Entwicklung der Esbriet-Umsätze in Europa und Kanada © Intermune/IS
Esbriet Markteinführung in Europa © Intermune
Institutionen als Intermune-Aktionäre © Intermune
Investmentfonds als Aktionäre von Intermune © Intermune

Hohe Kassenprämien für Spekulanten

Urs P. Gasche / 26. Aug 2014 - Gigantische Medikamenten-Preise: Nicht um Forschungskosten zu decken, sondern um Investoren Gewinne zu sichern.

Für das kleine Pharma-Unternehmen Intermune, das bei einem Umsatz von 130 Millionen Dollar rote Zahlen schreibt, bietet der Roche-Konzern 8,3 Milliarden Dollar. Dies entspricht dem 63-fachen des Umsatzes. Das sind schlechte Aussichten für die Prämienzahlenden.

Das Medikament mit dem Wirkstoff «Esbriet» ist das einzige, das Intermune herstellt und verkauft. Es ist in der Schweiz noch nicht zugelassen. In Kanada und der EU wird es gegen idiopathische Lungenfibrose eingesetzt. In den USA soll das Medikament nächstens zugelassen werden.* Das Medikament kann diese tückische Krankheit nicht heilen, aber das Leben von betroffenen Patienten verlängern. Die Umsätze von Medikamenten mit dem Wirkstoff Esbriet sind in Kanada und der EU am steigen (siehe Grafik oben).

8,3 Milliarden nicht für Forschungsaufwand, sondern für Verkaufsaussichten

Intermune gab 2013 nach eigenen Angaben 115 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung aus sowie 150 Millionen Dollar für Marketing und Administration. Für Letztere sind im laufenden Jahr 225 Millionen Dollar reserviert.

Der «exorbitante Kaufpreis», so die NZZ, hat sehr wenig mit dem bisherigen Aufwand für Forschung und Entwicklung zu tun. Dem Preis liegt laut NZZ vom 25.8.2014 folgende Rechnung zu Grunde: In den USA und in Europa gibt es insgesamt rund 200'000 Patientinnen und Patienten jährlich mit idiopathischer Lungenfibrose. Wenn Roche einen jährlichen Therapiepreis pro Patient von 40'000 bis 50'000 Dollar verlangt, erzielt der Konzern Einnahmen von 8 bis 10 Milliarden Dollar jährlich. Die NZZ kommentiert: «Diese Projektionen, und nicht die bisherigen Leistungsdaten von Intermune, waren es, die den Übernahmepreis in die Höhe trieben.» Roche müsse felsenfest überzeugt sein, dass sich das Medikament zum Milliardenknüller («Blockbuster») entwickelt. Man muss hinzufügen: Roche muss auch felsenfest überzeugt sein, dass überall ein Preis von 40'000 bis 50'000 pro Patient und Jahr durchgesetzt werden kann.

Grundversicherung finanziert Spekulationsgewinne

Die 40'000 bis 50'000 Dollar pro Patient und Jahr zu Lasten der Grundversicherung und Prämienzahlenden wird Roche mit ach so teuren Ausgaben für Forschung und Entwicklung rechtfertigen. In Wahrheit finanzieren die Prämienzahlenden mit enorm überhöhten Medikamentenpreisen, mit denen Roche den Kauf finanzieren will, spekulierende Investmentfonds, Institutionen und private Investoren, die Aktien von Intermune gekauft hatten. Diese Aktionäre streichen mit dem Verkauf an Roche zusammen Milliardengewinne ein.

Nichts gegen Gewinne für Investoren, dank denen ein wirksames und zweckmässiges Medikament entwickelt werden kann. Aber es darf nicht sein, dass ein Pharmakonzern Investoren mit einem Phantasiepreis zu stark überrissenen Gewinnen verhilft im Wissen, dass das Geld bei den Prämienzahlenden locker geholt werden kann.

Denn falls das Bundesamt für Gesundheit den geforderten Esbriet-Preis nicht akzeptieren wird, lanciert Roche eine Kampagne, mit der es die Behörden der «Zweiklassenmedizin» bezichtigt, weil sich nur noch Zusatz- oder Privatversicherte das Medikament leisten könnten und Allgemeinversicherte, die an Lungenfibrose erkrankt sind, in den früheren Tod geschickt würden. Diese erpresserische Methode hat System.

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Institutionen und Fonds, die in Intermune-Aktien investiert haben (nur Auszüge):

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*Anfänglich berichteten wir fälschlicherweise, dass Esbriet auch in den USA bereits zugelassen sei.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor vertritt Prämienzahlende und Patienten in der Eidgenössischen Arzneimittelkommission.

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9 Meinungen

Was, Herr Gasche verstehen Sie als Mitglied der Eidgenössischen Arzneimittelkommission (EAK) bitteschön als 'wirksam' und 'zweckmässig', so dass überhaupt beim BAG solche Preise zugelassen werden. Ich kann es nicht verstehen, wie Sie die Pharma angreifen und in der EAK aber gleichzeitig alles durchlassen! Tragen Sie endlich Ihre Verantwortung, so dass die EAK nicht nur eine Alibi Funktion hat, deren nutzlosen Sitzungsgelder wir für Sie und Ihre Kollegen ebenfalls zu bezahlen haben! Zucken Sie nicht hilflos mit den Schultern, wenn das BAG anders entscheidet als die EAK und publizieren Sie dies endlich transparent gegenüber uns Prämien- und Steuerzahlern, damit Sie, Herr Gasche, als Kritiker gegenüber den Medikamentenpreisen überhaupt noch als glaubwürdig betrachtet werden können!

Wie haben Sie z.B. zu Zelboraf entschieden, welches die Prämienzahler 161'450 Franken pro Jahr für durchschnittlich 3,7 Monate Lebensverlängerung kostet, um damit gleich einmal zu beginnen?! Ist dies als 'wirksam' und 'zweckmässig' zu Lasten der Versicherten und Patienten der OKP zu bezeichnen?!

Danke für Ihre Stellungnahme, welche die Leser dieses Artikels aufgrund Ihrer aktuellen Kritik sicherlich sehr interessieren dürfte.
Andreas Keusch, am 26. August 2014 um 12:37 Uhr
Die FDA verteidigt und stützt übrigens wie jede nationale Gesundheitsbehörde die einheimischen Unternehmen. Der Kauf von ‚Intermune’ durch Roche ist nichts anderes, um so die FDA subtil gezielt unter Druck zu setzen. Es wird für die FDA so schwierig, gegenüber den Roche-Präparaten nicht ebenfalls solche Fantasiepreise zuzulassen, wenn sie dies schon für „Esbriet“ getan haben.
Andreas Keusch, am 26. August 2014 um 12:37 Uhr
Hochachtung Herr Gasche dass sie obige kritische Meinungen stehen lassen !

Zum Thema. In der Tat werden immer mehr «Nischen Medikamente» zu horrenden Preise und mit geringer Lebens verlängernde Wirkung angeboten und zugelassen. Der Druck auf die zulassende Behörden ist enorm, 2 Monate Lebens Verlängerung ist womöglich schon Grund (ethische Haltung) genug für eine Zulassung !

Das hat tatsächlich System, denn die Pharma Industrie kann sich so die schwindende Gewinne durch das auslaufen der Patente auf alte bewährte Medikamente (Generika) quersubventionieren bzw. sich weiterhin Gewinne sichern.

Ich finde die Zulassungs-Kriterien bzw. den Kassenzwang sollte radikal revidiert werden und „exorbitant teuere“ Medikamente (und da gibt es etliche beispiele dafür), die das Leben der Patienten z. B. „unter einem Jahr verlängern“ (neue Kriterien sollten festgelegt werden) nicht mehr zulassen.
Es wird vermutlich schwierig sein diese grenze zu ziehen aber die Behörden sollten kritischer hinschauen und das „Spiel“ der Pharma Industrie doch durchschauen.
Denn es gibt noch eine andere sicht der Angelegenheit : Was dürfen wir dem machtlosen Prämienzahler alles noch zumuten.
Frau Carmey Bruderer, am 26. August 2014 um 14:25 Uhr
Sehr geehrte Frau Bruderer

Die Medikamentenpreisproblematik ist eine Folge der fehlenden politischen Einforderung und Umsetzung des WZW-Kriteriums «Zweckmässigkeit» (medizinische Notwendigkeit, med. Nutzen) gemäss Art. 32 Abs. 1 KVG bei der Aufnahme und Preisüberprüfungen von Arzneimitteln der SL im rein wirtschaftlichen Interesse der 'Gesundheitsindustrie' leider auf Kosten des gesundheitlichen 'Wohls des Einzelnen' und der Kosteneffizienz der OKP. Dies gilt es zu erkennen und angemessen zu korrigieren, damit unsere Ärzte Menschenleben nicht infolge horrender Kosten aufgeben oder sogar darüber entscheiden müssen, welches Leben noch 'sinnvoll' oder 'nutzlos' ist (Kosten-Eugenik in 'wertes' oder 'unwertes' Leben - siehe z.B. aktuelle menschenverachtende Debatte zu Sovaldi - http://www.20min.ch/schweiz/news/story/31325483).

Zur hinterfragenden kritischen Auseinandersetzung, selbstverständlich auch meiner Meinung:

http://www.saez.ch/docs/saez/archiv/de/2009/2009-37/2009-37-1039.PDF

http://www.saez.ch/docs/saez/archiv/de/2011/2011-20/2011-20-Briefe.PDF

http://www.saez.ch/archiv/details/quo-vadis-preisgestaltung-und-nutzenbeleg-neuer-krebsmedikamente.html
Andreas Keusch, am 26. August 2014 um 15:24 Uhr
Entschuldigung. Frau oder Herr Bruderer
Andreas Keusch, am 26. August 2014 um 15:28 Uhr
Schüchterne Frage zur Krankenkassendiskussion: Warum gehören Zahnarztkosten nicht schon längst zur obligatorischen Versicherung?
Warum will keine Partei sich dazu äussern? Auch die nicht, die vorgeben,
sich für Arme und Kleinverdiener einzusetzen?
Rolf Leemann, am 22. September 2014 um 18:11 Uhr
@Rolf Leemann

Um Gottes Willen nur das nicht !
Wollen sie bei dem (horrenden) Zahnarzt Tarife die wir in der CH zu berappen haben aufs mal danach doppelte KK Prämien bezahlen ? ... Es sei sie geniessen eine KK Prämien Befreiung, dann könnte es ihnen ja egal sein ... sorry, bin ein böses Mädchen ... smile
Frau Carmey Bruderer, am 22. September 2014 um 19:31 Uhr
Müsste man da nicht eben diese Preise diskutieren, oder fragen,
warum denn in Deutschland Zahnarztkosten «dabei» sind? Übrigens: böse Mädchen ...kommen in den Himmel! :-)
Rolf Leemann, am 22. September 2014 um 22:38 Uhr
@Rolf Leemann

Im «Himmel», ... wie komfortabel ist es dort ?...

Bei den Zahnarztkosten, da haben sie recht, die Preise hier sind Stossend. Aber eben es ist halt so, wo eine Gruppe alleine das sagen hat, dort herrscht leider Preis-Wucher.

Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, bei uns gehören diese Kosten nicht (mehr) in die schon zu teueren Kassen. Es ist zu spät, genau so wie ein «neu Aufbau einer Einheitskrankenkasse» zu spät käme, denn wir sind auf so einem hohen preislichen Niveau dass die meisten auch in der „reichen“ Schweiz die Prämien danach nicht mehr bezahlen könnten.
Im Gegenteil, dort wo eine Staatliche (oder Parastaatliche) Institution die Kosten sozusagen garantiert übernimmt, dort geht die Post erst recht ab. Siehe Kosten bei den Hilfsgeräte die die IV (Invalidenversicherung) zu übernehmen hat. Rollstühle zu Rolls-Royce preise, Hörgeräte zu schwindelerregende Summen, Spezialbetten locker zu 10'000.- Fr. pro Stück zu haben, usw. und so fort.

In Deutschland herrscht eine andere Kultur, die sind viel preisbewusster, keiner will zuviel Geld ausgeben, knallhart wird dort kalkuliert und tagelang verglichen, siehe auch die Lebensmittelkosten wo ich mich manchmal frage … „wie machen die das bloss“ …
Diese art von Denken täte uns hier auch gut, aber eben wir hatten keinen Krieg und daher betten wir uns halt etwas … Komfortabler & Teurer.
Frau Carmey Bruderer, am 22. September 2014 um 23:30 Uhr

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