wichtigen Themen nur die halbe Wahrheit sagt. Und wenn wir Journalisten Blochers Äusserungen immer wieder aufnehmen, dann dienen wir ihm zu, nicht aber der interessierten Leserschaft, die sich aufgrund neutraler Berichterstattung und Informationen eine eigene Meinung bilden – und das dürfte immerhin auf mindestens zwei Drittel oder mehr – der Leserschaft zutreffen. Ich jedenfalls traue Blocher und seiner Entourage nicht. Aufrechte SVPler müssten sich eigentlich vom Blocher-Diktat distanzieren, wenn sie nicht plötzlich im Schilf stehen wollen, falls Blochers Kräfte irgendwann doch nachlassen. Mit Unwahrheiten und Halbwahrheiten wird man auf Dauer keine Erfolge einfahren – früher oder später wendet sich das Blatt.
Heidy Beyeler, am 08. August 2016 um 13:53 Uhr
Ja hat mich auch gestört. Man muss ja nicht immer jede Meinung gut finden. Aber alle die denken sind mir symphatisch. Für ideologische Brunnenvergifter habe ich aber null Toleranz.
Benno Vogler, am 08. August 2016 um 14:09 Uhr
Blochers politische Lügen kann man wohl nur mit Berlusconis, Trumps und anderen populistischen Lügen überbieten. Wer wen in der Schweiz am meisten verleumdet, ist auch hinlänglich bekannt. Jedenfalls nicht Daniel Binswangers Magazin-Artikel. Zum Glück gibt es noch einen infosperber, der die unhaltbare Gratis-Entgegnung im TAM vom 6.8.16 kritisiert. Unsere 'Medienfreiheit' gilt oft nur i.S. von Murdoch: 'Jeder kann schreiben was er will, aber was gedruckt wird, bestimme ich.' Die Medien-Milliardäre
Coninx, Blocher und Ringier verschonen sich selbstverständlich. Unsere Sonntags-Demokratie verkommt sowieso immer mehr zu einer werbefinanzierten Abstimmungs
veranstaltung. Es ist ja auch nicht 'das Volk' das abstimmt, sondern nur durchschnitt
lich 40% der abstimmenden Schweizer Bürger, davon mehrheitlich Privilegierte. Ohne eine grundlegende Beschränkung und Offenlegung der Finanzierung von politischen Entscheidungen wird sich in Zukunft auch nichts Wesentliches ändern. 'Lügen ist nicht strafbar'; nur qualifizierte, nachgewiesene, schädigende Lügen sind es, die ein-geklagt werden können. Man kann also nur wieder einmal fragen, ob Blocher z.B.
'wahrheitsgemäss rechtmässiger Eigentümer der Ems Chemie wurde?'. Bin gespannt,
ob Dr. iur. Blocher diese Frage als 'Lüge' einklagen würde.
ehemaliger Studienkollege Dr. iur. Werner Kallenberger
Werner Kallenberger, am 08. August 2016 um 14:43 Uhr
Nach der Lektüre der Blocher'schen «Gegendarstellung» habe ich den Kopf so fest geschüttelt dass mir fast sturm wurde und fragte mich dabei: Weshalb macht Tamedia das? Gratis und franko eine Seite anzubieten, dem Herrliberger Politpolemiker Blocher Werbefläche für seine Winkelzüge und Lügenverbreitung zu geben? War das etwa ein Teaser? Hofft Tamedia dank diesem Werbegeschenkli oder Bhaltis auf Blocher'sche Kampagnenaufträge in den kommenden Abstimmungsschlammschlachten? Oder sitzt Christoph der Obervolkstribun etwa schon im VR von Tamedia? Schade weiss Christoph der Grosse mit seiner Lebenszeit nichts Gescheiteres anzufangen als das Schweizer Vorlk laufend zu verunsichern und aufzumischen. Sein Proleten, Larvieren und Wüten hinterlässt eine tiefe Narbe in der Schweizerischen Volksseele.
Peter Müller, am 08. August 2016 um 15:27 Uhr
Meinen Dank geht an Herrn Krneta , ohne seine Mithilfe hätte mich die Entgegnung von CB nicht erreicht. Unter 'Neueste Texte' jedenfalls hat er keinen Eintrag gefunden, Nur über ePaper kommt man an den Text ran.Ist ja wohl ein Versehen…
Immer wieder lustig zu sehen, mit wie wenig Aufwand Herr Blocher unsere halblinken Kleingeister auf die Palme bringt.
Richard Steiner, am 08. August 2016 um 17:39 Uhr
> Immer wieder lustig zu sehen, mit wie wenig Aufwand Herr Blocher unsere halblinken Kleingeister auf die Palme bringt. <

Es ist der reine Neid der Neider und Besitzlosen, würde mein Vater wohl dazu sagen. Aber zumindest lügen die Alle nicht, und sagen immer nur die Wahrheit. Mehr an Kommentar aber ist es auch nicht wert.
Ernst Jacob, am 08. August 2016 um 18:59 Uhr
Kürzlich war ich in London. Dort wagen es die meisten Brexit-Befürworter nicht, sich öffentlich zu outen, denn sie wurden oder werden immer noch als Rassisten verunglimpft. Etwas Ähnliches geschieht m. E. in der Schweiz: Indem die «halblinken Kleingeister» - treffende Wortwahl von Herrn Steiner - ständig mit der Rassismuskeule unterwegs sind, vereiteln sie eine vernünftige und breite Diskussion um ein Rahmenabkommen mit der EU, Art. 121/Art. 121a der Bundesverfassung oder Bilaterale I. Viele Leute wagen es nämlich nicht, zu ihrer Anti-Mainstream Meinung zu stehen, weil natürlich niemand ein Rassist sein will. Die Folge ist, dass im Stillen ein Problem über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer grösser wird - bis es dann trotz Rassismuskeulen und -verunglimpfungen förmlich explodiert. In Grossbritannien dauerte es 43 Jahre.
WErner Zumbrunn, am 08. August 2016 um 20:39 Uhr
Ist ja auch kein Wunder, wir sind schliesslich das einzige Land der Welt, wo einer nationalen 3-Prozent-Skonto-Partei medial mindest so viel Gewicht zukommt wie einer, die politisch 10x stärker ist. Und zwar deshalb, weil die politisch Mittigen Wendehälse Alles daran setzen, sich zu Nichts politisch outen müssen, wohl, um sich dann später immer noch Denen zuwenden zu können, die, gemäss Meinungsumfragen, dann wahrscheinlich zu den Siegern gehören werden.

So lässt sich viel einfacher politisieren, und da die MITTE ja sowieso neutral ist, und immer nur gut dazu, fällte es auch niemandem auf.

Es entspricht vielleicht auch unserer Art, denn zulange waren wir gewohnt, immer nur auf Ereignisse und Geschehnisse reagieren zu können, ganz pragmatisch, und immer vom Standpunkt Derer gesehen, die von jedem Ereignis letztlich fast immer sowieso nur profitieren konnten. Und sei es nur, dass ein paar Reiche mehr ihr Geld in unserem Land verwalten liesen...

Es hat uns nicht nur träge gemacht, es führte auch dazu, dass zunehmend mehr Einwohner|innen dieses Landes, vor lauter Lieb, Gut und Schön und Nett, glaubten, es bräuchte eigentlich wenig, und überall auf der Welt könnte der gleiche Friede herrschen wie bei uns.

Und dazu noch die Frauen. Politisch. Und auch, wenn Jede persönliche Feinde hat, und auch weiss, wie Hass und Neid funktionieren, nach Aussen hin geben doch Alle nur die Männer schuld, dass und wenn ewiges Glück, Friede, Freude und Eierkuchen trotzdem nicht funktionieren.
Ernst Jacob, am 08. August 2016 um 23:52 Uhr
Die letzte Nummer von Die Zeit hat ihre Aufmachung, die erste Seite, betitelt: «Der Kampf um die Demokratie hat begonnen» (weltweit), und «Über Jahrzehnte hielten wir unsere Freiheit für etwas Selbstverständliches». Jetzt zeigen «autoritäre Populisten», auch in der Schweiz, was zu tun und zu lassen sei, ein Trumpelnder Putin im Erdowahn und Daesch-Salven, gemixt mit dem Coca-Rum neuer Potentaten in den Philippinen, in Osteuropa, Südamerika, überall spriesst die «neue» Saat, teils dummdreist, teils raffiniert, unter oft verdrehender Ausnutzung jeder möglichen politischen Situation und mit grenzenlosem Sprachmissbrauch und -Verwilderung. Überall fangen die Dinge wieder von vorne an, Kleidervorschriften, Rituale, Massenhetzen und -Bewegungen - dazu noch Flüchtlinge ohne Ende und noch lange (der Lohn für die brutale Kolonisierung von Europas Gnaden, spät, aber anhaltend und teuer), Geraufe in Dresden, Österreich, Thailand, .... wir werden rückwärts gesteuert und hätten es als allgemeinen Trend schon lange merken sollen.
Ich beneide weder meine Kinder, noch meine Enkelinnen um das was da noch alles kommt. Es wird ein heftiger und grausamer Kampf um's physische Überleben sein, auch, da es immer mehr Menschen werden auf dem blauen Planeten, der von weit weg so toll aussieht.

Xoph von Imhoff, ab 8.8.16 bis 9.8., 00.20 p.m.
Hans-Christoph von Imhoff, am 09. August 2016 um 00:38 Uhr
Schon 1980, als in den USA der Republikaner Ronald Reagan an die Macht kam und vier Jahre später erfolgreich wiedergewählt wurde, warnten die Linken vor diesem Schauspieler und Populisten. Ein weitgereister und weltgewandter Bekannter, bekennender Marxist, prophezeite mir gar den Untergang der USA. Er sprach den Namen «Reagan» mit der gleichen Abscheu aus, wie es heute viele mit dem Namen «Blocher» tun. Reagans Politik führte bekanntlich nicht ins Desaster, sondern trug u. a. zum Ende der Sowjetunion, dem «sozialistischen Mutterland» bei - dem viele Linke nachtrauern. Damit ich richtig verstanden werde: Ich masse mir nicht an, zum Beispiel D. Trump zu bewerten; dies soll die Sache der US-Wähler/-innen bleiben. Aber mit dem ausufernden, inflationären Gebrauch der Worte «Populist» und «Populismus» ist es wie mit dem Rassismusvorwurf: Damit wird meist einer vernünftigen Diskussion mit Fakten ausgewichen. Wenn ich eines dieser Worte in einem Artikel lese, bin ich ziemlich sicher, dass er keine Fakten enthält.
WErner Zumbrunn, am 09. August 2016 um 12:13 Uhr
> ich beneide weder meine Kinder, noch meine Enkelinnen <

Sie haben recht. Zumindest von Schweizer Blickwinkel her gesehen, denn die heutigen Sieger werden die morgigen Verlierer sein. Das ist nicht nur im Sport der Fall, das ganze Leben macht uns zuletzt trotzdem zu Verlierern, überleben tut ja Keiner.

Vorderhand noch, zumindest. Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, man traut sich ja nicht eimal, wirklich und ernsthaft darüber zu berichten, vieviele hundert Milliarden hährlich in die Forschung gesteckt, mit welcher ja heute bereits lebensfähige Organe mit 3-d Drucker hergestellt werden können. Und wenn ich daran denke, was aus Silizium-Transistoren, Germanium-Dioden, und roten LED's wurde, in den wenigen Jahrzehnten... , dann werden in wenigen Jahrzehnten schon wohl die meisten neuen Menschen handprogrammiert und weitgehend fehler- und auf Wusch auch trieb-frei, zur menschlichen v.2 Normalität werden, und die kleinen Männer im Kreislauf werden dafür sorgen, dass selbst die Frauen endlich wenigstens wieder eine Hand frei haben werden, die andere brauchtes es ja, um sich die Haare im Griff zu haben, um sich trotzdem drahtlos-kommunikativ zu unterhalten.

Bedauern also eher, sie werden es sein, die die schöne neue Zukunft miterleben. Mehr oder weniger selbständig denkend, und handelnd, dafür aber zielgerichtet, und vor Allem friedlich. Die zumindest, die auf Frieden programmiert worden sind. Vor den Mächtigen der Welt, die es bezahlen, um vielleicht länger zu überleben.
Ernst Jacob, am 09. August 2016 um 18:15 Uhr
Das Abo für den Tagesanzeiger samt Magazin habe ich heute gekündigt. Auch mein Nachwuchs inkl. Enkel gewinnen so Zeit, etwas Vernüftigeres zu lesen. Und Tamedia ist informiert über meine Gründe und meine Hoffnung auf eine bessere Tamedia-Zukunft ohne Blocher.
Martin A. Liechti, am 09. August 2016 um 18:32 Uhr
Im Trend zur (Blocher'schen) Einheitmeinung bleibt die Vernunft auf der Strecke und kritische Geister werden diffamiert oder totgeschwiegen.
Hermann K.J. Fritsche, am 12. August 2016 um 12:44 Uhr
Aber welche Einheitsmeinung denn ? Die Meinung Derer, die nicht derselben Meinung sind? Wer aber nicht mein Feind ist, ist doch deswegen noch längst nicht mein Freund, mit ein Grund, weshalb wir in den vergangenen 10+ Jahren politisch und gesellschaftlich nicht mehr weitergekommen sind.

Man kann alle Probleme natürlich einfach zu Tode lafern, im pragmatischen Stil einfach solange warten, bis es sich hoffentlich vorher schon von selber löst, so, wie es im Nachkriegs-Europa mit sehr vielenen Sachen Mode war.

Und dann, wenn es Dinge sind, die sich nicht selber lösen, halt plötzlich, wie zum Beispiel im Strassenbau, irgendwann merken, dass sich die Zahl der Verkehrsteilnehmer auf unseren Strassen zwar verfünfzehnfacht hat, und sich ununterbrochen noch erhöht, weil der weitaus grösste Teil der Einwanderer aus autofahrenden Personen besteht.

Aber gleichzeitig muss man auch zur Kentnis nehmen, dass gar kein Platz mehr existiert, wo man noch Strassen und Schienen bauen könnte, weil ja Niemand Strassen wollte, und man dementsprechend auch kein Land frühzeitig schon dafür reservierte.

Und im genau gleichen Moment spricht man über 10-12 Millionen Leute, die wir gerne möchten, damit unsere Bauindustrie und die zugehörigen Betriebe Arbeit haben.

Als ein einziges Beispiel, dafür, dass halt NIX mehr geht, wenn man ALLE gleich Nazis und Faschisten nennt, nur, weil diese Leute Vorstellungen und Ziele haben, und nicht nur politisieren, um selber davon möglich viel zu profitieren.
Ernst Jacob, am 12. August 2016 um 18:01 Uhr

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