Das Pumpspeicherwerk Nant de Drance im Wallis verschlingt über zwei Milliarden Franken © Nant de Drance

Das Pumpspeicherwerk Nant de Drance im Wallis verschlingt über zwei Milliarden Franken

Weitere Hiobsbotschaft für Pumpspeicherkraftwerke

Kurt Marti / 25. Sep 2014 - Die neuen Schweizer Pumpspeicherwerke wurden für den europäischen Strommarkt geplant. Doch Deutschland braucht sie nicht.

Über vier Milliarden kosten die zwei Pumpspeicherwerke Linth Limmern (Axpo) und Nant de Drance (Alpiq), welche zur Zeit im Bau sind. Geplant wurden sie für den europäischen Strommarkt. Inzwischen ist dieses Wirtschaftsmodell kläglich gescheitert. Die Rentabilität der Pumpspeicherwerke steht in den Sternen. Auch deshalb sind die beiden Stromkonzerne Axpo und Alpiq in finanziellen Schwierigkeiten. Und jetzt kommt die neuste Hiobsbotschaft aus Deutschland: Die deutsche Energiewende braucht in den nächsten zwei Jahrzehnten gar keine zusätzlichen Stromspeicher. Andere Technologien sind günstiger und flexibler. Zu diesem Schluss kommt die Studie «Stromspeicher in der Energiewende», die von der Berliner Denkfabrik «Agora Energiewende» zusammen mit vier führenden, wissenschaftlichen Instituten publiziert wurde.

Genügend günstigere Technologien

Die Studie kommt zum Schluss: «Die Energiewende muss nicht auf Stromspeicher warten.» Der geplante Ausbau der Wind- und Solaranlagen in Deutschland sei in den nächsten 20 Jahren nicht auf neue Stromspeicher angewiesen. Bis zu einem Anteil von 60 Prozent der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion stünden «genügend andere, günstigere Flexibilitätstechnologien zur Verfügung», erklärt Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik «Agora Energiewende». Die zum Ausgleich der wetterabhängigen Stromproduktion benötigte Flexibilität im Stromsystem kann laut Studie durch «andere Flexibilitätsoptionen (zum Beispiel flexible Kraftwerke, Lastmanagement) günstiger bereitgestellt werden als durch neue Stromspeicher».

Die Zeche zahlen die Stromkonsumenten

Trotz massivem Ausbau der Solar- und Windkraftwerke ist also Deutschland mittelfristig nicht auf die neuen Pumpspeicherwerke der Schweiz angewiesen. Erst bei sehr hohen Anteilen der erneuerbaren Energien von 90 Prozent werden laut Studie «neue Stromspeicher wirklich benötigt». Und dann werden andere Speichertechnologien (z. B. Gasspeicher, Wärmespeicher, Kraftstoffspeicher) die Pumpspeicherwerke konkurrenzieren. Auch die neuen erneuerbaren Energien in der Schweiz, deren Anteil im Vergleich zu Deutschland noch verschwindend klein ist, erfordern kurz- und mittelfristig keine neuen Pumpspeicherwerke. Die Zukunft der einst so gepriesenen Schweizer Pumpspeicherwerke verdüstert sich also weiter. Bezahlen werden die Zeche voraussichtlich die Schweizer Stromkonsumenten, während die Verantwortlichen des Debakels den freien Markt predigen. Beispielsweise Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer, der ehemalige Axpo-Chef.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Weiterführende Informationen

DOSSIER: «Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke»

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2 Meinungen

Die Erkenntnis ist nicht nur erstaunlich und vielleicht auch für Axpo und Alpiq nicht neu. Die Pumpspeicher waren beschlossen worden, als die 4 grossen Rückwärtsgewandten der Strombranche (Alpiq, Repower, BKW, Axpo; «die Viererbande") noch mit neuen AKW rechneten. Seit Fukushima sollen die von der Viererbande des CH-Stromsektors vielgehassten fluktuierenden Erneuerbaren die Pumpspeicher retten — was die Bande nicht daran hindert, die Förderung der neuen Erneuerbaren zu verunglimpfen! Ob Pumpspeicher dank Wind und Sonne wenigstens in ferner Zukunkt rentieren, ist unsicher. Die UBS hat ein einem Briefing an ihre Kunden kürzlich erklärt, wie lokale Speicher, einschliesslich solche in Elektrofahrzeugen, perfekt zur dezentralen Produktion aus neuen Erneuerbaren passen und das alte Versorgungsmodell genauso überflüssig machen wie zentrale Kraftwerke an sich, einschliesslich Pumpspeicher. Es wird für die Viererbande kaum Anlass sein, auf das Erbetteln von Subventionen für Fehlinvestitionen zu verzichten — und die Schuld für eigenes Unvermögen der Förderung der neuen Erneuerbaren zuzuschieben.
Peter Vogelsanger, am 25. September 2014 um 15:08 Uhr
Die AGORA-Studie geht für Deutschland im Szenario von 90% EE (rund 52% Wind, 20% Photovoltaik, 18% andere nichtfossile) und 10% fossile Energiequellen aus. Es wird nicht nachgewiesen, dass diese Wind- und Solarleistung in Deutschland im Verlaufe der nächsten 50 Jahren technisch und landschaftlich realisierbar sei. Es ist wahrscheinlich, dass dies nicht gelingen wird und erhebliche PV-Leistungen aus dem Mittelmeerraum bezogen werden müssen. Die AGORA-Studie zeigt für Deutschland längerfristig bereits einen Import/Export von Speicherleistungen nach/von der Schweiz von 6000 TWh und nach/von Österreich 7000 TWh. Mit Energiebezug (PV-Strom, Wind-Strom, Wasserstoff) aus dem Süden wird in den Alpen eine viel grössere Transit- und Speicherkapazität erforderlich werden. Frankreich und Österreich haben längst nicht so gute geografische Voraussetzungen wie die Schweiz. Entscheidend ist, sich heute auf ein Szenario 99% saubere Energie CPES (Clean and Permanent Energy Sources) einzustellen, ohne zusätzliche Klein-Wasserkraftwerke und ganz ohne Treibhausgase verursachende Bioenergie, jedoch mit einer Gesamtenergieversorgung, die ohne Verzichtleistung der Konsumenten sichergestellt ist. Es gibt im europäischen Umfeld völlig ausreichende saubere Energiequellen. Die Energie kann jedoch nur bedarfsgerecht mit optimalen Netzen verteilt werden kann, wenn zentrale und lokale Speicher vorhanden sind: Pumpspeicherkraftwerke und Batterie-Pool für Elektrofahrzeuge (Battery-Swapping)!
Andreas Speich
Andreas Speich, am 26. September 2014 um 15:32 Uhr

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