Die SVP entlarvt sich selbst. Sie will sich von eindeutigem Rassismus weder distanzieren noch sich dafür entschuldigen.
Die Website 20Minuten machte es publik: Die SVP-Ortspartei Widen im Aargau stellte vier Slogans auf ihre eigene Website, in denen von «Sau-Türken» und «Deck-Jugos» die Rede war und «Ausländer raus» und «Rassismus ja» gefordert wurde – so man denn nur die grossen Buchstaben las. Dazu das grüne Logo der SVP/UDC. Las man auch noch das Kleingedruckte, war zu erkennen, dass etwas nicht stimmen konnte, denn darin kam auch die SVP selber nicht gerade gut weg.
Man durfte also gespannt sein, wie die SVP-Grössen und die Presse auf diese Ungeheuerlichkeit reagieren würden, denn, so besagt es eine alte Wahrheit, «Miss die Menschen nicht an ihren Fehlern, sondern wie sie mit ihnen umgehen».
Die SVP Schweiz wollte zu der Geschichte keine Stellung nehmen. Dass die Slogans jetzt nicht mehr im Internet stünden, sei Zeichen genug, liess die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär ausrichten. Zu einer Distanzierung konnte sich niemand durchringen. Das spricht Bände.
Der Präsident der SVP Bezirk Bremgarten (AG), Andreas Glarner, ärgerte sich zwar, lehnte aber die Forderung der SP nach einer Entschuldigung umgehend ab. Thomas Burgherr, designierter Präsident der SVP Aargau, distanzierte sich zumindest persönlich von der Aktion der Ortspartei Widen, fügte aber gemäss AZ bei, dass das keine Konsequenzen haben werde.
Von der Ortspartei Widen selber war niemand erreichbar...
Verkannte Satire
Die Sujets stammen in Wirklichkeit von der Satire-Website Stupidedia. Weiss man das, versteht man auch die vermeintlich selbstkritischen Inhalte des Kleingedruckten. Was aber bedeutet das?
Die erlösende Erklärung für die rassistische Ungeheuerlichkeit lautete nun also plötzlich: «Es ist ein Versehen». Die SVP Widen hatte «übersehen», dass es um Satire ging. «Es scheint plausibel, dass es sich um ein Versehen handelt. Ein peinliches allerdings, hat die SVP Widen doch Slogans auf ihre Website gestellt, die die eigene Partei lächerlich machen, wenn man auch das kleingedruckte liest», schreibt etwa der Chef der Lokalredaktion Freiamt der Aargauer Zeitung, Fabian Hägler.
Ob «Versehen» oder «nicht Versehen», ist allerdings nicht das Thema. Die Absicht hinter der Aktion ist das Thema. Die SVP Widen hat die Slogans auf ihre Website gestellt wegen der Aussagen gegen die Ausländer, nicht wegen der Lächerlichmachung der eigenen Partei.
Es gibt also nur zwei Varianten:
1. Übelster Rassismus, verbunden mit schludriger Werbearbeit (weil sie das Kleingedruckte gar nicht gelesen haben).
Oder aber
2. Übelster Rassismus, verbunden mit Dummheit (weil sie das Kleingedruckte zwar gelesen, aber nicht verstanden haben).
Der hinter der Aktion steckende Rassismus kann in beiden Fällen nicht wegargumentiert werden.
Keine
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