Die Hälfte des exportierten Schmucks kommt unverkauft zurück © noebse/wikimedia commons

Die Hälfte des exportierten Schmucks kommt unverkauft zurück

Aussenhandel stark – Leerlauf inbegriffen

Hanspeter Guggenbühl / 28. Jan 2016 - Der Schweizer Aussenhandel erscheint in der Statistik grösser, als er ist. Viele Waren werden nutzlos hin und her geschoben.

Im Jahr 2015 hat die Schweiz Waren im Wert von 202,9 Milliarden Franken exportiert und im Wert von 166,3 Milliarden Franken importiert. Daraus resultierte ein rekordhoher Exportüberschuss von 36,6 Milliarden Franken. Das zeigt die neuste Aussenhandels-Statistik, welche die Oberzolldirektion Anfang Woche veröffentlichte.

Die Aufwertung des Frankens führte im Vergleich zum Vorjahr zwar zu einem leichten Rückgang der Ein-und Ausfuhren. Trotzdem erreichten die Exporte 2015 den dritthöchsten Stand in der Schweizer Wirtschafts-Geschichte.

Leerlauf inbegriffen

Im- und Exporte zusammen waren in den letzten Jahren mehr als halb so gross wie die gesamte volkswirtschaftliche Leistung (das Schweizer BIP beträgt rund 650 Milliarden Franken). Das zeigt, dass die Schweizer Wirtschaft besonders stark vom Ausland abhängig ist.

Allerdings: Die offizielle Statistik lässt den Aussenhandel grösser erscheinen, als er tatsächlich ist. Denn sie erfasst auch jene Waren, die ohne jeglichen Nutzen über die Grenzen hin- und her transportiert werden. Dazu zwei herausstechende Beispiele:

  • Die Schweiz exportierte 2015 Schmuck und andere Bijouteriewaren im stolzen Wert von 10,7 Milliarden Franken. Doch annähernd die Hälfte dieser Waren kam als «Re-Import» unverändert und unverkauft wieder zurück, zum Teil, weil sie nur als Leihgaben exportiert wurden.
  • Gerade umgekehrt verhält es sich im Bereich Textilien, Bekleidung und Schuhe: Der Wert dieser Exporte belief sich 2015 auf total 3,15 Milliarden Franken, obwohl in der Schweiz nur noch wenig gewoben und geschneidert wird. Des Rätsels Lösung: Bei annähernd einem Viertel handelt es sich nicht um echte Ausfuhren, sondern um «Re-Exporte», also um Retour-Sendungen von zuvor importierten Kleidern und Schuhen.

Solche Abweichungen seien «unschön», räumt Matthias Pfammatter, Ökonom bei der Oberzolldirektion ein. Der Grund: Der Aussenhandel wird gemäss internationalen Normen mit einer Bruttostatistik erfasst. Diese unterscheidet nicht zwischen echten Exporten oder Importen und Leerlauf. Darum erfasst die Oberzolldirektion die sogenannten Rückwaren in einer – weniger bekannten – separaten Erhebung. Demnach summierten sich alle Re-Importe und Re-Exporte im Jahr 2014 auf 10,3 Milliarden Franken. Das entspricht immerhin einem Anteil von 5,1 Prozent am gesamten Export- und von 6,2 Prozent am Importwert.

Zur Veredelung über die Grenze

Neben den erwähnten Rückwaren, die unverändert ins Ausgangsland zurück spediert werden, gibt es einen grenzüberschreitenden Veredelungs-Handel. Dazu ein Beispiel, das schon vor Jahren herangezogen wurde, um das durch Arbeitsteilung ausgelöste Wachstum des Güterverkehrs zu illustrieren: Ein Schweizer Wäschehersteller spediert vorgeschnittene Stoffe in ein Tieflohnland. Dort werden sie zusammen genäht und als Unterhosen in die Schweiz zurück befördert, bevor sie der Hersteller im Inland verkauft oder erneut ins Ausland exportiert.

Der gesamte Veredelungshandel zwischen In- und Ausland, so lässt sich aus weiteren Erhebungen zusammenrechnen, macht 2,3 Prozent aller Exporte und 2,9 Prozent aller Importe im Jahr 2015 aus.

Einkaufstourismus fehlt

Neben Doppelzählungen enthält die Statistik auch eine wesentliche Lücke: Sie erfasst nur den gewerblichen Aussenhandel. Wenn etwa Privatpersonen per Internet Computer oder Velos für den Eigenverbrauch importieren, werden diese statistisch nicht erfasst. Das gleiche gilt für den Einkaufstourismus von Schweizern in den Nachbarstaaten. Dieser, so zeigen die Autokolonnen in Konstanz, hat seit der Frankenaufwertung nochmals deutlich zugenommen und summiert sich auf schätzungsweise elf Milliarden Franken.

Die Einkäufe von Privatpersonen im Ausland dürften die nicht gewerblichen Käufe von Ausländern in der Schweiz übersteigen. Was zeigt: Tendenziell überschätzt die Aussenhandels-Statistik die Exporte sowie den Export-Saldo und unterschätzt die Importe.

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