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Manager-Einkommen abhängig von Leistungen? Selten!

Simon Schmid / 29. Mrz 2016 - Saläre und Boni hiesiger Konzernchefs sind innert vier Jahren um 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig verloren viele Aktionäre Geld.

Red. Folgenden Beitrag publizierte der Autor, Redaktor und Chefökonom der Schweizerischen Handelszeitung, im Ökonomie-Blog «Free Lunch» der Handelszeitung.

Die Topverdiener haben 2015 top verdient. Dies zeigen diverse Zusammenstellungen zu den Gehältern der Schweizer CEO, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden. Inzwischen haben die meisten börsenkotierten Konzerne offengelegt, wie hoch die Saläre waren, die sie ihren Chefs im letzten Jahr bezahlt haben (hier eine Liste mit den Namen der Top 10).

Eine der Zusammenstellungen stammt von der Beratungsfirma HCM. Gemäss den Zahlen, die 39 grosse Konzerne abdecken, lag das Durchschnittgehalt von deren Chefs letztes Jahr bei fast 3,9 Millionen Franken. Es war damit 3 Prozent höher als im Vorjahr.

Zum Vergleich: Über die gesamte Schweiz hinweg stiegen die Löhne von Normalverdienern kaum mehr als ein paar Promille.

Weshalb die Cheflöhne steigen

Die Beratungsfirma HCM hat auf Anfrage auch eine Zusammenstellung mit den CEO-Löhnen seit 2011 geliefert. Hier zeigt sich: Das Lohnwachstum bei den CEOs ist keine Einmalerscheinung. Bereits von 2012 auf 2013 wuchsen die Vergütungen ganz oben in der Firmenhierarchie sprunghaft an. In diesen Zahlen, die nach Basislohn sowie nach kurzfristigem und langfristigem Bonus unterteilt sind, wurden sogar 69 Konzerne berücksichtigt.

Grafik in grösserem Format hier.

Insgesamt wuchsen die CEO-Löhne in den letzten vier Jahren um 18 Prozent. In der Gesamtschau seit 2011 zeigt sich dabei ein klarer Trend: Verantwortlich für die höheren Löhne waren langfristigen Boni. Sie sind um 27 Prozent angestiegen. Die Basisaläre wuchsen derweil um 14 Prozent, die kurzfristigen Boni sogar nur um 4 Prozent*.

Aktionäre verloren Geld, Konzernchefs erhielten trotzdem mehr Bonus

Gibt es eine schlüssige Erklärung? Jein. Einen ersten Hinweis darauf, ob die Lohnsysteme in der Praxis tatsächlich so funktionieren wie es die Theorie beschreibt, liefern die folgenden Grafiken. Sie basieren auf Daten einer anderen Beratungsfirma, HKP, die diese hilfreicherweise als Excel ins Netz gestellt hat. Die Sammlung umfasst die Lohndaten von 28 CEOs, die sowohl 2014, als auch 2015 am Ruder waren - was einen besseren Vergleich ermöglicht.

Die Grafiken vergleichen das Lohnwachstum des CEO (vertikale Achse) mit der Börsenperformance einer bestimmten Firma (horizontale Achse) - links für die Komponente des kurzfristigen Bonus, rechts für jene des langfristigen Bonus. Zwei Dinge werden offensichtlich. Erstens: Beide Grafiken sind ziemlich «wolkig»: Die Unternehmen gruppieren sich kaum entlang einer Geraden, sondern liegen als Punkte kreuz und quer verstreut über die Diagrammfläche. Und zweitens:

Wenn überhaupt, dann korreliert nur der kurzfristige Bonus mit dem an der Börsenperformance gemessenen Unternehmenserfolg.

Grafik in grösserem Format hier.

Die Steigerung, die ein CEO dagegen beim langfristigen Bonus erfährt, steht offensichtlich überhaupt nicht im Zusammenhang mit der Rendite aus Sicht der Aktionäre. Die zu dieser Punktewolke gehörende Trendlinie (rechts, in orange) verläuft sehr flach und geht auch nicht durch den Nullpunkt. Das bedeutet: Selbst diejenigen Firmen, die Aktionären letztes Jahr Verluste Einbrachten, erhöhten vielfach den langfristigen Bonus ihres Konzernchefs.

Zu den Firmen, wo sich die Vergütung nach diesem Muster entwickelte, gehörten etwa Richemont, Dufry oder ABB. Dort mussten die Chefs (Richard Lepeu, Julian Diaz, Ulrich Spiesshofer) zwar, wie alle anderen Aktionäre auch, Verluste auf ihren Aktienboni in Kauf nehmen, die sie in den Jahren vor 2015 erhalten hatten. Gleichwohl - oder vielleicht sogar: als Kompensation dazu? - wuchs der langfristige Bonus fürs Jahr 2015, gemessen am Wert der Aktien zum Zeitpunkt der Zuteilung.

Die grosse Punktewolke

Dies bringt uns zur letzen Grafik - der Zusammenfassung aller Lohnkomponenten. Sie vergleicht das Wachstum der Gesamtvergütung der 29 CEOs mit dem Wachstum der Unternehmensgewinne im Jahr 2015. Aus der Abbildung wird schnell ersichtlich: Die beiden Grössen stehen in keinerlei Zusammenhang. Dies widerspricht jedoch einer der wichtigsten Aussagen der modernen Managementlehre, wonach der Lohn eines Unternehmensleiters einigermassen im Einklang sein sollte mit der Performance.

Grafik in grösserer Auflösung hier.

Der Erfolg einer Firma und die Leistung eines CEO lassen sich auf hundert verschiedene Arten messen - das Gewinnwachstum oder die Börsenperformance sind nur zwei davon. Möglich also, dass sich mit irgendeiner Messmethode ja doch noch ein Zusammenhang zwischen Lohn und Leistung der Schweizer Unternehmenschefs finden lässt. Empirische Studien lassen jedoch erahnen: Sehr wahrscheinlich ist dies nicht.

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*Unter einem langfristigen Bonus versteht man eine Zahlung, die über zwei oder mehr Jahre gestaffelt ausbezahlt wird und in ihrer Höhe an eine Reihe von Kennzahlen gekoppelt ist, die den Unternehmenserfolg messen und die Leistung des CEO widerspiegeln sollen. Vielfach werden diese Boni auch in Aktien oder anderen Beteiligungspapieren ausbezahlt. Der kurzfristige Bonus wird meist zu einem Grossteil in Cash ausbezahlt und soll sich nach dem Erfolg im abgelaufenen Jahr richten. Das Basisgehalt ist, wie es der Name bereits sagt, ein fix festgelegtes Salär, das meist zum Amtsantritt festgelegt wird und sich danach nicht mehr gross verändert.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor ist Redaktor und Chefökonom der Schweizerischen Handelszeitung. Er ist auch verantwortlich für den Ökonomie-Blog «Free Lunch» der Handelszeitung.

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5 Meinungen

Mich wundert das überhaupt nicht. Eher erstaunt mich, dass auf Manager gesetzt wird, die «käuflich» sind, denen man unterstellt, sie würden je mehr Geld, desto besser «performen». Oder schliessen hier die Entscheider von sich auf andere? «Was ich selber denk und tu`, trau ich auch den andern zu»? Man lese das: http://www.derbund.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/der-bonusbetrug/story/28407757#mostPopularComment
Katja Imme, am 29. März 2016 um 18:06 Uhr
Komisch, da sind ja nur Männchen. Wann kommt die Tabelle mit den Frauen ?
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 29. März 2016 um 21:57 Uhr
Die überrissenen Manager-Gehälter sind Teil eines viel grösseren Plans. Es geht schlicht und ergreifend um die „Neue Weltordnung“ unter der Führung der USA, d.h. der US-Finanz-Eliten der Ostküste. Diese brauchen weltweit Helfer in der Finanzwelt. Indem man deren Bezüge exorbitant in die Höhe trieb wurden diese obersten Bankmanager gefügig und hörig gemacht. Parallel dazu wurde die US-Politik eingesetzt. Das Bankenclearing innerhalb der Schweiz erfolgt über die SNB. Das ist jedoch nur der kleinere Teil. Der internationale Geldverkehr muss über die USA laufen und die haben jederzeit die Macht, nicht das Recht, eine Bank vom internationalen Bankenclearing auszuschliessen und damit in den Konkurs zu treiben. Zusätzlich ist die US-Justiz aktiv. Da werden Klagen gegen ausseramerikanische Banken und Unternehmen losgetreten. Diese werden mit Bussen in unwahrscheinlicher Höhe in die Knie gezwungen. Der kürzlich durch ignorante Bundespolitiker akzeptierte Facta-Vertrag mit den USA ist ein weiterer Meilenstein, die einmal mehr erpresste Schweiz liefert alle von den US-Steuerbehörden gelieferten Daten, es besteht kein Gegenrecht. Man muss nur mit wachem Geist die Ereignisse verfolgen und fragen wem nützt es.
Ulrich Hertig, am 31. März 2016 um 16:07 Uhr
Aus persönlicher Erfahrung heraus behaupte ich, dass solch hohe Boni Suchtpotential haben. Das heisst, genug ist nie genug. Darüber hinaus verändern solch hohe Summen den Charakter der Empfänger. Es wird eine Grenze bis zu einer geistigen Krankheit überschritten. So sind die Boni-Empfänger an den GVs absolut unempfänglich für Argumente, dass der Bonus eigentlich an die Leistung der Unternehmen gekoppelt sein sollte (diese Leistung wird ja von den Mitarbeitern erbracht). Wie im obigen Artikel erwähnt, steigen Boni auch noch bei schlechter Performance! Diese Manager, die geistig verändert sind, produzieren in den Konzernen ein krankmachendes Klima, weil gespart werden muss, (auf dem Buckel der Mitarbeiter) und so hat jeder Angst, den Job zu verlieren. So greifen kränkende und krankmachende Verhaltensweisen um sich.
Es fehlt der wissenschaftliche Beweis, dass solche grenzenlose Boni Geisteskrankheiten produzieren und deshalb schädlich sind für Firma, Mitarbeiter, Gesellschaft - also für alle Share- und Stakeholder!
Katharina Gattiker, am 01. April 2016 um 14:53 Uhr
Liebe Frau Gattiker,
an endgültige wissenschaftliche Beweise glaubt man heutzutage eigentlich nicht mehr. Aber zum Thema Narzissmus bei Führungskräften gibt es haufenweise Forschung. Dieser Spiegelartikel referiert Überblicksstudien:
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/narzissten-machen-schneller-karriere-a-945254.html. Klingt für mich plausibel.
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 01. April 2016 um 16:36 Uhr

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