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«Daily Mail»: Beine der schottischen Ministerin Nicola Sturgeon und von Theresa May im Vordergrund © Daily Mail

Politiker fordert Gleichstellung bei den Medien

Daniela Gschweng /  Vor allem im Politjournalismus gebe es zu wenige Frauen, sagt ein britischer Politiker und liest den Medien die Leviten.

Normalerweise sind es Journalisten, die von der Politik Massnahmen fordern, um die Gleichstellung von Mann und Frau voranzubringen. Ein Politiker drehte den Spiess jetzt um und forderte von den Medien einen höheren Frauenanteil.

Tom Watson, stellvertretender Vorsitzender der britischen Labour-Partei, rief die Medien auf, mehr Frauen in die Redaktionen zu bringen. Der «beklagenswerte Mangel» an Frauen in den Medien sollte «für Leserinnen und Leser, Reporterinnen und Reporter sowie Herausgeber ein Alarmzeichen sein», stellte er fest.

Dabei bezog sich der Politiker auf eine Statistik der Organisation «Women in Journalism» (WIJ), die im September veröffentlicht wurde.

Gefordert: Frauenquote auf den Presseplätzen

Nur ein Viertel aller Aufmacher in britischen Tageszeitungen wurde im Juni und Juli von Frauen geschrieben, zählte WIJ nach. Am schlimmsten sieht es nach Watsons Beobachtung bei Berichten über die Politik aus, der Report gibt ihm recht.

Artikel, welche Frauen geschrieben hatten, befassten sich thematisch eher mit Gesundheit, den Royals und dem Fernsehprogramm, während Männer über die Parlamentswahlen, die Terrorattacke auf der London Bridge und die Brandkatastrophe Grenfell Tower berichteten.

«Das ist nicht gut genug», findet der stellvertretende Labour-Chef. Bis 2022, wenn der nächste WIJ-Report fällig ist, forderte er ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zwischen den Journalisten und Journalistinnen, die beim Parlament akkreditiert sind.

Frauen schreiben nicht, sie werden beschrieben

Der britische Journalismus sei «zu 55 Prozent männlich und zu 99 Prozent weiss», hatte «Women in Journalism» schon in 2012 festgestellt. Damals stammten 22 Prozent aller Aufmacher von Frauen. Sehr viel hat sich seither nicht geändert. In den täglich erscheinenden britischen Zeitungen schrieben Frauen im Juni und Juli zwischen 10 und 38 Prozent der Aufmacher-Beiträge.

Das hat sichtbare Auswirkungen: Wie über Frauen geschrieben wird, sagt WIJ, konzentriere sich allzu oft auf ihr Aussehen. Auch dort, wo diese Perspektive nichts zu suchen habe.

Die Frage, inwiefern eine vornehmlich männliche Berichterstattung die Perspektive der Gesamtbevölkerung noch abdeckt, müssen sich nicht nur die britischen Zeitungen gefallen lassen. In den Schweizer Medien sieht es nicht viel anders aus. Lediglich 22 Prozent aller News-Beiträge an einem willkürlich gewählten Stichtag in 2015 wurden von Frauen verfasst, listet das Global Media Monitoring Project auf. Weniger sind es im europäischen Vergleich nur in der Türkei.

Frauen schreiben nicht nur weniger, sie besetzen auch weniger wichtige Positionen und werden schlechter bezahlt, stellte sich im Juli heraus, als Gehaltslisten der BBC öffentlich wurden. Und Tom Watson ist nicht der erste und einzige, der der vierten Gewalt auf die Finger klopft. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom mahnte die BBC kürzlich wegen fehlender Repräsentanz von Frauen und Minderheiten ab.
Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon forderte das Unternehmen auf, seine Anstrengungen zu verstärken, den Gender-Pay-Gap bis 2020 zu schliessen. Die bisherigen Bemühungen seien unzureichend.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts des «Guardian» und anderer Quellen erstellt.


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Gleichstellung und Gleichberechtigung: Angleichung der Geschlechter – nicht nur in Politik und Wirtschaft.

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