Klima-Wissenschaftler Wei-Hock Soon: Über eine Million Dollar von Energiekonzernen kassiert © Pete Marovich

Klima-Forscher war von Energiekonzernen bezahlt

Urs P. Gasche / 24. Feb 2015 - Ein Kronzeuge der Zweifler am menschlichen Verschulden an der Klima-Erwärmung kassierte von der Industrie, ohne dies offenzulegen.

Dank des strengen Öffentlichkeitsgesetzes in den USA («Freedom of Information Act») konnte Greenpeace den Schwindel aufdecken. Wei-Hock Soon, Wissenschaftler beim «Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics», veröffentlichte in wissenschaftlichen Zeitschriften jahrelang Studien, wonach fast nur Sonnenaktivitäten an der Klimaerwärmung schuld seien und nicht die Treibhausgase der Industrie. In mindestens elf der seit 2008 veröffentlichten Studien gab Soon keine Interessenkonflikte an, obwohl er für diese Studien von Energiekonzernen insgesamt über eine Million Dollar kassierte. Das berichtet die «New York Times». In der Schweiz hat bisher nur die Westschweizer Zeitung «Le Temps» darüber informiert.

Er habe sich für seine Studien «von der Industrie nicht beeinflussen lassen», diese jedoch den Konzernen stets für Zuschüsse vorgelegt, erklärte Wei-Hock Soon. Warum er dies bei seinen Veröffentlichungen und Auftritten meistens verschwieg, liess Soon unbeantwortet.

Soon war in den USA ein gerne gesehener Gast in konservativen Fernsehstationen, trat als gut bezahlter Redner an Veranstaltungen auf, die von Leuten und Firmen organisiert wurden, welche den Einfluss der Treibhausgase auf das Klima abstreiten. Überdies stellte er sich als Zeuge in Kongress-Hearings zur Verfügung. All dies, ohne jeweils seinen Interessenkonflikt offen zu legen.

«Die Strategie der Industrie besteht darin, den Eindruck zu wecken, die Wissenschaftler seien sich nicht einig und es gebe deshalb noch keinen Handlungsbedarf», erklärte Naomi Oreskes, Wissenschaftshistorikerin an der Harvard Universität und Co-Autorin des Buchs «Merchants of Doubt».

Früher waren unter den Sponsoren von Soon die «Exxon Mobil» und das «American Petroleum Institute», die grösste Lobby-Organisation der Öl- und Gasindustrie in den USA, und bis vor kurzem eine Tochtergesellschaft des US-Energiekonzerns «Southern Company», der wesentliche Anteile an der Kohlenindustrie hält.

Die «New York Times» zitiert Gavin A. Schmidt, Direktor des Goddard-Klimaforschungsinstituts in New York: «Die Sonne war bisher für wahrscheinlich höchstens zehn Prozent der Klimaerwärmung verantwortlich, die Treibhausgase für fast den ganzen Rest

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7 Meinungen

Super! das nennt man Transparenz und da Klimaveränderungen auch mit der Sonne zu tun haben, stimmt letztendlich das Sprichwort «Die Sonne bringt es an den Tag» perfekt....
Regula Stern, am 24. Februar 2015 um 16:50 Uhr
1. Worin genau besteht der Schwindel, den «Greenpeace aufdecken konnte»?
2. «In mindestens elf der seit 2008 veröffentlichten Studien gab Soon keine Interessenkonflikte an» – elf von wie vielen?
3. Hat jeder, der sich für seine Arbeit bezahlen lässt, quasi per se einen Interessenkonflikt?
Stephan Michel, am 24. Februar 2015 um 17:35 Uhr
@Michel. Sie arbeiten für eine Kommunikations- und Werbeagentur, ohne ihre allfälligen Interessenkonflikte offen zu legen. Deshalb stellen Sie diese Fragen.
Urs P. Gasche, am 24. Februar 2015 um 17:38 Uhr
Lieber Herr Gasche
Was Sie alles wissen: Ja, ich arbeite für eine Kommunikations- und Werbeagentur.
Aber mir Interessenkonflikte zu unterstellen, die ich nicht offen lege, ist doch ziemlich dreist.
Wir arbeiten weder für Öl-, Gas-, Kohle- oder andere entsprechende Konzerne (und nicht einmal für einen lokalen Tankstellenbetreiber oder was auch immer Ihnen verdächtig oder «aufschlussreich» vorkommen könnte) und haben das bis jetzt nie getan.
Sie glauben also zu wissen, weshalb ich Fragen stelle; können oder oder mögen Sie diese auch beantworten?
Freundliche Grüsse
Stephan Michel, am 24. Februar 2015 um 17:52 Uhr
Okay, Herr Gasche, Sie mögen also nicht antworten bzw. ziehen es vor, Feierabend zu machen, was zu verstehen und Ihnen zu gönnen ist.
Erlauben Sie gleichwohl diese Nachbemerkung zum Thema «Interessenkonflikt»:
Wer in unserer Kommunikations- und Werbeagentur arbeitet, kann für oder gegen die 1:12-Intitiative (gewesen) sein, für oder gegen den «Atom-Ausstieg», für oder gegen den EU-Beitritt (oder seinerzeit den EWR-Beitritt) der Schweiz, für oder gegen die Zweitwohnungs-Initiative usw. usf. – alle diese Meinungsverschiedenheiten hat es bei uns gegeben und gibt es noch immer.
Jede und jeder hat selbstverständlich das Recht, ihre bzw. seine persönliche Meinung zu vertreten, nach innen wie nach aussen.
Wenn also jemand von uns sich hier auf Info-Sperber äussert, wie ich es mit meinen drei Fragen tue, sind das persönliche Äusserungen und nicht Stellungnahmen im Namen des Unternehmens.
Dass, als Sie Chefredaktor der Berner Zeitung waren, Ihre persönliche Meinung zu der einen oder anderen Frage von der entsprechenden Ansicht Herrn von Graffenrieds abgewichen ist, nehme ich jetzt einfach einmal an.
Ihnen einen Vorwurf daraus zu machen, fiele wohl niemandem ein.
Stephan Michel, am 24. Februar 2015 um 19:33 Uhr
@Michel: Da nur Wenige Studien in ihrer Freizeit erstellen, sind fast Alle hierfür bezahlt. Nicht jeder, der sich für seine Studien bezahlen lässt, hat einen Interessenkonflikt, das ist somit logisch.
Sie wissen aber genau, dass Jeder einen Interessenkonflikt hat, der sich von jemandem bezahlen lässt, der an bestimmten Resultaten interessiert ist.
Christoph Wydler, am 24. Februar 2015 um 22:43 Uhr
@Roelli. Es stimmt nicht, was Sie schreiben. Es waren mehrere grosse Energiekonzerne, welche dem Forscher über die Jahre Geld zugeschoben haben. Sie haben wohl nicht besser recherchiert als die von mir zitierte Redaktion der New York Times und anderer namhafter Medien. Die dank FOIA veröffentlichten Dokumente habe ich nicht selber gelesen, Sie können mir diese gerne zustellen. Auf der von Ihnen angegebenen Webseite finde ich sie nicht.
Urs P. Gasche, am 25. Februar 2015 um 09:46 Uhr

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