Comedy-Star Stephen Colbert macht sich in seiner Show über das Kaufverhalten in den USA lustig. © The Colbert Report/Comedy Central

Comedy-Star Stephen Colbert macht sich in seiner Show über das Kaufverhalten in den USA lustig.

Absurde Kaufentscheide bei Energiesparlampen

Jürg Lehmann / 22. Mai 2013 - Öko-Labels auf Energiesparlampen stossen konservative Konsumenten ab. Sie kaufen die Lampen nicht. Das fanden US-Forscher heraus.

Die Untersuchung wird in der Forschungspublikation der US-National Academy of Sciences referiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass es kontraproduktiv sein kann, den ökologischen Nutzen von Energiesparlampen ausdrücklich zu bewerben. Dieser Umstand könnte es sogar schwieriger machen, Energiespar-Strategien in den USA als Lösung für den Klimawandel zu propagieren, wie die Plattform «The Guardian» erklärt.

Die Studie nahm die Produktewahl von 210 Konsumentinnen und Konsumenten unter die Lupe. Zwei Drittel davon waren Frauen. Alle wussten Bescheid über die Vorteile der Energiesparlampen mit ihrer weit längeren Lebensdauer gegenüber alten Glühbirnen.

Wenn die beiden Angebote den gleichen Preis hatten, wählten quer durch alle politischen Ausrichtungen hinweg alle Konsumenten die Energiesparlampen – auch Lampen mit dem Umweltschutz-Label, fanden die Forscher heraus.

Preisdifferenz plötzlich massgebend

Falls aber die Energiesparlampe mehr kostete – 1.50 US-Dollar statt 50 Cents wie eine Glühbirne – wählten konservative Konsumenten, die überhaupt eine Sparlampe wollten, jene ohne das Umweltschutz-Label. Die anderen entschieden sich für die Glühbirne.

Moderatere und konservative Studien-Teilnehmer nehmen also allenfalls längerfristige Mehrkosten für den Kauf von Glühbirnen (viel kürzere Lebensdauer!) in Kauf, um den Erwerb einer Sparlampe mit dem Umweltschutz-Label zu vermeiden, folgert die Studie.

Konsumenten bringen auf ihren Einkaufstouren also anscheinend ihre ideologischen Überzeugungen mit. Konservative schrecke es vom konkreten Kauf ab, wenn sie Labels mit dem Aufdruck «Schützt die Umwelt» auf Produkten sehen, sagen die Forscher.

Politische Polarisierung bei Öko-Themen

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die extremen Positionen zwischen links und rechts zu den Fragen von Umweltschutz und Klimawandel jetzt auch Energiespar-Produkte erreicht haben – die früher über sämtliche politischen Milieus hinweg wegen ihres Potenzials, damit auch Geld zu sparen, ohne Aufhebens unterstützt worden waren.

Die Studie zeigt, wie die Polarisierung bei ökologischen Themen die Propagierung der Übernahme von Strategien zur Energieeffizienz in den USA negativ beeinflussen könnte.

Die Untersuchung war unter anderem auch Thema in der populären Comedy-Sendung «The Colbert Report» der US-Kabelstation Comedy Central (siehe Bild).

Die Harvard-Politologin Theda Skocpol wies ihrerseits nach, wie sehr Klimawandel und Umweltschutz für Konservative und republikanische Mandatsträger inzwischen zentrale Kontra-Themen sind. Konservative Aktivisten zählten den Kampf gegen die Klimawandel-Wissenschaft und den daraus abgeleiteten Massnahmen zu ihren Kernanliegen.

Glühbirne als Symbol der persönlichen Freiheit

Sogar die Existenz Glühbirne wurde in den USA zum Politikum. Republikaner im US-Kongress bekämpften vor zwei Jahren ein Gesetz mit aller Macht, das Glühbirnen (wie in der Schweiz) verbieten wollte – auch gegen den Einspruch von Herstellern, die ihre Produktion bereits auf die neue Energiespar-Technologie umgestellt hatten.

Die Republikaner sahen in ihrer Schlacht um die Glühbirne einen Kampf für Freiheit. «Es geht um mehr als Energie-Konsum. Es geht hier um persönliche Freiheit», sagte damals der texanische Angeordnete Joe Barton.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Der englische Text in "The Guardian"

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Eine Meinung

Sehr interessant. Wann nimmt dieses Denken auch bei uns überhand?
Aus liberaler Sicht ist es tatsächlich stossend, Glühbirnen zu verbieten. Sie sollten jedoch, wie die meisten Produkte, mit einer Abgabe belegt sein, welche ihrer Schädlichkeit entspricht.. Natürlich liesse sich über die Höhe der Abgabe und ihrer Verwendung trefflich streiten.
Theo Schmidt, am 03. Juni 2013 um 16:00 Uhr

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