Ein Erlass für den Service des Publikums

Hanspeter Guggenbühl © Guggenbühl
Hanspeter Guggenbühl / 03. Jul 2015 - Alle reden vom Service public. Wir reden vom Service des Publikums.

Eigentlich ging es um Gebühren. Doch die Debatte vor und nach der Volksabstimmung vom 14. Juni dreht(e) sich primär um die Frage, wie weit der «Service public» von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gehen soll. Muss das Staatsradio uns nur informieren oder auch noch zur körperlichen Ertüchtigung animieren? Reicht es, wenn ein gebührenfinanzierter Frosch uns das Wetter prophezeit? Oder braucht es zusätzlich eine Moderatorin, die uns mit kindergartentantenhafter Stimme fragt: «Müemer de Schirm iipacke oder chömer zabig grille?»

Diese Diskussion lässt ein ebenso gewichtiges Thema ausser Acht: Den Service, den das Publikum den «Service-public»-Sendern bietet. Denn dieser Gratisdienst nimmt stetig zu. Bei der Wahl des Musikprogramms hilft das Publikum den Radiomachern zwar schon seit Jahrzehnten. Aber die Ansagen im Wunschkonzert und die Gestaltung aller andern Sendungen besorgten die gebührenfinanzierten Medienprofis lange Zeit noch selber. Heute hingegen fordern sie die Gebührenzahler immer häufiger auf: «Lütet Sie eus a.»

Seither muss das Publikum den Modera-Toren täglich Quiz- und andere Fragen beantworten oder über «Ihr schönstes Erlebnis», «Ihre erste Liebe», Erfahrungen mit Männerfreundschaften, Krebsdiagnosen, Trinkgeldern etc. berichten. Zur Strafe des übrigen Publikums werden diese Plaudereien auch noch ausgestrahlt.

Selbst bei der Information sollen wir den Radioprofis neuerdings unter die Arme greifen: «Werden Sie Staumelder von Radio SRF», heisst die neuste Aufforderung. Auch diesen Service haben Hilfsbereite gratis zu erbringen.

Es wäre an der Zeit, für den Service des Pubklums einen Gebührenerlass einzuführen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

6 Meinungen

Wie recht sie haben, herr Guggenbühl, sie reden mir aus dem herzen. Geheimtipp: wechsewln sie für radio auf «Option Musique - RTS» und fürs inhaltsreiche fernsehen auf «Arte» (ohne werbungsunterbrüche!!).
Gabriella Broggi, am 03. Juli 2015 um 16:27 Uhr
Ja... «Gegenstand auf der Fahrbahn» dass solch ein Blödsinn auch noch gesendet wird, finde ich höchst erstaunlich! Ob dies nun gezieltes Abholen eines Service des Publikums ist oder schlichte Verblödung? Zur Abwechslung wird auch einmal «Tiere auf der Fahrbahn gemeldet»... Ich weiss wirklich nicht, ist es die dümmliche Sucht nach Mitmach-Einschalt-Quoten oder das nachäffen der noch blöderen Kommerzsender?
Die Musikredaktion...? gibt es denn überhaupt eine solche?
Ist es Verschwörungstheorie oderVerschwörungspraxis, jedenfalls gewollte Verblödung.... und keinesfalls irgend etwas wirklich Kritisches, denn selbst zu denken bedeutet ein unkalkulierbares Risiko. Der Gleichschritt gibt uns hingegen das Gefühl der Einheit. Zum Glück gibt es noch den ollen Meloni - die Welt ist aus den Fugen....
Urs Lachenmeier, am 03. Juli 2015 um 22:55 Uhr
SRG: Gebühren- und Budgetobergrenze statt endlose Diskussion des Service public

Endlose öffentliche Diskussionen um nötige und unnötige Programmteile der SRG bringen uns nicht weiter bei der Neudefinition des Service public. Die SRG muss mittels Beschränkung der Finanzmittel gezwungen werden, selbst den Kerngehalt des Service public gemäss Art. 93 BV festzulegen.
Alex Schneider, am 04. Juli 2015 um 06:02 Uhr
Da auf infosperber dieser Beitrag direkt nach der Sprachbetrachtung von Daniel Goldstein folgt, drängt sich mir die Bemerkung auf, dass korrekter Sprachgebrauch auch eine Form des Service publique ist: In der Schweiz heisst das Verb «grillieren» - «grillen» ist die entsprechende Bezeichnung in Deutschland.
Arnold Fröhlich, am 06. Juli 2015 um 22:01 Uhr
@Frölich als uebersetzerin kenne ich das problem mit dem schweizerischen «hochdeutsch» eben so gut wie mit dem «italiano della Svizzera», will heissen vieles ist eben aus den resp. dialekten übersetzt und hat mit der sprache Goethes oder Dantes nichts mehr zu tun, sondern wirtkt in den angestammten ländern komisch. Ich finde daher dass man ruhig korrekte(re) worte ueberrnehmen darf, als bereicherung. Was sagen sie denn zur grassierenden anglomania oder zum ingliano? Diese werrden zudem auch meist falsch angewendet und ausgesprochen. Sie sehen, es gibt schlimmere «Bedrohungen» für die resp. Sprachen.
Gabriella Broggi, am 07. Juli 2015 um 09:02 Uhr
@ Gabriella Broggi: Ihrem letzten Satz kann ich voll zustimmen. Tatsächlich sind die grassierenden Anglizismen eine grössere Bedrohung für einen richtigen Sprachgebrauch als die Differenzen zwischen den verschiedenen deutschen Sprachregionen. Allerdings geht es bei «grillen» resp. «grillieren» nicht um eine «korrekte» resp. «weniger korrekte» Begriffsverwendung . Beides ist, je nach Herkunft des Sprechers, völlig korrekt. Es gibt keinen Grund, einen regionalen Sprachgebrauch an der Sprache Goethes (oder eben Deutschlands) anzupassen. Die Österreicher verwenden Hunderte von Austrazismen (Marillen, Palatschinken, Schlagobers usw.) und unsere Helvetismen (Velo, parkieren, Trottoir usw.) machen den Reichtum der deutschen Sprache erst aus, der diese lebendig und vielfältig erhält.
Arnold Fröhlich, am 07. Juli 2015 um 10:47 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.