Aarau einst und heute (Bilder VBS/PBG) © VBS/pbg

Zersiedelung: Diesmal über Aarau (5)

Peter Brotschi / 24. Jan 2016 - Die Aargauer Kantonshauptstadt entwickelte sich stark – nach innen wie nach aussen.

Heute betrachten wir mal die Veränderungen einer Stadt aus einer relativ tiefen Höhe. Wir befinden uns über der Altstadt von Aarau und blicken Richtung Osten. Als Leitlinie für das Auge dient auf dem alten wie neuen Bild die Bahnlinie SBB Richtung Zürich. Ganz unten ist auf beiden Fotos die römisch-katholische Kirche Peter und Paul zu erkennen. Die Aare sieht man nur auf dem neuen Foto ganz oben links ein wenig, sie fliesst unmittelbar links ausserhalb der Fotos.

Aarau 1942 (Bild VBS)

Im Zentrum des historischen Fotos steht das Zeughaus. Dieses war wohl auch der Grund für die Aufnahme, welche eine Besatzung der Luftwaffe mitten im Zweiten Weltkrieg machte, nämlich am 27. August 1942. Die mehrteilige Anlage mit dem markanten U-förmigen Gebäude dient seit Herbst 2014 nach über 200 Jahren nicht mehr dem ursprünglichen Zweck. Ein Teil der Gebäude soll zum neuen Sitz des Departementes für Gesundheit und Soziales von Regierungsrätin Susanne Hochuli umfunktioniert werden.

Am oberen Bildrand links ist auf dem alten Foto das Dorf Rohr zu sehen. Ebenfalls oben sind rechts der Bahnlinie nach dem freien Feld die Häuser von Buchs zu erkennen.

Aarau 2015 (Bild Peter Brotschi)

Beim Vergleich der beiden Fotos ist die Ausdehung des Stadtgebietes von Aarau klar zu erkennen. Die Gebäude haben sich bis an die Waldränder ausgedehnt, die ja per Bundesgesetz geschützt sind. Die beiden Ortschaften Rohr und Buchs wurden quasi «eingeholt» und sind jetzt «eingeschmolzen» in der Agglomeration von Aarau. Auffällig ist auch der grosse Ausbau der Strassenführung mit dem Boden zwischen Aarau und Rohr.

Markant veränderte sich innerhalb der Stadt das Gebiet beim Bahnhof, der auf dem neuen Foto mit dem blauen Dach hervorsticht. In der Bahnhof-Umgebung entstanden in den letzten Jahrzehnten viele grosse Gebäude. Und die Bautätigkeit geht weiter, wie auf dem neuen Bild vom 11. September 2015 rechts von den Geleisen zu sehen ist. Die Aargauer Hauptstadt bildet da keine Ausnahme: Die Anbindung an den (öffentlichen) Verkehr wurde überall wichtiger, die riesigen und stetig zunehmenden Pendlerströme verdeutlichen diese Entwicklung. Die sichtbare Vergrösserung der Gebäude-Volumina im Innern der Stadt steht selbstredend auch im Zusammenhang mit einer besseren Ausnützung der Grundstücke aufgrund der höheren Bodenpreise.

In der linken Hälfte ist der sogenannte «Telli-Kreisel» zu sehen, der auf dem historischen Bild ganz mit Vegetation bedeckt ist. Östlich davon ist ein Sportplatz zu sehen, wo sich 1942 noch Kleingärten befanden. Ganz am linken Rand drängt sich auf dem Foto von 2015 die Telli-Überbauuung ins Bild. Die vier Wohnzeilen entstanden zwischen 1971 und 1991 auf der grünen Wiese und bieten 2500 Personen Platz.

Aarau von Süden 2014 (Bild Peter Brotschi)

Das zweite neue Foto vom 19. Mai 2014 zeigt die (Zer)Siedlungssituation rund um Aarau noch von anderer Seite. Wir fliegen über Suhr und schauen in Richtung Norden. Buchs und Rohr liegen diesmal rechts. Hinter dem gut sichtbaren Telli – und damit nördlich der Aare – liegen Rombach, Küttigen und Kirchberg, während sich rechts davon Biberstein erstreckt. In der Mitte links hat sich, wie ein Andenken an eine andere Zeit, eine Landwirtschaftsfläche erhalten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Peter Brotschi ist Lehrer, Aviatikjournalist und CVP-Kantonsrat im Kanton Solothurn. Er kämpft politisch gegen die Zersiedelung der Schweiz. Autor von sieben Büchern, sein letztes: «Ein wenig des Himmels für mich».

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich: Bis zu 10 CHF per SMS an 9889 mit der Nachricht «Infosperber 10» (10 = Frankenbetrag). Grössere Beträge per IBAN, via PayPal oder mit Kreditkarte (auch ohne PayPal möglich).

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

milliPay

Spenden Sie:    5 CHF    10 CHF    20 CHF    

2 Meinungen

Liebe Infosperber
Nur eine kleine Denkpause: Ich verstehe nicht genau, was das Problem ist, auf das Herr Brotschi hinweisen möchte. Ist es wirklich so schlimm, dass sich die Aargauer Hauptstadt entwickelt hat in diesen Jahren? Sind da gar noch alte Aversionen gegen das Freiamt im Spiel die dessen Entwicklung gering halten möchten ? Oder meinen Sie mit dem Problem der 'Zersiedlung' dass wir Nutzungsintensitäten wie Hong Kong anstreben sollten? Entschuldigen Sie; Fragen über Fragen eines langsamen aber geneigten Lesers.
Und: Macht weiter so
Marcel Wyler, am 25. Januar 2016 um 13:56 Uhr
Guten Tag Herr Wyler, mir geht es einzig darum, den Flächenverbrauch aufzuzeigen. Seit den 1950iger Jahren wurde in der Schweiz so viel Fläche verbraucht wie die ganze Geschichte vorher. Im Klartext: Seit der Jungsteinzeit, als die Menschen sesshaft wurden. Aarau hat sich - im wahrsten Sinne des Wortes - bis an den Waldrand ausgebreitet. Es werden in dieser Serie noch weitere Städte folgen, denn es ist interessant, wie sich nicht nur die Dörfer, sondern auch die Zentrumsgemeinden in die Breite entwickelten und nur ansatzweise in die Höhe. De facto habe ich also mit Jahrgang 1957 erlebt, dass sich die Schweiz nochmals neu gebaut hat.

Als Solothurner bin ich relativ unverdächtig, was die Aargauer Raumpolitik anbelangt, deren Interna ich überhaupt nicht kennen. Das Freiamt ist übrigens auch schon sehr zersiedelt, was wir vielleicht bei anderer Gelegenheit noch sehen werden.

Was die Nutzungsintensität anbelangt: Nein, ich möchte kein Hong Kong im Mittelland. Aber wenn das Bevölkerungswachstum im gleichem Tempo weitergeht, wird keine andere Wahl mehr bleiben. Das Raumplanungsgesetz spricht jetzt eigentlich eine deutliche Sprache, was aber viele Kolleginnen und Kollegen in der Politik auf nationaler und kantonaler Ebene noch nicht wahrhaben wollen. Wenn weiterhin netto 80`000 Menschen pro Jahr in unser Land kommen, wird nichts anderes übrig bleiben, als massiv in die Höhe zu bauen. Darum bin ich ja auch seit vielen Jahren ein Gegner der gegenwärtigen Zuwanderungspolitik..
Peter Brotschi, am 25. Januar 2016 um 16:19 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren.