Schwarm von Atlantischen Blauflossenthunfischen © NOOA / Marine Photobank

Schwarm von Atlantischen Blauflossenthunfischen

Die Menschen essen zu viele Blauflossen-Thunfische

Billo Heinzpeter Studer / 07. Dez. 2011 - Der Bestand ist enorm geschrumpft, teilt die US-Akademie für Wissenschaften mit. Paul Greenberg erklärt die Gründe des Überkonsums.

Wer regelmässig Fisch isst, wird hin und weder mit Informationen von Umweltorganisationen konfrontiert, wenn nicht gar von einem wohlmeinenden Freund ermahnt, diese oder jene Fischart zu meiden, weil sie dem Aussterben nahe ist.

Bei manchen Arten hat das funktioniert, aber ausgerechnet beim Blauflossen-Thun nicht. Der stärkste Schwimmer im Meer ist höchst bedroht. In den Weltmeeren gibt es heute nur noch vierzig Prozent so viele wie noch vor fünfzig Jahren, wie das Fachmagazin PNAS der US-Akademie der Wissenschaften diese Woche mitteilte.

Warum versanden alle Appelle beim Blauflosse-Thunfisch? Das fragt der britische Journalist und Freizeitfischer Paul Greenberg, dessen Buch «Four Fish» zum bekannten Film «The End of The Line» geführt hat. Er gibt drei Antworten.

Grund 1: Es gibt mehr als eine Art von Blauflossen-Thun

Es gibt den atlantischen, den pazifische und den südlichen Blauflossen-Thunfisch (Bluefin). Dabei kommt es oft zu Verwechslungen, auch mit der Art des Grossaugen-Thuns. Aber alle diese Arten sind bedroht. In den USA kommt vor allem der pazifische auf den Tisch; einige sagen, weil sein Bestand noch am stärksten sei, andere hingegen monieren, man wisse noch nicht einmal, wie gross er eigentlich ist.

Grund 2: Unterschiedlich gute Jahrgänge

Jede Fischart hat gute und weniger gute Jahre, denn die Vermehrung eines Bestands hängt von zahlreichen und wechselnden Bedingungen ab. Die Regierungen neigen beim Festlegen von Fangquoten zu sehr kurzsichtigen Entscheidungen; wenn ein Bestand gerade zunimmt, erhöhen sie die Quote, anstatt dem Bestand die Zeit zu lassen, sich voll zu entwickeln. Grosse Raubfische wie der Thun brauchen hierfür mehrere Jahre. Wenn, wie im Fall des Atlantischen Bluefin, der Bestand zuvor mehrere schlechte Jahre hatte, ist die Heraufsetzung der Quote nach einem einzigen guten Jahr schlicht unverantwortlich.

Grund 3: Internationaler Handel

Der Handel mit Bluefin umfasst Dutzende von Ländern. Um wirksam zu werden, müsste ein Boykott des Bluefin-Handels international durchgeführt werden. Aufgrund der divergierenden Interessen der beteiligten Staaten ist dies bis auf weiteres illusorisch.

Kommentar: Generell zu hoher Fischkonsum

Greenbergs drei Antworten sind unvollständig. Das Problem ist nicht lösbar, indem statt Blauflossen- einfach andere Thunarten stärker befischt und konsumiert werden. Auch der Verzicht auf Thunfisch jeder Art ist wenig sinnvoll, wenn er durch andere Fischarten ersetzt wird. Solange der Fischkonsum generell zu hoch ist, wird er nach und nach jede Art gefährden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Fachstellenleiter fair-fish und Beirat Friend of the Sea

Weiterführende Informationen

Zum Trailer des Films «The End of the Line»
Zum Buch «Four Fish» von Paul Greenberg
Zu Thunfisch generell
Zum Fischkonsum allgemein

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