Die häufige Verschreibung von Schmerzmitteln in den USA hat Folgen für ungeborene Kinder. © CC
US-Statistik: Anzahl süchtiger Neugeborener steigt © CDC, Mother Jones

«Opioid-Epidemie»: süchtige Neugeborene in den USA

Red. / 20. Aug 2016 - Ihre erste Lebenserfahrung ist ein Drogenentzug: In den USA werden immer mehr opiatabhängige Kinder geboren.

Billiges Heroin und die lockere Verschreibungspraxis von Schmerzmitteln in den USA fordern nicht nur immer mehr Opfer, die sich von Opiaten abhängig machten. Die Drogenschwemme betrifft auch unschuldige Patienten, über die in diesem Zusammenhang wenig berichtet wird.

Nach einer Studie des US-amerikanischen Zentrums für Seuchenprävention und -bekämpfung (CDC), die am 11. August veröffentlicht wurde, hat sich die Zahl abhängiger Neugeborener innerhalb von 15 Jahren vervierfacht, berichtet das Online-Magazin «Mother Jones». Das CDC untersuchte Daten aus 28 US-Staaten, welche die Anzahl der abhängigen Neugeborenen registrieren.

Abhängig schon vor der Geburt

Kinder, die im Mutterleib abhängig machenden Drogen wie Heroin, Methadon oder den in den USA häufig verschriebenen Opioid-Schmerzmitteln wie Oxycodon und Hydrocodon ausgesetzt sind, müssen nach der Geburt zunächst einen Drogenentzug durchmachen. Ihr Leben beginnt mit Krämpfen, Zittern, Durchfall und Fieber. Alle 19 Minuten, schrieb «Reuters» im Dezember 2015, komme in den USA ein süchtiges Kind zur Welt. Die meisten Fälle basieren auf dem Konsum von harten Drogen und/oder Opioid-Schmerzmitteln während der Schwangerschaft.

Anzahl abhängig geborener Kinder je 1000 Geburten pro US-Bundesstaat in den Jahren 2003 und 2013. (Quelle: «Mother Jones», CDC)

Am höchsten sind die Zahlen aus dem Jahr 2013 in den Staaten West Virginia und Maine, wo landesweit am meisten Opioide verschrieben werden. An der Spitze steht zudem Vermont, das gegen zunehmenden Heroinmissbrauch kämpft. In sieben Staaten, die geschlechtsspezifische Daten sammeln, stellte eine andere Untersuchung fest, wurden Frauen zudem ausnahmslos mehr Opioide verschrieben als Männern.

Freiwillige Richtlinien zum Schmerzmittelverbrauch

Langzeitschäden des Drogenentzugs von Kleinkindern sind nicht erforscht und deshalb nicht bekannt. Um die leichtfertige Verordnungspraxis einzudämmen, hat das CDC im Frühjahr die ersten US-Standards zur Schmerzbehandlung publiziert. Deren Befolgung ist allerdings freiwillig.

Das CDC rät Ärztinnen und Ärzten, bei der Schmerzbehandlung zuerst auf die Wirkstoffe Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (Aspirin) zurückzugreifen, die Einnahme von opioidhaltigen Medikamenten auf eine kurze Zeit zu beschränken und ihre Patientinnen und Patienten mit Urintests zu überwachen. Besonderen Wert legen die Richtlinien auf die Beratung Schwangerer.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts von «Mother Jones» und anderer Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

«The Devastation of the Opioid Epidemic, in One Chart», Mother Jones
«Helpless & Hooked», Reuters (2015)
«Wenn Babys drogenabhängig auf die Welt kommen», Die Welt (2015)
«Bittere Medizin für Big Pharma», Infosperber

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2 Meinungen

Danke für den Artikel!
Es wäre zusätzlich dringend notwendig, über den Zusammenhang von Demenz/Alzheimer und Schmerz- und anderen Medikamenten zu berichten. Eine entsprechende Studie gibt es bereits, sollte aber bekannt gemacht werden:

http://www.evidence.de/Leitlinien/leitlinien-intern/Demenz_Start/DemenzHintergruende/demenzhintergruende.html

Medikamente, die auf dieser Liste stehen, sind für mich tabu, aus gutem Grund: In meiner Familie haben wir 3 Fälle von Demenz, zwei davon waren selbst Ärzte...alle haben sie häufig Schmerzmittel eingenommen.
Schmerzen sind die Alarmanlage des Körpers, um auf ein Problem hinzuweisen. Sie willentlich auszuschalten, ohne das eigentliche Problem zu lösen, ist nicht nur töricht, sondern gefährlich!
Christoph Lüscher , am 20. August 2016 um 15:23 Uhr
Der Beitrag spricht wohl von unerfahrenen Aertzten, und nicht von Fachpersonen. Niemand muss mehr heute einen kalten Entzug machen mit Krämpfen. Von den Medikamenten wie Lioresal, Baclofen, Diazepam, Ibogain, u.s.w. als Entzugsunterstützung, welche nebst einer Ausschleichstrategie die Symptome auf ein Minimum reduzieren, kann heute mit Naloxon ein Schnellentzug gemacht werden unter einer krampfhemmenden Leichtnarkose. Bei Ibogain, in der Schweiz noch nicht zugelassen, werden alle Entzugsrezeptoren (Enkephalin, u.s.w.) abgedeckt. So gibt es gar keine nennenswerten Entzugserscheinungen. Leider wird hier nicht erwähnt, dass die Alternative bei starken Schmerzen die in der Schweiz sehr beliebten Prostaglandinhemmer sind, welche u.a. die Nieren, die Magen und Darmschleimhäute so schädigen können, dass es zu oft tödlichen Blutungen oder Notoperationen kommt. Sehr einträglich für die Pharmaindustrie. Es gibt zahlreiche Studien, welche belegen, das vernünftig dosierte opioide Schmerztherapien keine bleibenden Schäden an Organen hinterlassen, und dass alleine schon eine vernünftige Ausschleichstrategie womögliche Entzugserscheinungen ausbleiben lässt. Die Goldstandardsubstanz für einen Entzug in 24 Stunden ist Ibogain. Es gibt weltweit Ibogainkliniken, es ist u.a. in Italien als Medikament zugelassen, in Kanada ebenfalls. Ibogain hemmt auch Entzugserscheinungen bei anderen Substanzen welche Abhängigkeiten mit sich bringen. Alles was gut ist, kann natürlich auch missbraucht werden.
Beatus Gubler, am 20. August 2016 um 18:08 Uhr

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