Wo Line Larsen angeblich wohnt © cc Ch. Todte
Der Tatort des Wohnungsbetrugs © cc Ch. Todte

Die Maschen der Wohnungsbetrüger

Heinz Moser / 07. Feb 2016 - Vorsicht bei Wohnungen zu Schnäppchenpreisen: Betrüger wollen nur happige Kautionen einstreichen.

Eine Wohnung in einer angesagten europäischen Grossstadt – das wäre doch etwas. So etwa die 3-Zimmerwohnung im Trendviertel Berlin-Friedrichshain zum Schnäppchenpreis von 170 000 Euro. Auf eine erste Anfrage meldet sich Line Larsen, eine Dänin. Sie schreibt in gebrochenem Deutsch: «Ich bin Line Larsen, der Eigentümer mit der Müggelstraße 5,10247 Bern. Vielen Dank für Ihr Interesse. Ich verstandte nur ein bisschen Deutsch (Ich bin Dänisch), damit sprechen Sie Dänisch oder Englisch? Es wird einfacher für mich aber falls nicht, wir können versuchen mit deutschen.»

Abb. 1: Der «Tatort» des Wohnungsbetrugs (cc Ch.Todte)

Dank Google kann man das Haus sogar mit StreetView orten. Nach einer Bekräftigung des Interesses meint Frau Larsen, dass sie gerade nach England gezogen sei, wo sie am New London Hospital eine Stelle als Ärztin angenommen habe. Für eine Besichtigung und das weitere Prozedere müsse man sich an einen Stephen Langdon von der englischen Immobilienfirma Rightmove-estates wenden.

Das verschachtelte Vorgehen macht misstrauisch. Ein genauer Blick auf die mitgelieferten Bilder zeigt, dass die Küche der Schnäppchenwohnung zweimal abgebildet ist – mit unterschiedlichen Bildern. Und die eigene Adresse von Linda Larsen, die sie im Inserat mit Müggelstr. 12 in Berlin angegeben hat, führt auf einen unbebauten Abenteuerspielplatz.

Abb. 2: Die Adresse von Line Larsen (cc Ch. Todte)

Eine international agierende Betrügerbande

Ein Blick auf das Internetportal «wohnungsbetrug.blogspot.com», wo ahnungslose Kunden ihre Erfahrungen mit Wohungsbetrügern veröffentlichen, bringt es ans Licht: Mit einem bis auf den Wortlaut gleichen Mail versuchte schon eine Catherine Henrichon Kunden abzuzocken – nur dieses Mal mit einer unglaublich billigen 4 ½ Zimmer-Wohnung in München.

Wie man abgezockt wird

Auch wie es dann weitergeht, läuft nach einem raffinierten Schema ab. Denn es gibt eine Immobilienfirma «Rightmove» in London – allerdings ohne Bindestrich und angehängtem «estate». Die Fake-Seite ist aber professionell aufgemacht und wirbt viel aggressiver mit Prachtvillen in aller Welt als die richtige «Rightmove»-Seite. Auch der Chef der Fake-Firma, Yoram Meshulam, existiert gemäss der deutschen «Wirtschaftswoche»; doch in Wirklichkeit besitzt er eine Immobilienfirma in Barcelona und weiss nichts von den neuen Ehren, zu denen er gekommen ist.

Wer dann als Kunde weitermacht, wird von dem Makler in einem nächsten Schritt gebeten, erst einmal eine Kaution von einem Prozent der Kaufsumme zu machen. Damit werde die Wohnung für eine Besichtigung «reserviert».

Diese Masche kann man international verändern und immer wieder neu anpassen, um an das Geld von leichtgläubigen Kunden zu kommen – ob man eine Wohnung kaufen oder mieten möchte. Auch die Schweiz ist davor nicht gefeit. So kann man in Zeitungen immer wieder von einschlägigen Fällen lesen:

«20 Minuten» berichtet im letzten Jahr von einem Fall in Basel, wo es um die Miete einer Wohnung ging. Eine Maria Bucher, von Beruf «Zoologist at the Institute of Zoology London», meldete sich und kassierte als Vorauszahlung 2000 Franken ab. Auch hier steckt ein häufiger Trick dahinter, indem der Schlüssel zur Wohnung angeblich beim Ferienwohnungsanbieter «Airbnb» abzuholen ist. Nur weiss man dort nichts davon. – und die «Kaution» ist definitiv futsch, wenn man dort den Schlüssel holen will.

Das Ausmass der Betrügereien

Doch wie gross ist die Gefahr, dass man auf ein betrügerisches Angebot stösst, wenn man eine Wohnung mieten oder kaufen will? Auf der Website «wohnungsbetrug.blogspot.com», wo Immobilienkunden Wohnungsbetrugs-Inserate sammeln, gibt es täglich neue Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum, wo Betrüger unterwegs waren.

Sowohl bei «immoscout24.ch» wie bei «immowelt.ch» geht man insgesamt davon aus, dass es zwar nur eine geringe Zahl von betrügerischen Inseraten ist, welche durch die Maschen der internen Sicherheitskontrollen schlüpfen. Doch meint Cornelia Magnin von «immoscout24.ch»: «Die Zahl der Betrugsversuche hat klar zugenommen. Aber auch die Sicherheitsmechanismen und -hürden seitens der Plattformbetreiber wurden immens aufgerüstet.» Es sei jedoch ein ständiges Wettrüsten und die Plattformbetreiber seien sehr stark auf die Sensibilität der Nutzer und Kunden angewiesen.

Tim Kempen von Immowelt ordnet den Wohnungsbetrug in die gesamte Entwicklung des Online-Handels ein: «Internetbetrug betrifft die gesamte Online- und Finanzindustrie und hat mit der fortschreitenden Digitalisierung ebenfalls spürbar zugenommen.» Davon sei auch der Immobilienbetrug nicht ausgenommen. Die grösste Herausforderung sei dabei die Anonymität im Netz. Kempen: «Oftmals agieren die Betrüger über mehrere Server weltweit, um ihre Spuren schnellstmöglich wieder zu verwischen.» So wie im Fall der «Dänin» Line Larsen, die in «Berlin» eine Wohnung vermieten will, aber in «London» über eine gefakte «weltweit operierende Immobilienfirma» uns das Geld aus der Tasche ziehen will.

Die Empfehlungen der Immobilienprofis

Wer sich für eine Wohnung interessiert, sollte nach den Empfehlungen der Immobilienprofis folgende Vorsichtsmassregeln befolgen:

  • Vorsichtig muss man bei äusserst attraktiven und günstigen Angeboten sein, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Vorauszahlungen jeglicher Art sind zu vermeiden: ein seriöser Anbieter verlangt keine Vorauszahlungen für Besichtigungen.
  • Überprüfen Sie Kontaktangaben. Namen und Adressen, die oft nicht übereinstimmen. Über Suchmaschinen kann nach Verkäuferpseudonym, Firmennamen, Personennamen gesucht werden.
  • Auf Google Earth / Google Maps kann man überprüfen, ob an der angegeben Adresse überhaupt Wohnungen bestehen. Mit StreetView sieht man zudem, wie das reale Haus aussieht.
  • Informieren Sie die Betreiber der Plattform, wenn Sie Betrug vermuten.

(siehe zu den Empfehlungen auch:

immoscout24.ch

immowelt.ch)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Schade, dass auch Sie die Argumente der Plattformbetreiber unkritisch übernehmen: von den Dutzenden Betrugsversuchen, die ich schon gemeldet habe (je nach Plattform ziemlich mühsam, weil für Betrgusmeldungen nicht einmal ein Link existiert), wären 100% auf einfachste Weise automatisch eliminierbar gewesen! Die Plattformbetreiber sind aber entweder nicht willens oder nicht fähig, solche Filter einzubauen. Und immer, wenn das Thema wieder auftaucht, lamentieren sie über die ach so geschickten Betrüger...
Patrick Hafner, am 07. Februar 2016 um 22:28 Uhr

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