Die folgenden Bilder sind in einer Pelzfarm in Oberitalien aufgenommen worden, wo 5‘000 Nerze für den Luxus dahinvegetiere und sterben. © Klaus Petrus
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Pelze aus Tierqual-Haltung sind wieder in Mode

Klaus Petrus / 10. Feb 2017 - Lange waren Pelze verpönt, jetzt sind sie wieder in Mode – und das trotz jahrzehntelanger Tierschutzkampagnen.

Red. Das folgende Interview mit dem Anwalt Gieri Bolliger, Geschäftsleiter der «Stiftung Tier im Recht» (TIR), hat Klaus Petrus geführt.

In der Schweiz wird so viel Pelz getragen wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Überrascht Sie das?

Gieri Bolliger: Ja und nein. Ja, weil es weltweit unglaublich viele Kampagnen gegen Pelz gab, was die Branche stark unter Druck gesetzt hat. Das Tragen von Pelz galt eine Zeitlang wirklich als verpönt. Und nein, weil diese Kampagnen weit in die Achtziger- und Neunzigerjahre zurückreichen und die Jugendlichen von heute kaum noch etwas davon wissen. Da hätte der Tierschutz unbedingt dranbleiben müssen. So gesehen gehört die Kampagne gegen Pelz zu den grossen Misserfolgen der Tierschutzbewegung.

Vielleicht zeigt das aber auch, dass es mit Informationsarbeit allein einfach nicht getan ist.

Deshalb setzen wir uns auf Gesetzesebene für ein striktes Importverbot von Pelzen aus tierquälerischer Produktion ein.

Die Menschen möchten doch selbst entscheiden können, was sie kaufen.

Aber wissen sie denn auch, was sie kaufen? Mir scheint, dass viele denken: Würde die Bordüre an meiner Jacke oder der Bommel auf meiner Mütze aus tierquälerischer Pelzhaltung stammen, dürften solche Produkte hierzulande doch gar nicht verkauft werden! Aber das trifft nicht zu. Nahezu jeder importierte Pelz wurde unter Bedingungen produziert, die dem Schweizer Tierschutzrecht widersprechen.

Ein Verbot der Pelzproduktion gibt es aber auch in der Schweiz nicht.

Das stimmt. Nur sind die Auflagen bei uns derart hoch, dass sich Pelzfarmen gar nicht rentieren würden. Nehmen wir die Nerze. In der Schweiz müsste ein einzelner Nerz in einem Gehege von 7.5 m2 gehalten werden, gemäss EU-Normen reicht dafür ein Drahtkäfig von gerade einmal 90 x 30 cm. Wenn die Schweiz aus ethischen Gründen eine solche tierquälerische Haltung ablehnt, ist es doch inkonsequent zu sagen: Jeder darf frei wählen, ob er Pelzprodukte aus dem Ausland kaufen möchte.

Immerhin gibt es bei uns seit einigen Jahren eine Deklarationspflicht für Pelze.

Und wie sich gezeigt hat, sind viele Produkte immer noch unvollständig, falsch oder irreführend deklariert. Selbst das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat in seinen Berichten eingeräumt, dass es mit den Deklarationen in der Praxis stark hapert. Deshalb will das BLV noch dieses Jahr Alternativen prüfen. Nebst einer Verschärfung der bisherigen Deklarationspflicht wird auch über ein Importverbot von Pelzen aus tierquälerischer Haltung zu diskutieren sein.

Mit einem solchen Importverbot würde sich die Schweiz nur Probleme mit der Welthandelsorganisation WTO einhandeln, sagen die Gegner. Wie sehen Sie das?

Ein Importverbot von Pelzprodukten verstösst dann nicht gegen WTO-Recht, wenn die Voraussetzungen des Art. XX lit. a GATT erfüllt sind. Sowohl die üblichen Methoden der Pelztierjagd als auch jene der kommerziellen Pelztierzucht stellen aus Sicht des eidgenössischen Gesetzgebers klare Tierquälereien dar. Und sie verletzen grundlegende Wertvorstellungen der Schweizer Bevölkerung. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die WTO-Konformität erfüllt. Zudem ist sicherzustellen, dass Pelze, die nachweislich aus Haltungen oder Jagdformen stammen, die mit der Schweizer Tierschutzgesetzgebung vereinbar sind, weiterhin importiert werden dürfen. Unsere «Stiftung für das Tier im Recht» (TIR) hat dazu ein ausführliches Rechtsgutachten verfasst und kommt zum Schluss, dass ein Importverbot entsprechender Produkte den Regeln der WTO nicht widerspricht.

Angenommen, die Tiere, deren Pelze importiert werden, würden nach den Richtlinien des Schweizer Tierschutzrechts gehalten: Wäre aus Ihrer Sicht das Problem dann aus der Welt geschafft?

Rein juristisch gesehen wäre es zumindest insofern entschärft, als es dann diese Kluft zwischen den Regelungen im In- und Ausland nicht mehr geben würde. Aber selbst dann stellen sich immer noch grundsätzliche Fragen wie zum Beispiel jene nach der Würde des Tiers, die in unserem Gesetz verankert ist.

Wie meinen Sie das?

Pelze sind in unserer Gesellschaft ganz und gar entbehrliche, also unnötige Produkte. Niemand ist auf sie angewiesen, es sind reine Mode- und Luxusgüter. Und ich bin überzeugt, dass ein Grossteil der Bevölkerung diese Ansicht teilt. Wenn aber Tiere aus ethisch völlig unnötigen Gründen gezüchtet, eingesperrt und getötet werden, werden sie ohne Notwendigkeit übermässig instrumentalisiert. Und das stellt nach dem Gesetz eine Missachtung der Tierwürde dar. Dabei spielt es keine Rolle, wie «vorbildlich» oder angeblich artgerecht die Tiere gehalten werden.

Könnte denn ein Importverbot der Tierqual wirklich einen Riegel schieben?

Es wäre zumindest ein Schutz für die Schwachen. Denn jede Wahlfreiheit muss dort ihre Grenzen haben, wo andere geschädigt werden. In diesem Fall sind es die Pelztiere, die für unseren Luxus sterben müssen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Klaus Petrus ist freischaffender Publizist und Fotograf mit den Schwerpunkten Protestbewegungen und Tierschutz.

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2 Meinungen

Etwas einseitig, alle Pelzimporte ald aus unethischer Zucht zu beurteilen. Und die Felle der in der Schweiz geschossenen Füchse sollen wohl der Ethik zuliebe verbrannt werden. Ich ernähre mich nur noch mit Wurzeln und esse kein Fleisch mehr und keine Eier und trinke nur noch Wein und Bier, aber keine Milch und trage nur noch einen Mantel aus Hanf, denn Schafwolle ist auch unethisch, lasst doch diese lieben Tiere leben!
Beda Düggelin, am 10. Februar 2017 um 19:11 Uhr
Vielleicht sollte man die Finanzstruktur im Hintergrund beleuchten, da kommen dann «ehrenswerte» Bürger zum Vorschein, welche schamlos abkassieren.
Bei der Schokolade hat man das gemacht und zumindest bei Sprüngli hat man angefangen umzudenken.
Mark Wolff, am 11. Februar 2017 um 10:21 Uhr

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