Tarnkappen für alle

 Jürgmeier © jm
Jürgmeier / 01. Okt 2013 - SVP-Nationalrat Walter Wobmann trifft Nora Illi in der «Arena» zum Thema «Burkaverbot – Nötig oder diskriminierend?».

Lieber Walter Wobmann

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Nicht von Nora Illi, der Frauenbeauftragten des Islamischen Zentralrats made in Switzerland, die Sie in der «Arena» zum Burkaverbot abblitzen liess. Dies, nachdem Sie sich ein Herz gefasst und – dahin blickend, wo Illis Niqab noch eine schmale textilfreie Zone freigibt, in die Augen – die mit dem für die SVP verlorenen Sohn Quaasim Illi* Verheiratete gefragt haben: «Warum muss nur die Frau sich verschleiern und der Mann nicht?» Das wollten Sie mit kantiger Hand wissen, um dann, mit leicht verlegenem Lächeln und unentschlossenem Armgefuchtel, auf dem Mann als Sexualobjekt zu bestehen: «Wir haben doch auch schöne Reize, oder nöd?»

Bevor Ihnen die blauschwarz Verhüllte – die Sie als Vater des Minarettverbots (hat dieses Kind eigentlich auch eine Mutter?) mit der geplanten Vermummungsinitiative aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen – auf diese einigermassen intime Frage antworten konnte, wenn sie denn wollte, begannen Sie sich, immer noch lächelnd, in eine feministische Gleichheitsrage zu reden: «Das ist doch eine Ungleichheit!» Ungewöhnlich für einen SVP-Politiker, mögen in Klischees Gefangene denken, aber Ihnen war es ernst, «Das ist doch absurd, das ist fast pervers! Das ist eine Ungleichheit, die da herrscht. Warum? Ich möchte jetzt mal eine Antwort hören, vielleicht», jetzt begannen Sie zu grinsen, «lerne ich heute Abend noch etwas.»

Die Antwort muss Sie zutiefst gekränkt haben, Nora Illi beschwor die erotische Darstellung der Frau in der Werbung, deren «langen wallenden Haare», die Männer aber würden im Allgemeinen weder Lippenstift und Make-up benutzen noch ihre Augen betonen. Ihren buhlenden Zwischenruf «Wir sind trotzdem schön!» überging sie schnöde, beharrte vielmehr darauf, das sei der definitive Beweis, «dass eine Frau mehr Wert darauf legt, ihre Weiblichkeit gegen aussen zu tragen als ein Mann.» Deshalb, das sagte sie nicht, meinte sie aber, bleibe die variantenreiche Verhüllung (des Kopfs) der Frau vorbehalten. Ohne Mikrofon – der Moderator war schon in den berühmten äusseren Kreis unterwegs – konnten, mochten Sie nicht mehr widersprechen. Oder hätten Sie sich dem Verdacht aussetzen wollen, Sie möchten Ihre Weiblichkeit öffentlich zur Schau stellen?

Aber, lieber Walter Wobmann, geben Sie nicht auf, kämpfen Sie tapfer weiter, für die erotische Gleichstellung des Mannes, berufen Sie sich auf die Bundesverfassung, Artikel 8, kaufen Sie sich einen Niqab – bevor Nora Illi Ihrer sinnlichen Nase doch noch erliegt – oder, besser, gleich eine Burka. Dann sind Sie auch vor den schwulen Augenfetischisten sicher, an die Sie beide nicht gedacht haben. Vielleicht sind Sie sich ja ähnlicher, als es Ihnen lieb ist. Das werden wir spätestens dann sehen, wenn Sie Ihre Gleichheitskappe haben und als Nora Illi in Talkshows auftreten.

Mit aufmunterndem Gruss

Jürgmeier

* Gemäss Wikipedia war Qaasim Illli, früher Patric Illi, in jungen Jahren Mitglied der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz Auns sowie der SVP.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Warum das Tessin die Burka verbietet
Die Burka verstösst klar gegen die Menschenrechte
«Islamische» Kleidung ist arabische Tracht

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5 Meinungen

Der Versuch, eine Satire zu schreiben, ist nur teilweise gelungen. Das Ärgerliche an diesem Personal ist die mangelnde Abscheu vor dem Religionskrieg, welche mit zu den Bedingungen eines langfristigen gesellschaftlichen Friedens gehören würde. Selbst auch die Wiederabschaffung des Minarettverbotes, dessen Einführung ich publizistisch bekämpft habe, wäre abermals mit diesem «Religionskrieg» verbunden, weshalb ein paar Jahre Ruhe in dieser für das soziale Überleben in der Schweiz nicht lebensnotwendigen Sache nur von Gutem wäre.

Ich setze, frei von «Scheissliberalismus» (Wort aus der 68-er Zeit), die totalitären Befürworter der Burka keineswegs mit ihren Gegnern gleich. Es wäre trotzdem klug, alles zu vermeiden, was von der Gegenseite als Schüren eines Religionskrieges gedeutet werden könnte, den «wir» mangels Fanatismus wohl eher verlieren würden.

Vor diesem Anschein von Religionskrieg hat sich 1847/48 Jacob Burckhardt mit Abscheu abgewandt. Wobei angemerkt werden darf, dass die sieben Jesuiten der 1840-er Jahre, die mit einem Verbot in unserer Verfassung «geehrt» wurden, sowohl Herrn Wobmann wie auch erst recht Frau Illi intellektuell haushoch überlegen gewesen sein dürften, in Sachen korrekter Zitierkunst bei einer in der Regel lateinisch geschriebenen Dissertation ganz gewiss sogar deutschen Spitzenpolitikern wie Schavan, Guttenberg, Steinmeier....
Pirmin Meier, am 01. Oktober 2013 um 12:33 Uhr
mir scheint, dass da eine SVP-Phobie den klaren Blick auf den heute, und auch in den nächsten Jahrzehnten massgebenden Islam trübt und vernebelt. Meines Wissens waren es seinerzeit unter anderen auch intellektuelle Gutmenschen und Sozialphantasten die Hitler, Stalin oder Mao zujubelten. Was zu erkennen war wollten sie nicht sehen, auch heute nicht.
Ulrich Hertig, am 01. Oktober 2013 um 13:01 Uhr
Textile Käfighaltung für Frauen – nicht bei uns!
Es ist halt so, dass hier die meisten Menschen nicht ins Mittelalter zurück wollen, wo Frauen nichts waren, nichts hatten und nichts durften, ausser den Männern zu Diensten zu sein. Burka und Niqab verbieten den Frauen ihr Gesicht und damit ihre individuelle Identität und Persönlichkeit. Oder etwas salopper gesagt: Wir haben ja hierzulande wohl kaum erfolgreich gegen die entwürdigende Käfighaltung bei Hühnern gekämpft, nur um jetzt die nicht minder entwürdigende textile Käfighaltung für Frauen einfach so hinzunehmen. In unserer aufgeklärten Gesellschaft leben mündige Menschen zusammen – und nicht sprechende (oder meist zum Schweigen verurteilte) schwarze Leintücher. Was sich dahinter nämlich alles an übelster Frauenverachtung und -Unterdrückung verbirgt, zeigt dieser sehr gute Text auf: jacquesauvergne.wordpress.com/2008/03/22/060/
Und was den Millionär Rachid Nikkaz angeht, der die Bussen bezahlen will, so könnte der doch auch gleich jene Bussen übernehmen, welche die Polizei im Appenzellerland gegen Nacktwanderer ausfällt.
Aber es geht hier nicht nur um „ein Stück Stoff“, wie naive Leute immer noch meinen. Es geht um religiösen Totalitarismus. Burka und Niqab sind ein provokativer Ausdruck dieses uralten und teils wieder neuen Übels. Da wird einerseits eine Religion (oder Scheinreligion wie etwa Scientology) zur absoluten und unreflektierten Wahrheit (Dogmen) erklärt. Und andererseits wird diese teils absurd veraltete und meist patriarchal-frauenverachtende Ideologie dann allen Lebensbereichen übergestülpt. Und natürlich auch über die demokratisch freiheitliche Rechtsordnung gesetzt. Diesen Religions-Totalitarisums gibt es nicht nur im Islam, sondern überall dort, wo Religion in fundamentalistisch extreme Bereiche abgleitet – seien diese nun christlich, jüdisch oder islamistisch. Dabei lassen die fanatisierten AnhängerInnen dieser Bewegungen nicht nur nicht kritisch über ihre teils absurden Ideen (Kreationisten in den USA) oder Praktiken ("Ehen» wehrloser Mädchen von acht Jahren mit Jahrzehnte älteren Kinderschändern im Yemen) mit sich diskutieren: Sie reagieren stets aggressiv und teils gewalttätig auf jedwede Infragestellung ihrer totalitären Ideologien (Statt zu argumentieren, rufen sie sofort: „Gotteslästerung!, Heräsie!“ und weis der Teufel was noch alles!). Zudem ist auch ein «Austritt» aus ihrem Totalitarismus schwierig bis lebensgefährlich. Dass diese Leute sich dann auch noch erdreisten, umgekehrt für sich und ihre GlaubensgenossInnen «Toleranz» einzufordern, wie wir es in der Arena gerade seitens des sprechenden/polternden Leintuchs namens Frau Illi erleben mussten, zeigt die ganze Absurdität der Situation auf. Warum hat eigentlich niemand diese «Frau Illi» gefragt, ob sie die einzige Frau Illi sei – und wenn ja oder nein, welche. Denn: In ihrem Totalitarismus kann jeder Mann bis zu vier Frauen (Mädchen!) haben – (umgekehrt natürlich nicht). Das aber wäre in unserem Rechtsstaat Bigamie und verboten. Und dann hätte ich NR Geri Müller sehen wollen, wie er diese einseitig frauenfeindlich «Sitte» wohl auch noch als «persönliche Freiheit» (des Mannes!) wortreich verteidigt hätte. N.R.
Niklaus Ramseyer, am 05. Oktober 2013 um 14:49 Uhr
Lieber Niklaus Ramseyer,


wegen meiner Arbeit über die Mystik in der Schweiz, bei welcher mir aufgefallen ist, dass die weiblichen Seherinnen im Gegensatz zu Niklaus von Flüe immerhin lesen und schreiben konnten und wo mir aufgefallen ist, dass die Königin Agnes von Ungarn als unbeschränkte Herrscherin Königsfeldens in 500 Fällen bei den Eidgenossen und anderen als Schiedsrichterin amtete, bitte ich Sie dringend, Pauschalurteile über das Mittelalter, auch die Frauen im Mittelalter, lieber zu meiden. Die genannte Habsburgerin Agnes erarbeitete sich als Witwe innerhalb des Hauses Habsburg eine Eigenständigkeit, die keiner der damaligen Habsburgermänner erreichte, was nicht ausschloss, dass sie ihre Stieftochter Elisabeth, Nonne in Töss, möglicherweise terrorisierte. Sogar die Sache mit den Hexen, die in der früheren Neuzeit stärker verfolgt wurden als im Mittelalter, war komplexer als man denkt. Hier müsste man sich in die Medizingeschichte der damaligen Epoche reinknien. Dabei bin ich mit Ihrer die Gegenwart betreffenden Islamkritik zumindest grundsätzlich einverstanden, wiewohl es durchaus verschiedene Wege zur Durchsetzung der Vernunft geben wird und geben muss. Es gehört zum Wesen der Vernunft, dass es nicht nur einen Weg zur Vernünftigung der Menschheit geben kann, weil wir sonst unsererseits der Gefahr eines rechthaberischen Totalitarismus unterliegen würden. Es ist aber eines der höchsten demokratischen Rechte, das lernen wir von den 1848-ern, zu sagen und zu bestimmen, auch in unseren Verfassungen und Gesetzen, wo die Grenzen des religiösen Fanatismus jedweder Herkunft zu setzen sind. Von unserer Freiheitstradition her sind wir befugt zu sagen, dass wir uns in Sachen Freiheit und Menschenrechte auch nicht bedingungslos von Strassburger Richtern sagen lassen müssen, was Sache ist. Es gibt nämlich keine objektiven Menschenrechte, bloss deren Begründungen, und diese wurden im 18. Jahrhundert und später zum Teil wesentlich durch die Westschweizer Schule der Menschenrechte erarbeitet.

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Pirmin Meier, am 05. Oktober 2013 um 16:21 Uhr
Zugegeben: Es gibt durchaus die Ausnahmen, welche die Regeln... usw. Sie hätten auch noch die Stimmrechte be-Güter-ter Frauen in der Schweiz vor 1848 (und dann lange nicht mehr) nennen können. Die blödsinnige Minarett-Initiative hat übrigens mit der Burka-Debatte nichts zu tun. Oder nur insofern, als in beiden Fällen kein Verbot von Moscheen oder gar des islamischen Glaubens droht. N.R.
Niklaus Ramseyer, am 05. Oktober 2013 um 17:16 Uhr

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