US-Werbung für die «Hormonersatztherapie» © TheFountain

US-Werbung für die «Hormonersatztherapie»

Fast 3x so häufig Brustkrebs nach Hormontherapie

Urs P. Gasche / 28. Aug 2016 - Über den neuen, erhärteten Befund der Risiken einer fünf- und mehrjährigen Hormonersatztherapie informieren Schweizer Medien nicht.

Über die «wahrscheinlich bisher aussagekräftigste Studie» zu den Risiken einer längeren Einnahme von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten während und nach der Menopause, die das «British Journal of Cancer» am 23. August veröffentlichte, haben Schweizer Medien im Gegensatz zu ausländischen bisher kaum berichtet.

[[Offene Grenze stützt Friedensprozess]]

Die gute Nachricht: Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben und lediglich Östrogene einnahmen, zeigten kein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Warnung vor der «Hormonersatztherapie»

«Das Brustkrebsrisiko einer Hormonersatztherapie mit kombinierten Hormonen wurde bisher unterschätzt», erklärte der Epidemiologe Anthony Swerdlow, Studienautor und Professor am Londoner «Institute of Cancer Research», im «Guardian».

Forscher der Oxford-University und andere haben kürzlich nachgewiesen, dass die Hormonersatztherapie sowohl mit Kombipräparaten als auch nur mit Gestagenen auch das Risiko von Eierstockkrebs merklich erhöht, nach fünf Jahren bereits um 40 Prozent. In absoluten Zahlen: Bei 1000 Frauen kommt es zu einem zusätzlichen Eierstockkrebs und pro 1700 Frauen zu einem zusätzlichen Todesfall als Folge eines Eierstockkrebses.

Schon bisher empfahlen kritische Ärzte und Präventivmediziner, nur bei sehr starken Menopausebeschwerden zu einer Hormonersatztherapie zu greifen und die Hormone möglichst nicht mehrere Jahre lang einzunehmen.

Früher als Wundermittel gepriesen

Noch vor zwanzig Jahren hatte die Pharmafirma Janssen-Cilag (Johnson & Johnson) den Ärztinnen und Ärzten Farbfolien für das Gespräch mit Patientinnen zur Verfügung gestellt. Sie zeigten auf Hochglanzpapier, dass eine «Hormonersatztherapie» HET das Knochenbruch-Risiko angeblich um 75 Prozent senkt, das Alzheimer-Risiko um 54 und das Risiko von Herzkreislauf-Krankheiten um 44 Prozent. Die Frauen würden auch länger jünger aussehen. Dagegen gebe es «keines» oder ein «nur minim erhöhtes» Brustkrebsrisiko. So entschieden sich viele Patientinnen für eine langjährige HET.

Fünf Jahre später nahm fast jede vierte Schweizerin im Alter zwischen 50 und 64 Jahren Östrogene allein oder kombiniert mit Gestagenen. Die Zahl der in der Schweiz verkauften Hormone hatte sich innert zehn Jahren verdoppelt, und zwar auf etwa drei Millionen Packungen pro Jahr. Ein gutes Geschäft.

Dass man den präventiven Nutzen der HET früher überschätzt oder übertrieben und gleichzeitig die Risiken der HET unterschätzt oder heruntergespielt hat, zeigte bereits eine im Jahr 2002 veröffentlichte, kritische Überprüfung aller damals vorliegenden Forschungsresultate. Ein internationales Panel von 24 Wissenschaftlern kam nach vier Jahren Arbeit im Auftrag des amerikanischen «National Institutes of Health» und der italienischen «Giovanni Loren Zini Medical Foundation» zu folgenden Schlüssen: Unbestritten bleibt der Nutzen der HET bei schweren Wechseljahrbeschwerden. Für den Nutzen bezüglich Knochenbrüchen, Herzproblemen, Inkontinenz und Alzheimer gebe es indessen «keine genügenden Beweise». Dafür seien die Risiken einer langjährigen Östrogen-Einnahme zum Teil «klar belegt».

Zu den damals «klar belegten» Risiken gehören die Bildung von Thrombosen in Venen, Erkrankungen der Gallenblase sowie bei längerer Östrogen-Einnahme ein erhöhtes Risiko für Brustkebs.

Deshalb standen Frauen vor einem Dilemma: «Soll ich mit 65 Jahren ein höheres Brustkrebs-Risiko in Kauf nehmen, damit ich im Alter von 85 Jahren das Risiko eines Knochenbruchs verringere?»

Für das Panel galt tatsächlich als bewiesen, dass Östrogene den Knochenabbau bremsen. Allerdings müsse man die Hormone bis ins hohe Alter einnehmen. Setze man sie ab, beschleunige sich der Knochenabbau nämlich wieder so, wie wenn man die Hormone früher nie genommen hätte.

Heute bieten Pharmafirmen «natürliche» oder «bio-identische» Hormone für die HET an und tun so, als seien diese besser. Doch die US-Aufsichtsbehörde FDA hält diese weder für sicherer noch für wirksamer als die synthetischen Östrogene und Gestagene.

Frauen, die sich gegenwärtig in einer Hormonersatztherapie befinden und nach Abwägen von Nutzen und Risiko damit aufhören möchten, dürfen die starken Hormone auf keinen Fall von einem Tag auf den andern absetzen. Hormonspezialisten empfehlen ein langsames und schrittweises Vorgehen über sechs bis neun Monate.

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Keine

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2 Meinungen

Wieso auch immer der Natur reinpfuschen, nur wegen ein paar Falten mehr oder weniger! Butz
Doris Fischer , am 29. August 2016 um 08:14 Uhr
Seit Jahrzehnten gibt es hier zwei Hauptszenarios:
1) Die Pharmavariante, wo sowohl das Östradiol (Östrogene ist ein Sammelbegriff für Östradiol, Östriol und Östron = wenig aussagefähig) als auch das Progesteron manipuliert/modifiziert sind. Die Molekularstrukturen stimmen nicht mit denen der eigenen, endogenen Hormonen der Frau überein. Die Probleme sind damit vorprogrammiert und seit vielen Jahren in etlichen Studien nachgewiesen. Das Kind mit dem Badewasser ausschütten (keine Hormone) hilft den Frauen allerdings wenig. ...
2) Bioidentisches Östradiol (sowie Östriol) und Progesteron dagegen sind 100% «kompatibel» mit den weiblichen Ö. + P. und hat bis jetzt noch nie Probleme verursacht. «Leider» kosten die bioidentischen Hormone wenig (nicht patentierbar …) und wecken damit kaum Herstellerinteresse.
Die Pharma verwendet sogar Urin von trächtigen Stuten um MHRT Präparate herzustellen ("Prämarin")!
Dass die FDA – und alle ihren «Schwestervereine» in allen möglichen Ländern, die bioidentischen Hormonen verteufeln, ist logisch. Man lässt die Pharma"hormone» nicht im Stich.
Etwas ganz Wichtiges - von den verschreibenden Ärzten sträflich vernachlässigt - sind die notwendigen Laboruntersuchungen vor und während der HRT. Sowohl Östradiol, Östriol und Progesteron muss nämlich genau eingestellt werden. Der Östriolteil sollte übrigens gegenüber dem Östriol dominieren da besser verträglich. Ein Diabetiker spritzt ja auch nicht gleich viel Insulin wie alle anderen Diabetiker.
Robert V., am 29. August 2016 um 21:06 Uhr

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