NZZ-Chefredaktor setzt auf die Macht

Christian Müller © aw
Christian Müller / 25. Feb 2017 - Auf Donald Trump sei wenig Verlass, umso mehr aber auf die militärische Macht der USA. Eine seltsame Botschaft.

Dass NZZ-Chefredaktor Eric Gujer sich primär im nordatlantischen Gedankengut heimisch fühlt, ist bekannt. Dass er nach Donald Trumps Äusserung, die NATO sei überflüssig, schlaflose Nächte hatte, ist nachvollziehbar. Dass er jetzt, nach den Beruhigungen des US-Vizepräsidenten Mike Pence an der Sicherheitskonferenz in München, wieder aufatmen kann, überrascht nicht.

Trotzdem, nicht nur Donald Trump ist für Überraschungen gut, auch Eric Gujer bringt es fertig, seine Leitartikel-Leserinnen und -Leser zu überraschen. Mit einer neuen Argumentation: Wichtig ist gar nicht das Verhalten eines US-Präsidenten, wichtig sind nicht seine Ankündigungen, nicht seine Strategie, wichtig ist, dass die militärische Macht der USA Bestand hat! Der Präsident wird sich schon anpassen. «Scheibchenweise», wie Gujer schreibt.

«Auch eine Weltmacht, die sich stärker nach innen wendet, bleibt eine Weltmacht. Sie kann sich aus Konflikten nur um den Preis des Bedeutungsverlustes davonstehlen. Die Europäer sind strategisch eine Quantité négligeable, weil sie nicht einmal in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft für Ordnung sorgen können. – Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Washington in ähnlicher Weise herumschubsen lassen möchte, dürfte gering sein. Zudem muss jede Administration erleben, dass sie Sachzwängen unterliegt. Amerika unterhält die mit Abstand stärkste Armee der Welt. Auch Trump wird sich daher vorrangig auf die Streitkräfte verlassen; jeder Handwerker verwendet nun einmal das Werkzeug, das ihm zur Verfügung steht.»

Donald Trump als Handwerker also abhängig von seinem «Werkzeug», den Streitkräften?

«Die neue Regierung hat ihre Prioritäten noch nicht formuliert. Hier sind Überraschungen nicht auszuschliessen. Aber die Erwartung scheint berechtigt, dass viele Antworten eher konventionell ausfallen werden. Zumal ein Apparat, der ständig damit beschäftigt ist, seinem Boss Geistesblitze auszureden, nur wenig Schlagkraft entwickelt.»

Für NZZ-Chefredaktor Eric Gujer ist entscheidend, dass sich Europa an der Macht der USA orientiert, Präsident hin oder her. Hauptsache Nato-freundlich und Russland-feindlich.

Donald Trump hat gestern Freitag, nur einen Tag, nachdem sein Aussenminister in Mexiko weilte und dort versuchte, auf Dialog zu setzen, in Maryland vor versammeltem Neo-Cons-Publikum und unter Beifall angekündigt: Die Mauer an der Grenze zu Mexiko wird viel früher gebaut werden, als es der Fahrplan bisher erwarten liess: «soon, way ahead of schedule.»

So ganz nach dem System: Was kümmern mich schon meine Minister. ICH sage, was jetzt zu geschehen hat. Was Eric Gujers frohe Botschaft nach der Sicherheitskonferenz in München, Donald Trump werde «scheibchenweise Vernunft» annehmen und sich letztlich der militärischen Macht der USA beugen, nicht gerade bestätigt.

Zum heutigen NZZ-Leitartikel von Chefredaktor Eric Gujer auf der Frontseite hier.

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