Zeugung im Reagenzglas: Homosexuelle Paare sind die neue Kundschaft © cc

«Ehe für alle» dient der Reproduktions-Industrie

Urs P. Gasche / 15. Aug 2017 - Bis der Staat euch scheidet? Warum keine «eingetragene Partnerschaft für alle»? Zwischenruf der 90-jährigen Carola Meier-Seethaler.

Von der «Ehe für alle», die Deutschland eingeführt hat, profitiert die Reproduktions-Industrie. Sie kommt zu neuer Kundschaft.

Die Philosophin Carola Meier-Seethaler vermutet, dass die Reproduktions-Lobby den Entscheid des Bundestags stark gefördert hat. Bei der «Ehe für alle» gehe es keineswegs nur um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, schreibt Meier-Seethaler in der Internet-Zeitung «FrauenSicht». Diese Gleichstellung sei zwar überfällig, doch dazu würde auch das Einführen einer «eingetragenen Partnerschaft» für alle genügen – ein Status, der schon heute für viele heterogene Paare zutreffe.

«Warum trotzdem das hartnäckige Beharren auf dem Begriff ‹Ehe für alle?›», fragt Meier-Seethaler. Die Institution der Ehe stamme ja aus dem sakralen Bereich und gelte im christlichen Verständnis als Sakrament, d.h. als heiliger Akt zur Familiengründung. Daran geknüpft war die Verpflichtung zur lebenslangen Bindung: «Bis dass der Tod Euch scheidet».

Das entspreche schon längst nicht mehr der Realität unserer liberalen Gesellschaft. Über 40 Prozent aller Ehen werden geschieden. Es wäre deshalb realistischer, eine «eingetragene Partnerschaft für alle» einzuführen.

Meier-Seethaler sieht folgende Gründe, weshalb Liberale und sogar solche, die das bestehende Eherecht kritisieren, an der Ehe für homosexuelle Paare festhalten:

«Der entscheidende Punkt ist wohl das angebliche Recht auf eigene leibliche Kinder, dessen Realisierung die hochentwickelte Reproduktionstechnologie in Aussicht stellt und die bisher nur von heterosexuellen Paaren in Anspruch genommen werden kann. Das heisst: In Zukunft sollen homosexuelle Paare das Anrecht auf künstliche Befruchtung mittels gespendeter oder gekaufter Samenzellen, Eizellen und Embryonen bzw. auf die immer offener propagierte Leihmutterschaft haben, wobei letztere in der Schweiz noch verboten ist.»

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Carola Meier-Seethaler

Aktive Reproduktions-Lobby

Alle diese Verfahren seien äusserst kostspielig, wobei der erzielte Profit hauptsächlich den Eizellen- Samen- und Embryonenbanken, den Reproduktionsmedizinern, Vermittlungsagenturen und Rechtsanwälten zufalle, während die SpenderInnen und die von Armut getriebenen Leihmütter relativ bescheiden entlohnt würden.

Im Lichte dieser Tatsachen sei es nicht verwunderlich, wenn die Reproduktions-Lobby alles daran setze, um die «Ehe für alle» im allgemeinen Bewusstsein und in politischen Kreisen akzeptabel zu machen.

Einmal mehr soll sich die Diskussion auf nachvollziehbare humane Bedürfnisse konzentrieren, um materielle und prestigeträchtige Beweggründe zu kaschieren.

Verdächtige Eile

Auch die Eile, mit der dies geschehe, sei verdächtig. Sie verhindere eine dringend nötige, breite Diskussion über die Folgen der Reproduktionstechnologien für Kinder, die auf diese Weise entstanden sind, und auch für die Gesellschaft als Ganzer.

Meier-Seethaler möchte eine breite Diskussion namentlich um folgende Fragen:

  • Wie kommen Heranwachsende damit zurecht, mehrere Mütter oder zwei Väter zu haben und nicht alle genetischen Elternteile zu kennen?
  • Oder besteht, wenn durch hoch eingeschätzte Samenspender Hunderte von Kindern gezeugt werden, die als Halbgeschwister in aller Welt leben, das Risiko, aus Unkenntnis inzestuöse Beziehungen einzugehen?
  • Ist Leihmutterschaft moralisch überhaupt zu rechtfertigen?

Es scheine, dass die langjährige Kritik am unbegrenzten Machbarkeitsanspruch der Reproduktionstechnologie auch von der heutigen Linken politisch nicht ernst genommen wird, weil auch sie auf der Welle rein individueller Problemlösungen reite.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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13 Meinungen

Auf die Erfüllung unseres Kinderwunsches sollten wir jahrelang warten. Es war ehrlich zu sagen eine Belastungsprobe für unsere Ehe. Schwere Zeit… ständige Untersuchungen, die zeigten, dass nicht alles optimal bei mir für die Schwangerschaft war, enorme Hoffnung auf die Verfahren der Fortpflanzungsmedizin (nämlich die Leihmutterschaft in der Ukraine), viel Stress, aber die Wahrscheinlichkeit war eher gering. Doch eines Tages wurden wir für all die Leiden reich belohnt. Es klappte! Ein unfassbares Glück - wir haben unser so langersehntes Baby bekommen
Lena Müller, am 28. August 2017 um 10:26 Uhr
Unter allen Umständen ist Leihmutterschaft eine schwere Beeinträchtigung der Rechte der Frau. Mir scheint, es kann nichts Schlimmeres für eine Frau, als dass ihr das Kind weggerissen wird, das sie zur Welt gebracht hat. Außerdem werden mir die Risiken der Frau viel zu harmlos dargestellt, alleine diese hormonellen Stimulierungen. Diese Frauen machen das definitiv nicht aus Selbstlosigkeit, sondern wegen des Geldes.
Marie Klee, am 29. August 2017 um 10:09 Uhr
Unsere Leihmutter fühlte sich nicht ausgebeutet zu werden. Das war ihre freiwillige Entscheidung, so eine Pflicht zu übernehmen. Nach ihren Worten, hat sie sich daran gefreut, ungewollt kinderlosen Menschen (nämlich uns) zum Elternglück verhelfen zu können. Da sie selber eine 5-jährige Tochter hatte, war sie von der Wichtigkeit einer Elternschaft-Sache ziemlich durchdrungen.
Lena Müller, am 29. August 2017 um 11:59 Uhr
Na ja, was soll sie ihnen auch sagen, dass sie es wegen des Geldes gemacht hat?! Natürlich stellt sie sich als nettes Opferlamm dar.
Marie Klee, am 30. August 2017 um 09:54 Uhr
Ich schätze, du bist einfach gegen LM eingestellt, nicht wahr?
Lena Müller, am 30. August 2017 um 10:54 Uhr
Ein Schuß ins Schwarze. Für mich wäre so was unakzeptabel! Habe gar kein Verständnis dafür. Wie kann man nur ein Baby verkaufen und kaufen?! Das Kind muss ein Geschenk Gottes sein, sondern nicht ein Laborprodukt.
Marie Klee, am 30. August 2017 um 13:26 Uhr
Jeder darf seine eigene Meinung haben. Ich aber sehe gar nix Schlimmes bei der Leihmutterschaft.
Hier tötet man ja niemanden, wie z.B. im Abtreibungsfall, sondern ein neues Leben schafft.
Lena Müller, am 31. August 2017 um 09:40 Uhr
Ja, man begeht hier zwar keinen Mord, beutet eine andere Frau aber aus, bloß um eigene Wünsche zu erfüllen. Jegliche Ethik geht hier ja in Brüche.
Marie Klee, am 31. August 2017 um 14:23 Uhr
Von deinen Worten weht es mit Zynismus. Es scheint, als ob du die Leihmütter bloß als Bauchvermieterin betrachtest. Es stimmt ja, dass diese Frauen das Geld fürs Austragen des Babys erhalten, aber andererseits beglücken sie ungewollt kinderlose Menschen mit dem Nachwuchs.
Unsere Leihmutter ist für uns zur Retterin geworden. Nur dank ihr haben wir unsere Tochter bekommen. Diese ukrainische Frau ist wirklich nett und wir bleiben immer noch in Kontakt. Da ich finde, es wurde vom Schicksal so vorausbestimmt, dass unsere Wege sich für immer verschliffen sollten. Diese Frau gehört jetzt zur Familie, egal wie dies sich anhören würde.
Lena Müller, am 04. September 2017 um 09:43 Uhr
Wenn man sich bloß die Webpages von KI-Wu Zentren anschaut, sieht er ja keine strahlende Leihmutter, die erzählt, wie wunderbar es war, einem ausländischen Paar zum Kind zu verhelfen. Dort stellen sich aber die Paare, die sich an Reproduktionsmedizin gewendet haben, wie überglückliche Kleinfamilien. Auf diesen Bildern sind immer bloß zwei Elternteile: es fehlt der Samenspender, die Eizellspenderin oder die Leihmutter. Durch diese arkadischen Bilder wird aber das Millionen Geschäft kaschiert…
Marie Klee, am 04. September 2017 um 14:37 Uhr
So viele Menschen, so viele Meinungen. Ich bin für die Leihmutterschaft, da nur dank diesem Verfahren wurden wir zu unserem Kind verholfen. Du bist dagegen, OK.
Lena Müller, am 05. September 2017 um 09:13 Uhr
Ja, ich bin restlos Dagegen. Für mich ist die Leihmutterschaft ein Verbrechen!
Marie Klee, am 05. September 2017 um 09:46 Uhr
WIR HABEN MEHRMALS VERSUCHT, LENA MÜLLER ZU ERREICHEN. SIE ANTWORTET NICHT. WIR KONNTEN DESHALB DIE IDENTITÄT VON LENA MÜLLER NICHT ÜBERPRÜFEN. – DIE REDAKTIONSLEITUNG
Urs P. Gasche, am 06. September 2017 um 17:54 Uhr

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