Eric Gujer: «Donald Trump ist brutal ehrlich»

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Red. / 11. Feb 2018 - Der NZZ-Chefredaktor hegt für Trump einige Sympathien. Mit einem «Zukunftsentwurf» wolle Trump «verkrustete Strukturen aufbrechen».

Acht Tage nach der Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident teilte NZZ-Chefredaktor Eric Gujer den Kommentatoren anderer Medien eine Schelte aus, weil sie sich «in düsteren Szenarien überboten» hätten: «Was Trump auch macht oder sagt, ist ein einziger Affront für sensible Reporterseelen.»

Zwar leide der neue US-Präsident «offenkundig an einer narzisstischen Störung». Dies dürfe jedoch von einer «unvoreingenommenen Analyse» nicht abhalten. Für Leute, die bei einem Amtsantritt einen wohlabgewogenen, hundertseitigen Koalitionsvertrag erwarten, «mag so viel brutale Ehrlichkeit verstörend wirken».

Jedenfalls seien andere Länder in ihrem Handeln nicht besser: «Vielleicht bricht Amerika sogar Verträge, aber auch das geschieht tagtäglich, wenn Euro-Länder mit dem Segen Brüssels die Stabilitätskriterien verletzen.»

Der NZZ-Chefredaktor schloss seinen Front-Kommentar mit dem Wunsch:

«Es wäre schön, Klartext käme nicht nur aus Washington.»

In einem neuen Frontkommentar vom 10. Februar verglich Eric Gujer Donald Trump mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron:

«Und doch verbindet die beiden Präsidenten, dass sie mit einem eingängigen Zukunftsentwurf verkrustete Strukturen aufbrechen wollen.»

«Kindisch, inkompetent und ignorant»

Das Buch «Fire and Fury» von Michael Wolff nannte die NZZ ein «Skandalbuch». Das Buch scheint also der Skandal zu sein und nicht die Insider-Enthüllugen über das Treiben im Weissen Haus. Immerhin fasste die NZZ den Bestseller unter dem Titel «Das Weisse Haus als Narrenschiff» zusammen: Das Buch stelle «die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit und Amtstauglichkeit Trumps».

Für den «Tages-Anzeiger» ist dies keine Frage mehr: «Dass Wolffs These stimmt – der Präsident ist kindisch, inkompetent und ignorant, das Weisse Haus eine Chaosbude – bestreitet niemand ernsthaft ausser Donald Trump selbst.»

Dieser twitterte in die Welt: «Ich bin nicht nur klug, sondern ein Genie. Und dazu noch ein sehr stabiles Genie!»

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Eine Meinung

Was soll diese ewige Kritik an Donald Trump und am Chefredaktor der NZZ? Auf jeden Fall liegt Eric Gujer richtig: «Es wäre schön, Klartext käme nicht nur aus Washington.»
Die grösste Katastrophe zeichnet sich doch längst in Deutschland ab, das nicht mehr fähig ist, eine Regierung zu bilden und die sozialdemokratische Politik Merkels ist eine Katastrophe! Da verblassen doch alle «Missetaten» Donald Trumps, den Deutschland liegt und viel näher als die USA. Und da gibt es noch Leute, die für die Schweiz auf schnellstem Wege ein institutionelles Rahmenabkommen und wohl auch einen EU-Beitritt anstreben...! Und das Buch «Fire and Fury» nützt nur dem Autor, sonst niemandem.
Beda Düggelin, am 13. Februar 2018 um 22:02 Uhr

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