Türkeikenner Werner van Gent bei «Schawinski»: Moderatoren-Ego-Show statt Gespräch © SRF

Türkeikenner Werner van Gent bei «Schawinski»: Moderatoren-Ego-Show statt Gespräch

Gedanken-Schredder Fernsehen

Felix Schneider / 22. Mrz 2017 - Roger Schawinski im Gespräch mit sich über die Türkei. Auch dabei: Werner van Gent.

Der Moderator als Nahkämpfer. Er fixiert sein Gegenüber. Und schiesst! Er nutzt sein Mundwerk als Maschinengewehr. Der Gegner beginnt einen Gedanken zu äussern? Achtung, fertig Schuss! Dazwischenschiessen mit Streumunition, das heisst: sofort ein neues Thema einwerfen. Und drei steile Zuspitzungen in die Welt ballern.

Schawinski stellt gerne Thesen auf, beantwortet gerne Fragen, die er sich selbst stellt, und setzt dann noch oben drauf: Was sagen Sie?

Gerne stellt er auch Mehrfachfragen: Warum ist Holland in den Konflikt mit der Türkei geraten? Ist das jetzt nur Pech gewesen? Oder weil jetzt grad Wahlen waren in Holland? Haben Sie sich das vorstellen können? Van Gent legt sich die letzte Frage zurecht und stellt die These auf, hier sei gezielt provoziert und destabilisiert worden. Die Vagheit der These lässt hoffen, der Moderator frage nach. Weit gefehlt. Er spielt einen O-Ton von Erdogan ein und fragt, ob Erdogan ein Faschist sei?

Schawinski macht ständig Druck, er beschleunigt, springt, galoppiert davon. Interviewpartner und ZuschauerInnen müssen ihm ständig hinterher rennen. Schon dadurch, dass der Interviewte niemals seinen eigenen Rhythmus setzen kann, steht der Moderator permanent im Zentrum.

Diese Interviewtechnik ist destruktiv. Sie setzt voraus, dass man sich so gar nicht für den Interviewten, seine Sprache, sein Denken, sein geistiges Universum interessiert. Falls Lehrende ein Beispiel suchen, wie man Gespräche nicht führen sollte – hier ist eines.

Nun wäre das alles belanglos, wenn es nicht um die dramatische Entwicklung der Türkei ginge: ein grosses, beunruhigendes Thema unserer Zeit also. Und wenn es nicht um Werner van Gent ginge – einen profunden Kenner der Türkei, der mit Grandezza, Humor und Klugheit erzählen kann. Erzählen könnte, wenn Schawinski ihn liesse.

Es ist wahr: Schawinski ist einer der ganz wenigen Moderatoren, der dem aggressiven SVP-Stil gewachsen ist. Warum aber geht er so in einem ganz und gar nicht konfrontativen Gespräch auf van Gent los? Ich vermute, dass das noch nicht einmal Quote bringt. Ich vermute: Wer sich für Aussenpolitik interessiert, will keine Moderatoren-Ego-Show. Und wer die Show will, interessiert sich kaum für Aussenpolitik. Was ich nicht vermute, sondern weiss: eine vertane Chance. Und ein Affront für alle Türken. Die Tragödie ihres Landes ist hier zum eitlen Spektakel verformt.

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SRF-Sendung «Schawinski» vom 20. März: Roger Schawinski im Gespräch mit Werner van Gent

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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11 Meinungen

"Ich vermute, dass das noch nicht einmal Quote bringt». Vermuten darf man alles. Zweckdienlicher wäre, wenn man Thesen aufstellen und argumentieren würde. Das Schweizer Fernsehen bietet lauter Politsendungen, die man in den USA als Infotainment klassifizieren würde. Arena als hau den Ganser- Show. Dann ein mutiger Kasperli beim Horror-Diktator. Immer dazwischen Schawinski mit den von Henryk M. Broder abgeschauten Rundumbeleidigungsmanieren.
Nur am Sonntagmorgen, wenn alle noch ausschlafen und Quoten keine Rolle spielen, dürfen ein paar geniale Frauen unter «Religion» und «Philosophie» die einzigen Politsendungen machen, die man sich auf diesem Sender ansehen kann.
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 22. März 2017 um 10:43 Uhr
die Kritik an den sendungen arena und schawinski sitzt. es ist unverständlich, dass die ch fernsehanstalt solche boulevard inszenierungen überhaupt im programm hat. ein intellektuelles armutszeugnis für die schweiz.
die beiden einzigen deutschsprachigen sender welche gut sind , sind 3sat und arte.
Heinrich O. Matthias, am 22. März 2017 um 13:41 Uhr
Der Roger sollte einfach aufhören Gäste in seine Sendung einzuladen und alle Rollen selbst übernehmen. So wie Olli Dietrich in seiner köstlichen Sendung «Selbstgespräche mit Konstantin Pfau».
René Werner, am 23. März 2017 um 05:56 Uhr
Darum gefiel mir Roger gegen Andreas Thiel so unverschämt gut. Thiel hat es als einer der ganz wenigen Interview-Partner fertig gebracht, Schawinski ständig das Wort abzuschneiden und ihn zu zermürben (das was Roger ja sonst beherrscht), seinen verbalen Angriffen geschickt auszuweichen und im richtigen Moment zu kontern. Selten hat man einen Schawinski am Ende der Sendung dermassen am Boden zerstört gesehen. Nach der Sendung soll sich dann der narzistisch veranlagte und wutentbrannte Roger bei Thiel mit einem:  «du bist ein AL.» bedankt haben.
Theo Fischer, am 23. März 2017 um 22:57 Uhr
Roger gegen Andreas Thiel: Das war für mich nun der absolute TIEFPUNKT aller «Politik"sendungen: Zwei Catcher-Talente ohne jeden Hintergrund in Sozialwissenschaften oder direkte Welt-Erfahrung als Journalisten/Korrespondenten/Diplomaten/Hilfswerk-/NGO-Aktivisten. Nur Komiker/Rhetorik-Training. Infotainment pur.
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 23. März 2017 um 23:45 Uhr
@ Werner Meyer - Bei der Sendung “Schawinski” geht’s gar nicht um Inhalte. Es geht eigentlich nur um ein sensationsgeiles Rededuell, wo Schawinski brillieren und am Schluss, wie meistens, als Sieger dastehen will. Es hat mit Infotainment nichts zu tun. Es ist Boulevard auf tiefem Niveau.
Theo Fischer, am 24. März 2017 um 10:27 Uhr
Felix Schneider trifft die Sache auf den Punkt. Was mich als Zuschauer beeindruckte, war die Gelassenheit und Ruhe, die Werner van Gent ausstrahlte. Er durfte selten einen Satz zuende bringen, liess sich aber nicht beeindrucken durch die Aufgeregtheit seines Gastgebers.
Helmut Scheben, am 24. März 2017 um 13:38 Uhr
"Roger Schawinski im Gespräch mit sich über die Türkei. Auch dabei: Werner van Gent.»... Musste herzlich lachen über diesen wirklich gelungenen Teaser! Werner van Gent schätze ich sehr.
Ralph Mrowietz, am 25. März 2017 um 09:07 Uhr
Schawinsky, die Sendung ist doch eine Eigenproduktion von SRF die die Billag-Rechnungen begründen und rechtfertigen soll? Service Public à la SRF? Was ich nicht begreife ist, dass sich Leute wie Werner van Gent und andere von einem solchen Narzisten und Selbstdarsteller vorführen lassen.
Schawinsky abstellen! Wenn nötig mit No-Billag!
Walter Schenk, am 27. März 2017 um 15:51 Uhr
Herr Schenk, da zahle ich aber lieber die Zwangsgebühren, auch mit einem Roger als Selbstdarsteller, als mit einem unerträglichen privaten Bullshit konfrontiert zu werden.
Lesen Sie doch mal das Büchlein von Roger, nein nich das über den Narzissten, das über seine Zeit als Chef von Sat1 (Di TV-Falle).
Und übrigens, billiger wirds ohne Billag ganz sicher nicht. Schauen Sie mal die Gebühren der privaten Sportsender an!
Aber genau ihre Reaktion macht mir Sorgen: Wegen einer (oder auch mehrer) überflüssigen, ärgerlichen Sendung(en) grad das ganze System löschen!
Keine Frage dass Reformbedarf vorliegt. Aber das sollte eigentlich mit zielgerichteter Kritik an den einzelnen Formaten erreicht werden und nicht indem man einfach den Stecker zieht.
René Werner, am 27. März 2017 um 16:18 Uhr
@René Werner
Ein Schlagabtausch erübrigt sich hier. Ich verstehe Ihre Angst ob meinem «Kurzschluss». Teufel mit Belzebub austreiben. Das haben die US-Bürger mit der Wahl von Trump ja auch getan. Zurück zu SRF: Am liebsten bezahle ich bei SRF was ich bestellt habe. An Sponsoring von «Bestatter» oder eben «Schawinski» etc. habe ich kein Interesse. Zielgerechte Kritik: Versuchen Sie mal eine Kritik an SRF und senden Sie mir (oder infosperber) die Stellungnahme von Hr. de Weck. Geldhahn zudrehen ist leider oft die einzige Sprache, die verstanden wird. Die privaten und ihren Bullshit kann ich immerhin gratis ignorieren.
Walter Schenk, am 27. März 2017 um 20:25 Uhr

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