Front-Information der SoZ vom 19. März 2017. Es folgt eine ganze Doppelseite. © tamedia

SoZ informiert über wirksamste, billigste Medizin

Urs P. Gasche / 20. Mrz 2017 - Sie reduziert das Risiko von Krebs, Diabetes, Stürzen, Demenz und hält bei Laune: Keine Medizin kann besser vorsorgen als Bewegung.

Diese Information und Aufklärung ist eigentlich banal. Doch die vielen gesponserten Zeitungsbeilagen und auf Hochglanz getrimmten Gesundheitsmagazine, die gratis ins Haus flattern und von der Gesundheitsindustrie finanziert sind, erwähnen das mit Abstand wirksamste Mittel, um die Gesundheit zu erhalten, vielen Krankheiten vorzubeugen, sowie viele bestehende Krankheiten zu lindern, jeweils nur nebenbei: Eine minimale Aktivierung des Körpers, der von Natur aus auf Bewegung angewiesen ist.

«Wir haben keine Lobby», klagt Walter O. Frey vom Balgrist MoveMed an der Universitätsklinik Balgrist in der Sonntags-Zeitung SoZ. Ärzte würden nicht ausgebildet, Bewegung anstatt Pillen zu verschreiben.

Das Problem:

  • Wer Treppen steigt, statt auf Rolltreppen und mit dem Lift zu fahren,
  • wer beim Gehen eine schnellere Gangart einschaltet,
  • wer sich wenigstens zweieinhalb Stunden pro Woche moderat bis intensiv bewegt, joggt oder Velo fährt und
  • wer auch ab und zu ins Schwitzen kommt,

ist ein schlechter Kunde der Gesundheitsindustrie, die ihren jährlichen Umsatz in der Schweiz von fast 80 Milliarden Franken weiter steigern möchte.

Diese Industrie sponsert Anlässe, finanziert nicht nur Publikums-, sondern auch medizinische Fachzeitschriften und Ärztekongresse und deckt die Medien mit Communiqués und Einladungen ein. Diese verbreiten dann Informationen über wirkliche oder angebliche Innovationen, Operationstechniken und Medikamente.

Die Marketing- und Werbeausgaben der Pharmakonzerne erreichen das Doppelte deren häufig erwähnten Ausgaben für Forschung.

Von der Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben, nämlich ein Körper mit viel Bewegung, ist selten oder nur am Rande die Rede. Es ist viele Jahre her, seit eine Tageszeitung oder eine nicht gesponserte Wochenzeitung eine Titelgeschichte mit einer Doppelseite Informationen über die körperliche Bewegung publiziert hat. Die Sonntags-Zeitung hat es erfreulicherweise am 19. März getan mit dem Front-Titel:

«Mensch, beweg dich! – Warum Ärzte mehr Sport verschreiben sollten statt Pillen».

Tatsächlich hilft ein Minimum an körperlicher Bewegung – abwechselnd gezielt auf Ausdauer, Kraft und Schwitzen gerichtet – nicht bloss das Risiko einer Krankheit zu reduzieren und nicht bloss eine Art von Beschwerden zu lindern, sondern gleich eine ganze Palette von Risiken zu reduzieren und Beschwerden zu lindern.

Das schafft sonst keine einzige medizinische Massnahme. Und letztere führen oft zu unerwünschten Nebenwirkungen, während eine an Alter und Zustand angepasste körperliche Aktivität nicht schadet, sondern das physische und psychische Wohlbefinden erhöht.

Übertriebener Sport dagegen kann Gelenke zu stark strapazieren, zu schmerzenden Achillessehnen oder zu Kreislaufproblemen führen.

«Das Wundermittel gibt es längst»

Die Wissenschaftsredaktorin Anke Fossgreen beginnt ihren Artikel in der Sonntags-Zeitung wie folgt:

«Ein Mittel, das gleichzeitig vor Bluthochdruck schützt, vor Diabetes 2, vor Krebs, Osteoporose, Alzheimer und Depressionen, und das generell das Leben verlängert – wer würde das Elexier nicht sofort anwenden? Dieses Wundermittel gibt es längst – allerdings nicht als Pille zum Schlucken. Es ist die körperliche Betätigung.»

Die SoZ zitiert eine dänische Metastudie, welche die Ergebnisse von andern Studien über 26 chronische Krankheiten ausgewertet hat. Viele der betroffenen Patientinnen und Patienten würden von Bewegungsprogrammen profitieren. Bei Leiden wie Asthma, Multiple Sklerose, Parkinson, Rheuma bis zur Zystischen Fibrose könne körperliche Aktivität die Symptome lindern. Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen könnten von körperlicher Ertüchtigung profitieren.

Seniorinnen und Senioren können länger autofahren

Eine Motivation für über 60-Jährige, sich körperlich mehr zu bewegen, sei die Aussicht, den Führerschein länger behalten zu können, erklärte die Schweizer Terz-Stiftung. Die Stiftung hatte Test-Trainings für Seniorinnen und Senioren organisiert. Medizinische Tests am Anfang und am Ende des Trainings zeigten einen merklichen Zuwachs an Kraft in Beinen, Hüften, Rücken, Trizeps und Bauch. «Ich laufe jetzt viel leichter die Treppen hoch und habe weniger Mühe mit der Balance, was ich beim Velofahren merke», erklärte Test-Teilnehmerin Monika Kunz erfreut. Infosperber hatte am 11. Juli 2013 darüber berichtet: «Bewegung ist die billigste und wirksamste Medizin».

Manche Kinder spielen zu wenig im Freien

Bewegungsmangel verbreitet sich auch bei Kindern, deren Bewegungsdrang eigentlich von Natur aus gross ist. Tests in satten Industriestaaten zeigten, dass Kinder heute weniger schnell rennen können als früher. Die Ausdauer der Kinder nahm in allen Industriestaaten von Australien über Deutschland bis Kanada und USA pro Jahrzehnt um 5 bis 8 Prozent ab. Das hat Folgen für deren Gesundheit und Lebenserwartung. Infosperber hatte am 27. Juli 2015 darüber berichtet: «Kinder werden langsamer».

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6 Meinungen

Völlig einverstanden mit der körperlichen Betätigung, doch nicht für alles, denn es gibt Erkrankungen die bereits vorhanden sind, oder bei denen Bewegung kaum möglich ist.
In diesen Fällen ist die Homöopathie die beste und billigste Methode, wohl nicht genügend angewendet, denn sie wird in den Unis nicht gelehrt, und nur wenige Aerzte kennen sie.
Dazu ist zu sagen, dass häufig Desinformation betrieben wird.
Die Dosierungen mit geringen Dosen scheinen unlogisch, und dass «weniger mehr ist"
glauben nur diejenige die es erfahren haben.Ich meine dabei nur die klassische Homöopathie.
Sergio Rivoir, am 20. März 2017 um 13:09 Uhr
Medizin ist Heilkunde und setzt ein, wenn eine Krankheit vorliegt. Prävention hingegen ist eine gesellschaftliche Aufgabe und gehört als solche in den Gegenstandsbereich der Gesundheitspolitik, nicht aber der Medizin. Mediziner beschäftigen sich weder mit Gesundheit noch mit gesunden Menschen.

Prävention wiederum verhindert keine chronischen Krankheit, es verschiebt diese lediglich in Zukunft. Aus diesem Grund darf man von Prävention keine Kostenersparnis erwarten. Im Gegenteil, weil Prävention die mittlere Lebensdauer erhöht, steigen die biographischen Krankheit-, auch die Gesundheitskosten.
Ralf Schrader, am 20. März 2017 um 13:17 Uhr
Na ja - wenn s wirklich nur an der Bewegung liegen würde, könnten unsere Sportler ja nicht klagen.
Die Ursachen unserer Symptome sind vielschichtig.
Die Meisten wüssten eigentlich was zu tun wäre: sich vernünftig verhalten und dort informieren, wo unabhängige Informationen angeboten werden. Ab und zu hilft auch der gesunde Menschenverstand.
Geben wir unserem Stoffwechsel die Chance seine Arbeit zu machen, indem wir ihm die notwendigen Werkzeuge mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln anbieten - dann sind wir in jedem Lebensabschnitt fit für sportliche Aktivitäten. :-)
Im Moment ist vegan grad Mode - wenn die vitalstoffreiche Vollwertkost mit diesem Hype kombiniert wird, ist das sicher besser, als die herkömmliche, denaturierte Industrienahrung.
Luzia Osterwalder, am 20. März 2017 um 13:30 Uhr
Wäre ich ein reicher Mann, würde ich der Pharmabranche beweisen lassen, dass ein Grossteil der Menschen Medikamentenpatienten- oder gar Leichen sind. Kompetente und unabhängige Kreise haben längst erklärt, dass die Medizin mit 100 Medikamenten problemlos auskommen könnte. Aber ich verkenne nicht die Kuriosität, dass viele Menschen nicht gesund sein wollen und den Ärzten dauernd die Türe einrennen.
Walter Schenk, am 20. März 2017 um 14:01 Uhr
@Jürg Schoop
Die Sache ist auch ganz einfach. Was gut für die Gesundheit ist, ist nicht zwingend gut gegen Krankheit. Das sind zwei völlig unterschiedliche Gegenstandsbereiche.
Ralf Schrader, am 22. März 2017 um 14:22 Uhr
Meine Leute
Ihr habt mehrere Teilwahrheiten mitgeteilt.
Als Fachmann und Experte in dieser Angelegenheit kann ich von meiner Seite die klassische Homöopathie und die Bewegung , wo sie möglich ist , empfehlen..
Mehr möchte ich hier nicht zufügen,sonst werde ich der Lobbyerung angeklagt.
Sergio Rivoir, am 22. März 2017 um 16:50 Uhr

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