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Ägypterinnen demonstrieren für ihr Vorbild Doria Shafiq © cc

Ägypten entfernt Frauenrechtlerin aus Schulbüchern

Barbara Marti /  Eine bekannte frühere Aktivistin für Frauenrechte wird aus Schulbüchern eliminiert, weil sie kein Kopftuch getragen hatte.

Das ägyptische Erziehungsministerium hat Doria Shafiq (1908–1975), eine der mutigsten Frauenrechtsaktivistinnen Ägyptens, aus den Geschichtsbüchern der Klassen 11 und 12 für das kommende Schuljahr entfernt. Mohamed Sherif, Berater für Philosophie und Nationale Erziehung des Erziehungsministerium, begründete dies damit, dass einige religiöse Satellitenprogramme Shafiq ablehnten, weil sie nie einen Hidschab getragen hatte. En Hidschab ist ein Kopfschal, der Kopf und Hals bedeckt .
Dreissig säkulare Parteien und nichtstaatliche Organisationen protestierten in einer gemeinsamen Erklärung: «Frauen in Ägypten werden es nicht akzeptieren, wenn die Geschichte gefälscht und ihre Rechte beschnitten werden.» Die ägyptische Islamwissenschaftlerin Sarah Eltantawi warf den regierenden Muslimbrüdern in der «Tageszeitung» vor, Frauen buchstäblich aus der Geschichte und dem Gedächtnis löschen zu wollen. Doria Shafiq sei auf Anordnung des früheren Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser bereits einmal aus den Geschichtsbüchern gelöscht worden. Auch die damalige säkulare Regierung habe als revolutionär begonnen und als Diktatur geendet.
Doria Shafiq, die 1908 in der Stadt Tanta zur Welt gekommen war, studierte in Paris auf Kosten der ägyptischen Regierung Philosophie. Sie doktorierte über Frauen im Islam. Zurück in Ägypten kämpfte sie wie der spätere Staatspräsident Gamal Abdel Nasser gegen die britische Besatzung. Ein Posten an der Universität Kairo wurde ihr verweigert, weil sie eine Frau war.
Ihr blieb das Engagement für Mädchenbildung und für Frauenrechte. 1951 – noch unter britischer Besatzung – demonstrierte sie mit über 1500 anderen Frauenrechtsaktivistinnen vor und im Parlament für das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Eine Woche später hatten die Frauen ihr Ziel erreicht. 1957 trat Doria Shafiq in einen Hungerstreik, um den Rücktritt von Gamal Abdel Nasser zu fordern. Dieser war nach dem Putsch von 1952 mittlerweile Staatspräsident geworden. Nasser liess Doria Shafiq unter Hausarrest stellen, ihre Texte vernichten und ihren Namen aus allen Publikationen streichen. In völliger Isolation nahm sie sich 1975 das Leben.

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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht».

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