Die ultimative An- und Abflugroute

Hanspeter Guggenbühl © Guggenbühl
Hanspeter Guggenbühl / 17. Jul 2012 - Mehr Flüge von Osten? Oder gekröpft von Norden? Nein, für den Zürcher Flughafen ist nur die beste Lösung gut genug.

In Politik und Wirtschaft gibt es zwei Begriffe, um die sich (fast) alles dreht: Die Menge und ihre Verteilung. Darum geht es auch beim Streit um den Fluglärm rund um Zürich-Kloten. Die Schweizer Verkehrsministerin Doris Leuthard will die Menge der Flüge nicht begrenzen. Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer wünscht sich möglichst wenig Fluglärm über seinem Land.

Dem trägt der neue Staatsvertrag, den die beiden aushandelten, jetzt Rechnung: Die Zahl der Flüge bleibt nach oben offen wie die Richterskala. Aber der Teil, der in den besonders störenden Randzeiten lärmt, wird über Deutschland kleiner, über der Schweiz grösser.

Damit bleibt nur noch die Frage, wie man die grössere Menge an Flugzeugen, die über die Schweiz an- und abfliegen, künftig verteilen soll. Bei einer Volksabstimmung wäre das Resultat absehbar: Die Mehrheit der Stimmberechtigten, die im Süden des Flughafens wohnt, würde alle An- und Abflüge in die ländlicheren Gebiete im Norden, Westen und Osten verbannen, die schon heute mehr Starts und Landungen ertragen.

Doch das widerspricht dem Verursacherprinzip. Denn nach diesem Prinzip müssten die meisten Flieger dort lärmen, wo es am meisten Flugpassagiere gibt. Das ist erstens über dicht besiedelten Gebieten. Denn wo mehr Menschen wohnen und arbeiten, gibt es tendenziell auch mehr Fluggäste. Besonders zu berücksichtigen sind zweitens steuerstarke Gemeinden oder vornehme Stadtquartiere, weil Reiche mehr fliegen als Arme.

Aus dem ethisch und ökonomisch anerkannten Verursacherprinzip ergibt sich die folgende Anflugroute: Sie beginnt im Schwyzer Steuerparadies Wollerau, führt über die Zürcher Goldküste sowie die dicht besiedelte Stadt Zürich und endet im Tiefflug über Opfikon-Glattbrugg, wo sich viele globale Holdings mit vielfliegenden Managern angesiedelt haben. Die Abflüge erfolgen auf der gleichen Route in umgekehrter Richtung. Die Warteschlaufe wird über dem Zürichberg eingerichtet, wo sich die Villen ballen und der einstige Verkehrsminister Moritz Leuenberger residiert.

Diese ultimative An- und Abflugroute sorgt sowohl für eine verursachergerechte Verteilung des Lärms als auch für eine nachhaltige Eindämmung des energieintensiven Luftverkehrs. Eine bessere gibt es nicht.

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4 Meinungen

Es steht jedem frei, seine Wohnlage vor Fluglärm schützen zu wollen, auch wenn man, wie Herr Guggenbühl in Illnau, also östlich des Flughafens wohnt. Falsche Angaben sind dabei jedoch nutzlos und frgawürdig. Alle wissen, dass die «dicht besiedelten Gebiete» nicht «vornehme Stadtquartiere» von Zürich sind sondern Schwamendingen. Nicht auszudenken, wenn da ein startednes oder landendes Flugzeug abstürzen würde!
MFG Guy Bollag, Zürich-Witikon, wo es wie in Schwamendingen jeden Morgen von 6-7 Uhr fluglärmt, sowie jedes Wochenende und an Feiertagen von 6 bis 9 Uhr.
Guy Bollag, am 17. Juli 2012 um 11:49 Uhr
...ich vergass noch zu ergänzen, dass ich seit Jahren nicht mehr fliege, innerhalb Europas gibt es gute öV-Verbindungen. Grundsätzlich ist der Flugbetrieb massiv zu reduzieren, statt für den Flughafenprofit und denjenigen der deutschen Firma Swiss die Sicherheit und die Gesundheit der Bevölkerung zu opfern.
Guy Bollag, am 17. Juli 2012 um 12:32 Uhr
Ich, in Gockhausen wohnend, gehöre zwar auch zu den Lärmopfern - nur wegen ganz wenigen Metern, die ich ausserhalb der Anflugsgeraden liege, werde ich nicht in den Genuss von einer Gratis-Fensterschliessmaschine kommen - bin, wie Hanspeter Guggenbühl, der Meinung, dass das Verursacherprinzip gelten soll. Zudem: In dicht besiedelten Gebieten ist auch der Grundlärmpegel höher als dort wo weniger Leute wohnen. Deshalb ist der Zusatzlärm der Flugzeuge in dicht besiedelten Gebieten mit ihren Infrastrukturen Autobahn, S-Bahn, SBB, etc., weniger zu hören als dort, wo wenige Leute wohnen.
Götz Perll
Götz Perll, am 17. Juli 2012 um 18:58 Uhr
Obwohl im Osten gelegen gibt es beim Ostanflug im beschaulichen Illnau kein Fluglärm. Entgegen der Meinung von Guy Bollag habe ich also kein persönliches Interesse zu schützen. In meiner Glosse leite ich meine «ultimative An - und Anflugroute» über Gebiete, wo sich dichte Besiedelung und hohe Steuerkraft treffen. Im dicht besiedelten Schwammendingen ist die Steuerkraft tief. Drum plädiere ich Warteschlaufe über dem Zürichberg und Tieflug über Opfikon, nicht wie heute über Schwammendingen. Aber keine Angst: Wenn es weh tut, hat das Verursacherprinzip eh keine Chance.

Hanspeter Guggenbühl
Hanspeter Guggenbühl, am 20. Juli 2012 um 17:19 Uhr

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