Repower-VR Martin Schmid sitzt auch im Verwaltungsrat von UBS-CEIS und der Fontavis AG © admin

Repower-VR Martin Schmid sitzt auch im Verwaltungsrat von UBS-CEIS und der Fontavis AG

Die diversen Hüte des FDP-Ständerats Martin Schmid

Kurt Marti / 28. Jun 2016 - Der FDP-Politiker Martin Schmid hat mitgeholfen, Repower an den Rand des Ruins zu treiben. Jetzt profitiert er auch vom Ausverkauf.

Zahlreiche FDP-Politiker haben dazu beigetragen, dass der Alpiq- beziehungsweise der Repower-Konzern heute so miserabel dastehen. Einer von ihnen ist der Bündner FDP-Ständerat Martin Schmid. Als Bündner Regierungsrat und als Repower-Verwaltungsrat hat er die ruinöse Hunter-Strategie des Repower-Konzerns mitgetragen. Deshalb musste der marode Repower-Konzern mit dem Bettelstab ins Unterland und wurde fündig: Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) und «UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland» (UBS-CEIS) nutzten die günstige Gelegenheit und investierten 90 Millionen bzw. 60 Millionen Franken.

Erstaunlicherweise trägt Schmid nicht nur den Repower-Hut, sondern auch jenen von UBS-CEIS, wo er seit 2013 im Verwaltungsrat sitzt. Doch damit nicht genug! Schmid sitzt auch im Verwaltungsrat der Vermögensverwalterin Fontavis AG, welche UBS-CEIS beratend zur Seite steht, wenn es um Investitionen und Beteiligungen im Energiebereich geht.

Zuerst ruinieren, dann profitieren

Die UBS-Tochtergesellschaft UBS-CEIS ist laut eigenen Angaben eine «Kollektivanlagelösung für institutionelle Investoren in der Schweiz». Seit der Lancierung im Januar 2013 haben sich laut UBS-CEIS «36 Schweizer Pensionskassen und Versicherungen mit Kapital von rund 400 Millionen Franken an dieser Anlagelösung beteiligt». Dabei gehe es um Investitionen in «Unternehmen und Anlagen, die erneuerbare Energien produzieren, Energieinfrastrukturen bereitstellen oder die Energieeffizienz verbessern». In letzter Zeit hat UBS-CEIS neben der Repower auch in die Alpiq Versorgungs AG (AVAG), die Wasserwerke Zug AG oder die Hydroelectra AG investiert.

Im Klartext: Die FDP-Strategen haben zuerst mitgeholfen, den Repower-Konzern durch die Hunter-Strategie im Ausland an den Rand des Ruins zu treiben, und jetzt profitieren FDP-Vertreter wie Ständerat Schmid auch noch von den Folgen dieser Misswirtschaft.

Die «hochkarätige Communitiy»

Weil die Stromkonzerne am Boden liegen, war es nie günstiger für Investoren, in die Stromproduktion einzusteigen – im Wissen, dass sich der Wert ihrer Investitionen in Zukunft vergolden wird. Deshalb entwickelt sich in liberalen Kreisen ein reges Interesse zur Privatisierung der Stromwirtschaft, um daraus privaten Profit zu schlagen, insbesondere mit der Wasserkraft.

Diese Kreise formieren sich beispielsweise auf der Management-Plattform «EnergyCom», zu deren Partner auch die Fontavis AG und UBS-CEIS gehören. Die «EnergyCom» bezeichnt sich selbst als «hochkarätige Community», die sich «aus einem exklusiven Kreis persönlich eingeladener Mitglieder von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten der Energiewirtschaft sowie Spitzenmanagern relevanter Wertschöpfungspartner» zusammensetzt.

Letztes Jahr traf sich diese «hochkarätige Community» im Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon unter der Leitung von alt FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger zur Strategiediskussion zwischen privaten Investoren und den Strombaronen von Axpo, Alpiq und BKW.

Schmid mit einem zirkusreifen Spagat

Der zirkusreife Spagat von Repower-Verwaltungsrat Schmid zwischen den Interessen des Kantons Graubünden und der UBS-CEIS veranlasste das Regionaljournal Graubünden von Radio SRF, ihm ein paar Fragen zu diesem Interessenkonflikt zu stellen. Zunächst wich Schmid aus und behauptete, er vertrete «allein die Interessen der Repower». Es gehe um Interessen von Repower und «nicht um Interessen von anderen».

Doch dann musste er auf Nachfrage von Radio SRF einen Interessenkonflikt dennoch eingestehen. Er sei nämlich sowohl bei Repower als auch bei UBS-CEIS in den Ausstand getreten, als es um die Entscheidfindung ging, «ob der UBS Fonds überhaupt bei Repower mitmachen soll oder nicht».

Dabei stellt sich die zentrale Frage, ob ein solcher Repower-Verwaltungsrat, der immerhin rund 100‘000 Franken jährlich abkassiert und der bei solch wichtigen Entscheidungen in den Ausstand treten muss, überhaupt handlungsfähig ist.

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Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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Dennoch verbleibt Schmid nach der Ausräumaktion im VR der Repower, ebenso wie — bemerkenswert —, der SP Mann Lardi. Klar, Schmid ist als Ständerat für alle Repower Grossaktionäre, die alten, wie die neuen, eine sehr wichtige Person bei der Umsetzung der neuen Strategie: Der Bund soll für die subventionsartige Finanzierung der alten Wasserkraft sorgen, den Eignern und Betreibern solcher Werke Kohle zuschanzen. Daraus besteht primär die neue Strategie der neuen Repower und dafür ist Schmid da. Mit der UBS hat die Repower zusätzliche Lobbypower gewonnen. Also können alle zufrieden sein. Ausser diejenigen, die für diese neue dreckige Strategie der Repower zu bezahlen haben: Ich zum Beispiel, und sehr wahrscheinlich Sie als Stromkonsument. Der nächste grosse Coup für die Wasserkraft, das hat Schmid in einem Interview mit TV Südostschweiz erläutert, ist das Quotenmodell, für das sich Graubünden und die Repower seit Jahren stark machen. Wenn das durchkommt, wird jeder Ausbau von erneuerbarer Energie im Land gegantische Windfallprofits für die alten Wasserkraftwerke abwerfen. Mir scheint, dass bei Linksgrün, die Gefahr unterschätzt wird, dass die Schmids, Englers, Cavigellis und Co. mit diesem Anliegen durchkommen könnten. Das Quotenmodell ist auch prominent im Alpiq-Lobbypapier aufgeführt (download von retropower.ch, via: http://bit.ly/Alpiq-Reber, nachdem die Lobbyisten mit einer Klage gegen den Journalisten gedroht hatten, der das Papier erhielt und zuerst beschrieb).
Peter Vogelsanger, am 28. Juni 2016 um 12:01 Uhr
Croupier im Nebenberuf sollte man werden, aber auf höchster Ebene!
Jacques Schiltknecht
jacques schiltknecht, am 28. Juni 2016 um 17:11 Uhr

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