Internet-Zeitungen, welche Informationslücken der Grossen füllen wollen. © is

Rückenwind für ergänzende Online-Zeitungen

Urs P. Gasche / 15. Nov 2016 - Infosperber und Zentralplus haben am meisten zugelegt. Auch die TagesWoche ist noch gefragter als bereits vor einem Jahr.

Ergänzende Informations-Plattformen, die das gängige Informations- und Meinungsangebot mit Relevantem erweitern, stossen auf steigendes Interesse.

Das Fernsehen bevorzugt bei den Informationen das, was Einschaltquoten bringt. Grosse Zeitungen leiden an stark sinkenden Inserateeinnahmen. Deshalb kommen viele Zeitungen im redaktionellen Teil Inserenten mit PR und Verarbeitung von Schönwetter-Communiqués entgegen. Sie gewichten die Informationen immer weniger nach gesellschaftlicher oder politischer Relevanz und vernachlässigen damit ihre Rolle zur Meinungsbildung in einer Demokratie.

Fehlendes ergänzen

Deshalb sind in der Schweiz wie im Ausland ergänzende Informationsportale entstanden, welche die Schwächen grosser Medien korrigieren möchten. «Sieht, was andere übersehen» steht beispielsweise im Logo von Infosperber. Infosperber, Journal21 und die WOZ verbreiten täglich nur wenige neue Beiträge, auf die sich die LeserInnen konzentrieren. Dagegen decken TagesWoche und Zentralplus das regionale Geschehen in Basel beziehungsweise der Kantone Luzern und Zug ziemlich breit ab und bieten der Leserschaft eine grössere Auswahl an.

Das Bedürfnis nach ergänzenden Informationen, Analysen und Einschätzungen ist offensichtlich vorhanden. Denn die meisten dieser Online-Zeitungen haben ihre Leserschaft innerhalb eines guten Jahres erneut überdurchschnittlich erhöht (Vergleich Sept/Okt 2016 mit Sept/Okt 2015):

Diese Statistik in grösserer Auflösung hier.

Die ergänzenden Informations-Plattformen unterscheiden sich wie folgt:

Die TagesWoche gehört der «Stiftung für Medienvielfalt», Zentralplus der «MMV Online AG» und die WOZ der «Genossenschaft Infolink». TagesWoche und WOZ verbreiten auch eine Printausgabe, welche die Online-Zeitungen zum Teil mittragen. Diese drei Portale zahlen ihrer Redaktion ordentliche Löhne.

Die beiden andern Internet-Zeitungen unterscheiden sich wesentlich: Die Redaktionen arbeiten vorwiegend ehrenamtlich. Journal21 hat die Redaktion in einem Verein gleichen Namens vereint, während hinter Infosperber die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI steht. Infosperber finanziert sich fast nur mit Spenden. Das gleiche gilt für das Journal-B, das dem Trägerverein Journal B in Bern gehört.

Zitate

«Die Medien in diesem Land entwickeln sich in einer Weise, die es den Stimmbürgern zunehmend erschwert, ausreichend informiert an der direkten Demokratie teilzunehmen.» (Moritz Leuenberger, zitiert nach NZZamSonntag, 23.10.2016)

«Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations.» (wahrscheinlich George Orwell)

«Angesichts schrumpfender Werbeeinnahmen wächst die Macht der Inserenten. Entsprechend sind Medienhäuser und ihre Redaktionen versucht, vorauseilenden Gehorsam zu praktizieren. Das ist höchst problematisch.» (NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler, in NZZ vom 21.4.2016)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor ist Mitglied der Redaktionsleitung bei Infosperber.ch und Präsident der Stiftung SSUI.

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Eine Meinung

Wenn die Tageswoche ein «ergänzendes Onlinemedium» ist,was ist dann Bauer Blochers BaZ,wohl eine Art moderner Nebelspalter.Will ich mich informieren klicke ich auf die Tageswoche.Zur Unterhaltung lese ich die BaZ.Es lohnt sich die Kommentare zu Dr. Strahms Sonntagspredigt in der Sommschen Postille anzuschauen.Dann sieht man wer den klassischen Zeitungen treu geblieben ist.
Andreas Willy Rothenbühler, am 17. November 2016 um 16:41 Uhr

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