Das Alpenschneehuhn im Winterkleid © perhols/wikimedia commons

Das Alpenschneehuhn im Winterkleid

Sinnloses Abknallen des bedrohten Alpenschneehuhns

Kurt Marti / 17. Okt 2015 - Jährlich werden in Graubünden und im Wallis Hunderte von Alpenschneehühnern sinnlos abgeschossen. Nicht so im Kanton Bern.

Das Alpenschneehuhn steht in der Schweiz auf der Roten Liste der potenziell gefährdeten Arten und es gilt gemäss der Berner Konvention als geschützt. Dennoch darf laut dem Eidgenössischen Jagdgesetz das Alpenschneehuhn ab dem 15. Oktober bis zum 1. Dezember gejagt werden.

Laut der Schweizerischen Vogelwarte Sempach nahm der Bestand von 1990 bis 2010 um mehr als 30 Prozent ab. Vor allem die Klimaveränderung mit den erhöhten Temperaturen und der veränderten Vegetation mache dem Alpenschneehuhn schwer zu schaffen, aber auch die touristischen Aktivitäten.

Im Kanton Bern seit den 70er-Jahren verboten

Trotz der Gefährdung wurden im letzten Jahr in der Schweiz 427 Schneehühner geschossen, die vor allem in den Trophäen-Sammlungen der Jäger enden. Spitzenreiter beim Abschuss von Alpenschneehühnern ist der Kanton Graubünden mit 259, gefolgt vom Wallis (100), Tessin (47) und Uri (21). In allen anderen Kantonen werden keine Schneehühner geschossen. Auffallend ist der Gebirgskanton Bern, wo laut der Eidgenössischen Jagdstatistik von 2000 bis 2014 kein einziges Schneehuhn geschossen wurde.

Tatsächlich ist laut dem Berner Jagdinspektor Peter Juesy «die Jagd auf Schnee- und Birkhühner im Kanton Bern schon seit den 70er-Jahren verboten, weil es sich um eine gefährdete und geschützte Tierart handelt». In dieser Zeit habe es «von Seiten der Jägerschaft nie einen Vorstoss für eine Wiederbejagung der Schnee- und Birkhühner gegeben». Der Kanton Bern habe «zum Schutz der Schnee- und Birkhühner zahlreiche Massnahmen getroffen». Beispielsweise seien Ruhezonen in touristischen Gebieten eingerichtet worden.

Bündner Jäger reagieren mit fadenscheinigen Argumenten

Im Kanton Graubünden hat in letzter Zeit die Jagd eine hitzige Debatte entfacht. Der Verein Wildtierschutz Schweiz hat die Initiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» eingereicht und verlangt darin unter anderem ein Verbot der Vogeljagd in Graubünden. «Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn man Tiere aus Spass tötet», hält die Wildtierschutz-Präsidentin Marion Theus gegenüber dem Regionaljournal Graubünden von Radio SRF fest.

Die Bündner Jäger reagieren mit fadenscheinigen Argumenten. Robert Brunold, Präsident des kantonalen Patentjäger-Verbandes, erklärte gegenüber Radio SRF, dass «die meisten Jäger ein solches Tier ausgestopft für zu Hause haben wollen», aber wie er auch schon erfahren habe, gebe es Leute, «die sogar gewisse Teile des Schneehuhns als Lebensmittel für den Eigengebrauch verwerten». Zudem verweist Brunold darauf, dass sich die Jäger um die Erhaltung der Lebensräume der Wildtiere kümmern.

Regulation der Schneehühner braucht es nicht

Die Jagd auf Schneehühner ist schwierig zu begründen, denn auch die Regulation als Argument fällt ausser Betracht. Wie der Nationalpark-Direktor und Wildbiologe Heinrich Haller gegenüber Radio SRF ausführte, ist das Fehlen der Jagd im Nationalpark kein Problem. Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel. Die Erfahrung zeige, die Natur könne man sich selber überlassen.

Laut dem Bündner Jägerpräsidenten Brunold ist die Niederjagd zwar nicht nötig, aber berechtigt. «Man kann auch fragen, ob es sinnvoll ist, Beeren und Pilze im Wald zu sammeln», sagte Brunold gegenüber Radio SRF. Ein Vergleich, der stark hinkt, weil erstens die Beeren und Pilze gegessen werden und weil es sich um Pflanzen handelt.

Aufgrund der offensichtlichen Sinnlosigkeit der Jagd auf die Alpenschneehühner und auch weitere geschützte Tiere ist es höchste Zeit, dass die Eidgenössische Jagdgesetzgebung entsprechend revidiert wird.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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4 Meinungen

Nach dem lesen dieses Artikels über die Sinnlose Abknallerei dieser Alpenvögel habe ich mich entschlossen, diese Kantone für Ferien ab sofort zu meiden. Ich hoffe, dass sich noch mehr zu diesem Schritt entscheiden, um so Druck auf die Jägerschaft zu erhöhen.
Ich bin viel in den Bergen unterwegs und sehe das Alpenschneehuhn lieber in der Natur, statt als Trophäe auf einem Stubenbuffet.
Josef Marty, am 17. Oktober 2015 um 16:55 Uhr
Nach dem Lesen des Artikels bin ich ebenso entsetzt. Ich bin Biologe und habe in der Vergangenheit viel Feldforschung auch für die Vogelwarte Sempach unternommen. Die Argumente der Jägerschaft sind sehr entmutigend und nagen an der Idee, dass Jäger ein gewisses, minimales Umweltverständnis und Aufmerksamkeit gegenüber der Natur zeigen. Ich werde diese Kantone in Zukunft auch meiden. Diese Kantone haben auch keinen guten Ruf im Umgang mit anderen Wildtierarten.
Andreas Wyttenbach, am 17. Oktober 2015 um 23:19 Uhr
Liebe Leserschaft

Ich kann Ihren Unmut über die Situation des Schneehuhns verstehen. Verbesserte Schutzmassnahmen sind dringend angebracht.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass nicht primär die Jäger bestimmen welche Tiere zum Abschuss freigegeben sind. Ob eine Tierart geschützt wird, wird gemäss dem Gesetzesmässigkeitsprinzips auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene auf Gesetzes- und Verordnungsstufe geregelt. Bei uns im Kanton St. Gallen ist das Schneehuhn und der Schneehase geschützt obwohl auf Bundesebene als jagdbar bezeichnet. Die Jagdgesellschaften und der einzelne Jäger müssen natürlich auch selber ein Auge auf die Tierarten, deren Kondition und Konstition sowie deren Lebensraum haben um beurteilen zu können ob Abschüsse dem Bestand schaden oder nicht.

Ich wollte hier einfach gegen Pauschalisierungen anschreiben und darauf hinweisen, dass es über die rechtsstaatlichen Wege Möglichkeiten gibt solche Tierarten zu schützen. Dies erscheint mir dann auch zielführender als die entsprechenden Kantone zu meiden (private Sanktionen).

Themenbezogene Interesse des Meinungsschreibers:
Jäger & Revierpächter und Naturschützer
O. Müller, am 19. Oktober 2015 um 13:29 Uhr
Das Töten von Wildtieren und damit im speziellen die Niederjagd ( Feldhasen, Fuchs, Dachs, Marder, Tauben, Raben, Alpenschneehühner, Birkhahn, Eichelhäher usw) ist ein ökologischer Blödsinn. Niederjäger sind naturtechnische Ignoranten und nur am lustvollen Töten interessiert. Sie haben keine Argumente. Es ist eine Frage der Aufklärung der Bevölkerung und das ist die höchste Hürde.
Den Kanton zu meiden bringt nichts- aber seine Meinung kundzutun in Graubünden sehr wohl!
Wildtierschutz Schweiz
Marion Theus, am 25. Oktober 2015 um 13:00 Uhr

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