Jahresmobilität Inland Ausland © Bundesamt für Statistik

Schweizer Mobilität wächst im Ausland explosiv

Hanspeter Guggenbühl / 18. Mai 2017 - 68 Kilometer pro Tag legt eine in der Schweiz lebende Person im Schnitt zurück. Das Wachstum resultiert aus Flügen ins Ausland.

2015 habe eine Person in der Schweiz im Durchschnitt 36,8 Kilometer pro Tag zurückgelegt, etwa gleich viel wie bei der letzten Erhebung im Jahr 2010. Sie verbrachte damit täglich 90 Minuten im Verkehr. Diese Botschaft stellten gestern die meisten Medien an die Spitze ihres Berichts über die jüngste Studie zum Verkehrsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer (Mikrozensus 2015).

Doch das ist nur etwas mehr als die halbe Wahrheit. Denn bei den 36,8 Kilometern und dem Zeitbedarf von 90 Minuten pro Tag handelt es sich lediglich um den alltäglichen Verkehrskonsum innerhalb der Landesgrenzen. Dazu kommen Reisen im Inland, im Tagesmittel im Umfang von 0,9 Kilometern, die in einer Separatbefragung erfasst werden. Ergibt ein Total von 37,7 Kilometer pro Kopf und Tag im Inland.

37,7 km im Inland plus 30,4 Kilometer im Ausland

Weitere 30,4 Kilometer pro Tag legten Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf und Tag im Ausland zurück. Dabei handelt es sich zum kleinen Teil um «Alltagsmobilität» (Einkauf ennet der Grenze, pendelnde Manager, regelmässige Tagesflüge ins Ausland etc.), zum Grossteil um mehrtägige Reisen ins Ausland und innerhalb des Auslands.

Aus der Addition von 37,7 Kilometern im Inland und 30,4 Kilometern im Ausland resultiert die durchschnittliche tägliche Gesamtmobilität von 68,1 Kilometer pro in der Schweiz lebenden Person und Tag; höher als die eingangs erwähnten 90 Minuten – aber von der Erhebung nicht erfasst – ist damit auch der tägliche Zeitbedarf. Im ganzen Jahr 2015 (365 Tage) resultierte daraus pro Kopf eine Gesamtmobilität von rund 25 000 Kilometern (siehe Grafik).

Auslandflüge lassen Mobilität explodieren

Ebenso bemerkenswert wie der Stand im Jahr 2015 ist die Entwicklung:

o Im Inland allein wuchs der Verkehrskonsum pro Kopf seit der Jahrtausendwende nur geringfügig, von 2010 bis 2015 lediglich um ein Prozent (siehe Grafik). Dabei aber handelt es sich – wie bei der gesamten Erhebung – um Daten pro Person. Weil die Bevölkerungszahl in den letzten Jahren jährlich um rund ein Prozent gewachsen ist, hat der Gesamtverkehr viel stärker zugenommen als die Mobilität pro Person.

o Der Verkehrskonsum der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland hingegen ist laut Mikrozensus-Erhebungen geradezu explodiert. Allein im Zeitraum von 2010 bis 2015 betrug das Wachstum satte 61 Prozent (siehe Grafik).

Ein kleiner Teil dieses massiven Wachstums lässt sich mit einer veränderten Erhebungsmethode begründen (Befragung neu auch über Mobiltelefon und damit Erfassung eines grösseren Anteils an mobilen Menschen). Der Haupttreiber des wachsenden Verkehrs von in der Schweiz lebenden Personen im Ausland ist der Luftverkehr, der mit Öko-Dumping und tiefen Tarifen gefördert wird. Diese Analyse bestätigt auch eine separate Erhebung über die «Reisen mit Übernachtungen ins Ausland», bei denen das Flugzeug als Reisemittel distanzmässig klar dominiert. Demnach stieg die Gesamtdistanz der Flugreisen pro Person um 57 Prozent. Sowohl die Zahl als auch die Länge der Flüge nahm pro Person in den letzten Jahren deutlich zu.

Im Bericht erst auf Seite 67

Bleibt noch die Frage, warum die meisten Medien auf die – pro Kopf stagnierende – Mobilität im Inland und damit auf die Zahl von 36,8 Kilometer fokussierten. Die Antwort ist einfach: Die Daten über die Gesamtmobilität von Schweizerinnen und Schweizern im In- und Ausland findet man im Mikrozensus-Bericht erst ab Seite 67. Da stützen sich die meisten gehetzten Journalistinnen und Journalisten lieber auf die am Dienstag veröffentlichte Medienmitteilung und die Präsentation an der Medienkonferenz, die ebenfalls die Mobilität im Inland in den Vordergrund rückte.

---

Verkehrsverhalten der Bevölkerung / Ergebnisse des Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2015, herausgegeben von den Bundesämtern für Statistik und für Raumentwicklung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Dossier Flugverkehr

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

2 Meinungen

Da das Bevölkerungswachstum 5.1% beträgt und die persönliche Mobilität um 1% wuchs, ist die Gesamtmobilität in 5 Jahren im Inland um gerade mal 6.2% gestiegen.
Christoph Wydler, am 18. Mai 2017 um 12:25 Uhr
De l'absurdité des moyennes en statistique...

Une moyenne du diamètre des petits pois dans une boîte de petits pois a un sens en statistique. Et encore faut-il fournir la taille de l'échantillon et les marges d'erreur et d'incertitude...
En revanche, le déplacement quotidien du Suisse Moyen - avec un «précision» de l'hectomètre ! - n'a aucun sens puisque le Suisse Moyen n'existe pas, pure fiction statistique.
Ecrire, comme le fait H.Guggenbühl, que le parcours quotidien du Suisse Moyen est de 68 km, c'est mélanger des bébés et des grands vieillards, des conducteurs de trains routiers et des piétons, des vacanciers volant vers la Thaïlande et des pendulaires captifs entre A-xxx et B-yyy.
Cela n'a simplement aucun sens.
Il faudrait évidemment commencer par diviser la population en une douzaine de classes et autant de sous-classes pour savoir, grosso modo, de qui l'on parle. Mais la statistique suisse (en général, et l'officielle, en particulier) , depuis longtemps sinon toujours, manque cruellement «d'esprit de finesse» et prend la pelle et la pioche pour des outils d'horlogers.

Il ne faut pas confondre statistique et arithmétique élémentaire. La première exige de sortir des généralités et de saisir des nuances, souvent floues. La seconde relève plutôt de la mécanique.
En bref, il ne faut pas confondre Suisses et petits pois en boîte.

Gil Stauffer
2300
Gil Stauffer, am 18. Mai 2017 um 13:19 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.