Jedes Jahr werden in Sumatra grosse Teile des Regenwalds für neue Palmöl-Plantagen vernichtet © oneworld.com

Jedes Jahr werden in Sumatra grosse Teile des Regenwalds für neue Palmöl-Plantagen vernichtet

Umwelt-Frevel für neue Palmöl-Plantagen

Peter G. Achten / 02. Okt 2015 - Giftiger Qualm vernebelt derzeit weite Teile Südostasiens. Die Ursache des Übels: verbotene Brandrodungen in Indonesien.

Mitte September waren vor allem Indonesiens Nachbarstaaten Malaysia und Singapur vom Smog betroffen. Wegen stark erhöhter Schadstoffwerte wurden Schulen geschlossen und Sportanlässe abgesagt. Viele der Betroffenen warten, dass der Wind sich dreht oder ausgiebig Regen fällt. Doch die Regenzeit verzögert sich wegen des El-Niño-Effekts. Kinder und ältere Menschen bleiben bei hohen Smog-Werten zu Hause. Jene, die zur Arbeit gehen müssen, tragen Atemmasken.

Indonesien lehnt Hilfe ab

Der «Haze», wie der Dreck-Dunst genannt wird, beschäftigt die Region seit Jahrzehnten. Brandrodungen zum Gewinnen von Land für Plantagen – unter anderem für das lukrative Palmöl – sind eigentlich längst verboten. Doch ähnlich wie der Handel mit illegal gefälltem Hartholz, sind illegale Brandrodungen in Südostasien keine Ausnahme – vor allem auf Sumatra und Kalimatan-Borneo sowie in Ost-Malaysia. Die indonesische Regierung geht jeweils mit Soldaten gegen die Flächenbrände vor, zum Beispiel in Sumatra. Doch bei Hunderten von Brandherden ist die Armee heillos überfordert. Es fehlt an allem, vornehmlich an Material. Doch logistische und materielle Hilfe aus Singapur lehnt Indonesien ab, was in der Region auf wenig Verständnis stösst.

Umwelt-Experten wiederholen auch jetzt, was sie seit Jahr und Tag sagen: Eigentlich sollte die unhaltbare Smog-Situation lösbar sein, da das Problem von Menschen verursacht ist. Doch obwohl die gesundheitsschädliche und wirtschaftliche Kalamität regelmässig auftritt, ist keine Lösung in Sicht. Innerhalb des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) gab es schon viele Konferenzen, Krisengipfel, Expertenrunden – aber zu einer effizienten Kooperation konnten sich die Verhandlungspartner bislang nicht zusammenraufen.

Empfohlene Höchstwerte um ein Vielfaches überschritten

Besonders schlimm war der Smog in den Jahren 1997– 98. Die wirtschaftlichen Verluste und gesundheitlichen Schäden, in Asean-Dokumenten festgehalten, waren enorm. Noch schlimmer kam es vor zwei Jahren. Damals wurden 400 Feinstaub-Punkte (PM 2,5) gemessen, ein Vielfaches des von der Weltgesundheits-Organisation WHO als unbedenklich empfohlenen Höchstwerts von 25. Im September 2015 zeigten Messwerte 150 Punkte, weniger als 2013, aber noch immer stark gesundheitsgefährdend. In Sumatra stiegen die Werte an einigen Orten sogar auf katastrophale 440 Punkte. Neben Malaysia, Singapur waren auch Thailand und Brunei betroffen. Die Regierung von Singapur schätzt den Schaden auf eine Milliarde Dollar pro Woche.

Warum, fragen viele, ist es der Asean – in der doch zehn südostasiatische und mithin alle von Dreck-Smog betroffenen Länder vertreten sind – nicht möglich, wirksame Massnahmen zu treffen? Die Antwort ist einfach: Seit der Gründung 1967 ist festgelegt, dass Entscheide im Konsens, also einstimmig, gefällt werden müssen.

So gibt es zwar ein «Abkommen über grenzüberschreitende Haze-Verschmutzung», das im Jahr 2002 alle Asean-Migliedstaaten unterzeichnet haben. Mit Ausnahme Indonesiens, dem Ursprungsland des Übels. Immerhin: Zwischen Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam gibt es Kooperation innerhalb der Asean. Hier geht es um die jährlich in Burma auftretenden Waldbrände, die den Haze über den Norden Südostasiens verteilen. In jährlichen Zusammenkünften versuchen diese Staaten, das Problem pragmatisch zu lösen.

Land für lukrative Palmöl-Plantagen

Dass Indonesien abseits steht, mag erstaunen. Denn die jährlichen Kosten, die beim Kontrollieren und Löschen der Wald- und Rodungsbrände anfallen, sind mit 1,2 Milliarden Dollar enorm. An einem gemeinsamen Abkommen, so die indonesische Regierung, müssten sich auch andere Staaten, insbesondere das reiche Malaysia und das superreiche Singapur, beteiligen. Indonesische Kommentatoren weisen zudem darauf hin, dass nicht allein Indonesien schuld sei an den Brandrodungen. Denn viele asiatische Investoren, nicht zuletzt aus Malaysia und Singapur, seien an lukrativen Palmöl- und Holz-Plantagen in Sumatra und Kalimantan mit grossen Summen beteiligt.

Holz, vor allem aber Palmöl ist auf dem globalen Markt heiss begehrt in der Lebensmittelindustrie. Kein Wunder deshalb, dass diese Milliarden-Dollar-Industrie satte fünf Prozent des indonesischen Brutto-Sozialproduktes (GDP) ausmacht. Eine stetige Erhöhung der Plantage-Flächen und somit der legalen, vor allem aber der illegalen Brandrodungen ist unschwer voraussehbar.

Brandrodungen sind das billigste Mittel, Land für Plantagen oder Ackerbau bereitzustellen. Indonesien wird deshalb auch in den kommenden Jahren der grösste Luftverschmutzer der Region bleiben. Immerhin gibt es seit zwei Jahren ein regionenübergreifendes Überwachungssystem, an dem sich auch Indonesien beteiligt. Doch oft liegen die Nerven der Asean-Verhandlungspartner blank. So sagte Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla kürzlich, Singapur solle sich doch nicht ständig beklagen über den Haze, vielmehr solle es sich bedanken für die «gute Luft aus Indonesien» während neun Monaten im Jahr.

Atemmasken als modisches Accessoire

Die von Menschen verursachte Dreckluft-Katastrophe bringt auch «Kriegsgewinnler» hervor. Die Atemschutzmasken sind zum Teil zu modischen Accessoires geworden. Vor allem Modeschöpfer aus China und Singapur tun sich mit bunten Einfällen hervor. Vielleicht sind diese rührigen Fashion-Designer so etwas wie ein zuverlässiger Seismograph für die Globalisierung des Smogs.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Peter Achten arbeitet seit Jahrzehnten als Journalist in China.

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Eine Meinung

Es gibt nur eines, das alle tun können: Palmöl-Produkte boykottieren.
Martin Pfyffer, am 06. Oktober 2015 um 10:04 Uhr

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