Heinz Emmenegger (links) und Erich Gysling © cc

Fleisch- und Fischverzehr: Pro und Contra

Red. / 18. Mrz 2017 - Heinz Emmenegger isst alles. Erich Gysling ist Vegetarier. Zwei von 40 Stimmen im neuen Buch «Darf mensch Tiere nutzen?»

Red. Billo Heinzpeter Studer, seit Jahrzehnten engagiert für ökologisch und ethisch vertretbare Nutzung von Tieren, sammelte als Herausgeber des Buchs «Darf mensch Tiere nutzen?Und Pflanzen?» rund vierzig unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Infosperber publiziert hier die leicht gekürzten Standpunkte des Vegetariers Erich Gysling und des Allesessers Heinz Emmenegger.

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Fleisch, der helle Wahnsinn

von Erich Gysling

Als Vegetarier verzichte ich auf Fleisch und Fisch.

Darf der Mensch Tiere nutzen? Das «Dürfen» führt uns nicht weit. Es gibt kein Gesetz, dass es verbieten würde. Also geht’s allenfalls um Moral, um Ethik, vielleicht auch um etwas Vernunft.

Ich fange bei der Vernunft an. Der Fleisch- und Fischkonsum ist heller Wahnsinn:

  • Mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen weltweit werden direkt oder indirekt (Soja, Futtermittel) für die Fleischproduktion verwendet.
  • 80 Prozent der brasilianischen Urwälder werden nur deswegen abgeholzt, weil man die entsprechenden Flächen für Rinderweiden oder Sojafelder nutzt.
  • Mindestens ein Drittel des weltweiten CO2-Ausstosses hängt mit Tierzucht, Tiertransport etc. zusammen.
  • Für ein Kilogramm Fleisch werden zwischen zweieinhalb und mehr als zehn Kilo Futter benötigt. Und bis zu über tausend Liter Wasser.
  • Die Fischbestände schrumpfen, teils dramatisch.

Und all das, damit der Mensch schliesslich eine Viertelstunde lang ein Steak verzehrt oder einen Fisch. Also: Verhältnisblödsinn – oder nicht? Die Gegenseite argumentiert: der Mensch ist (auch) ein Fleisch-Esser, das sei schon aufgrund der Zahnstruktur nachweisbar...

Wenn ich Moral und Ethik bemühe: Es gibt nur wenige Religionen, die den Fleischkonsum, also das Töten von Tieren, ächten. Der Hinduismus teilweise, die Religion der indischen Jains total (aber die Jains sind heute nur noch eine Minderheit von gut drei Millionen). Beim Buddhismus ist’s schon nicht mehr so klar. Im Christentum kann man «lernen», dass das Verzehren von Fleisch und Fisch prinzipiell erlaubt ist. Und der Islam gebietet, Tiere möglichst schonungsvoll zu töten. Aber ist Schächten (gilt für Muslime und für Juden) nun wirklich «schonungsvoll»? Ich habe Schlachthäuser in den USA (als Reporter) kennen gelernt – nun ja, schonungsvoll wirkte das nicht. Aber auch in unseren hiesigen Schlachthäusern ist der Tod für die Tiere nicht eben sanft. Und für die Fische: die meisten ersticken oder werden mit Haken im Maul aus ihrem Lebensbereich, dem Wasser, herausgeholt. Für den Fisch sicherlich auch nicht besonders angenehm.

Eigentlich ist Verzicht angesagt

Also: eigentlich sollte der Mensch auf Fleisch und Fisch verzichten, aus Gründen der Vernunft (Umwelt) und der Moral. Diesen Verzicht leiste ich als Vegetarier. Die für ein gesundes Leben notwendigen Proteine kann man sich mühelos auf andere Weise beschaffen.

Nun gebe ich anderseits zu, dass ich inkonsequent bin: durch den Konsum von Milchprodukten, Eiern, Leder bin ich auch in den Kreislauf der Aufzucht und des Tötens eingebunden. Bin, mit anderen Worten, ebenfalls schuldig – zu vielleicht zehn Prozent des Gesamten, was zwischen Mensch und Tier geschieht. Total von Schuld befreien kann sich in diesem Rahmen nur, wer als Veganer, als Veganerin lebt. Dazu habe ich mich nicht durchgerungen.

Könnten alle Menschen zumindest als Vegetarier leben? Nein, einige Ethnien gewiss nicht, weder jene, die in Grönland, noch jene, die im Norden Sibiriens leben. Die meisten anderen wahrscheinlich schon.

Tiere erhalten ihre Art und haben kein Gewissen

Oft höre ich ein Gegenargument: Schau doch mal, wie grausam die Natur ist, wie die Beutetiere leiden, wenn sie von Raubtieren zerrissen werden! Ja, die Natur ist in dem Sinne grausam, als sie offenkundig keine Leidens-Rücksicht auf die Individuen nimmt, da spielt nur die Erhaltung der Art eine Rolle. Doch Raubtiere, auch unsere Hauskatzen, haben nun mal nicht das Gewissen, das uns, die Menschen, auszeichnet, belastet und verpflichtet (verpflichten sollte). Deshalb ist der Verweis auf die Natur obsolet.

Noch dies zum Schluss: ich bin kein Missionar. Jeder, jede soll das essen, was er oder sie für vertretbar hält. Jeder und jede anderseits sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass das Fleisch, das Fischfilet, die zarte Forelle, dass sie alle nicht an irgendwelchen Bäumen oder in irgendwelchen Feldern gewachsen sind, sondern dass sie das Resultat von Tötung, von menschlicher Macht gegen tierische Ohnmacht sind.

Und eigentlich sollten alle, die Fleisch oder Fisch essen, von Zeit zu Zeit durch die Schlachthäuser gehen oder einmal auf einer schwimmenden Fischverarbeitungsfabrik einen Tag verbringen. Und wer sich mit einem Pelz oder Pelzchen schmücken möchte, sollte verpflichtet werden, die Video-Dokumentation von Mark Rissi über die «Pelz-Gewinnung» vom Anfang bis zum Schluss anzusehen und nicht dort wegzuschauen, wo den Tieren Haut und Pelz vom lebendigen Leib gerissen wird.

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Essend töten wir. Schuldlos sein zu wollen ist gefährlich

Von Heinz Emmenegger

Welche Nutzung ist für mich persönlich vertretbar? Menschen sind auch Tiere. Für mich hat sich die Frage nach einem prinzipiellen Unterschied nie gestellt, es gibt ein evolutionäres Kontinuum. Tiere essen, was sie erreichen und verdauen können, aber sie essen nicht, was ihre Art und ihr räumliches und zeitliches Lebensumfeld gefährdet. Sie essen zum Beispiel meistens nicht sich selbst oder ihre Angehörigen und essen auch nicht Haustiere, die ihren Nutzen nur als lebende Tiere haben.

Zu diesem Lebensumfeld gehören auch Tabus. Fremdartiges wie auch Nahes wird als Nahrung ausgeschlossen, aus Vorsicht vor physischen wie eben auch psychischen Schäden.

Ich bin in ethischen Fragen wohl am ehesten Utilitarist. Das Nützliche ist allerdings nicht trivial und sofort zähl- und zahlbar. Mitleid und Empathie zum Beispiel sind wichtige und nützliche Lebensinstrumente. Die Ablehnung eines utilitaristischen Arguments kann wiederum durchaus sehr utilitaristisch sein, denn wir sind umgeben von Unwissen.

«Ich esse alles»

Ich persönlich esse alles ausser Menschen. Zwar habe ich noch keine meiner Hauskatzen gegessen, würde das aber nicht ausschliessen. Dasselbe gilt für fremdartiges Essen. Da ich problemlos meiner Art entfernte Tiere wie Muscheln, Schnecken und Krebse esse, bräuchte es nur wenig Anstupf, auch Insekten und Spinnen zu essen.

Zu meinem eigenenen Wohl als zufriedener und relativ friedlicher Mensch als auch zu meiner körperlichen Gesundheit gehört, dass ich die zu essenden Tiere gut pflege oder pflegen lasse und einen raschen und schmerzlosen Tod bevorzuge. Alles andere lässt meinen Appetit rasch schrumpfen.

Als Halter von Schweinen ist mir sonnenklar, dass diese Tiere intelligent sind und uns nahe stehen. Trotzdem habe ich nur geringe Mühe, sie dem Schlachter zuzuführen und ihren Tod auch zu erleben. Vermutlich ist das deshalb so, weil diese Tiere von ihrem Lebensbeginn weg dazu vorgesehen waren, geschlachtet zu werden, weil der Tod im Kleinschlachthaus ruhig und entspannt kommt, und auch weil ich seit Kindheit mit dem Töten von Tieren vertraut bin.

Je intelligenter ein Tier, desto schwieriger

Bei Affen stosse ich an eine Grenze, die Not müsste gross sein, diese mir so nahen Tiere zu töten und zu essen. Es grenzte an Kannibalismus. Je intelligenter ein Tier, desto schwieriger fällt es mir, es zu töten oder töten zu lassen. Einerseits, weil es mich an meine eigene Zerbrechlichkeit und Endlichkeit erinnnert, und anderseits, weil mit Intelligenz die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Tier sich bewusst ist, dass ich es töten will, was eine Art Kriegszustand ist, was ich vermeiden möchte.

Mein Verhältnis zu Tieren ist dem zu Menschen also ähnlich. Wenn die Beziehung von gegenseitigem Respekt und gutwilliger, andauernder Verhandlungsbereitschaft geprägt ist, fühlen sich alle am besten, auch ein Schlacht-, Kuschel-, oder Arbeitstier, das stark von mir abhängig ist und bei dem ich eine Art Gott spiele.

Das Tierwohl ist meist einfach ersichtlich. Ein Tier fühlt sich wohl, wenn es nicht krank ist, sich bewegen kann, essen kann, sozial sein kann und keine Angst haben muss. Viele Haustiere, auch Nutztiere fühlen sich vielleicht sogar wohler wie Wildtiere, kein Stress wegen Jägern und Raubtieren, kein qualvoller Tod im Gebiss eines Büsis, selber genügend zu fressen, dafür etwas weniger Bewegung und Freiheit. Haustiere haben auch keine Angst vor dem Tod, weil sie ihn normalerweise nicht kennen. Kommen sie zum Schlachter, wissen sie nicht, was geschieht, und sind ruhig, solange sie nicht getrieben oder bedrängt werden, wie das in Grossschlachthöfen leider unweigerlich passiert. Schweine werden unwissend gehalten. Nur wir Menschen wissen, dass sie sterben, oft sogar wann und woran.

Tiere zu halten, die wissen, dass sie von der Hand sterben, die sie füttert, wäre die Grenze, die nicht überschritten werden sollte.

Veganismus ist eine totalitäre Idee und lustfeindlich

Die Menscheit ist kein Ganzes. Solange Essen regional bestimmt ist, ist auch die Nahrung unterschiedlich. Menschen im Sahel oder im hohen Norden sind auf Tiere als Nahrungsspeicher angewiesen. Nur in industrialisierten Gesellschaften liesse sich der Nahrungsmix technisch und logistisch wohl beliebig ändern.

Veganismus baut auf Industrialisierung und entwickelter Logistik auf, gibt sich rational, rechnet mit einer begrenzten Anzahl Faktoren, vergisst die einen oder lässt sie nicht gelten. Veganismus ist eine totalitäre Idee oder ein geschlossenes Weltbild also, das als solches vielleicht wiederum nützlich sein könnte, mir aber in eben diesen wenig offenen Ansprüchen und Argumenten gefährlich scheint und auch lustfeindlich ist.

Letzteres ist ein wichtiger Faktor, um möglichen Totalitarismus zu unterlaufen. Menschen können und wollen Fleisch essen, es gehört zu unserem Nahrungsrepertoire. Das ist nicht harmlos, aber genau darum auch eine natürliche Verhaltensweise, die die unauflösliche Ambivalenz des Essens, das Böse in uns aufnimmt und nicht negiert, um es anderswo zu realisieren.

Problematische Fischerei

Reduzierter Fisch- und Fleischkonsum und Bewusstsein für Qualität und Tierfreundlichkeit ist sicherlich nützlich und erstrebenswert und muss in unserer Gesellschaft ein Dauerthema sein, um eben unsere Schulden tief zu halten. Im Vordergrund steht die Übernutzung des Lebensraumes. Allerdings steigt mit der intensiven Nutzung auch die technologische Fähigkeit der Korrektur und die Möglichkeit, ganz neue Schulden aufzunehmen. Das ist ebenfalls nicht schlecht, Wachstum ist Evolution, wohin auch immer es führt.

Industrielle Tierhaltung ist prinzipiell nicht zu verurteilen, wenn dem Tierwohl entsprochen werden kann. Auch der Kleintierhalter kann seine Tiere quälen. Sehr problematisch ist die Fischerei. Das Fischen mit Netzen produziert weder frische noch anständig getötete Tiere. Ähnlich die Jagd, wo die Gefahr besteht, ein Tier nicht sofort tödlich zu treffen. Allerdings ist der Jäger bei uns der Ersatz fürs Raubtier, dessen Tötungsmethode durchaus grausamer ist.

In Zukunft werden wir uns nicht nur mit den uns bekannten Tieren beschäftigen, sondern auch mit den von uns geschaffenen, neuen Wesen, die vielleicht über unser Schicksal entscheiden werden, wie wir über jenes unserer Haustiere entscheiden. Denn natürlich ist der Mensch nicht der Endpunkt der Evolution. Und alles, was wir Kultur nennen, ist nur jener Teil der Natur, den wir meinen, produziert zu haben. Autos und Computer gehören genauso zur Natur dieses Planeten.

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Das Buch «Darf mensch Tiere nutzen? Und Pflanzen?» mit Beiträgen von rund vierzig Autorinnen und Autoren erscheint Mitte Mai. Bis zum 15. April kann man es zum ermässigten Subskriptionspreis von 34 CHF hier bestellen. Nachher kostet das Buch 40 CHF. Das Buch gibt zugleich Anrecht auf Zugang zum eBook mit Bonus-Material. Das eBook allein wird ab Mitte August für 20 CHF erhältlich sein.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Erich Gysling, 1936 geboren, studierte Kulturgeschichte und Arabisch. Er ist bis heute als Journalist aktiv, war Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und Leiter der Tagesschau, Korrespondent in Russland, Fachjounalist für Nahost und Chefredaktor des Jahrbuchs Weltrundschau. Er lebt bei Zürich und ist Präsident des Beirates der Stiftung für Tiere Animal Trust.

Heinz Emmenegger, 1964 geboren, hatte als Bademeister und Nachtwächter gearbeitet. Nach zwei Jahren Studium der Biologie und zwei Jahren Auszeit absolvierte er noch zwei Jahre Studium der Philosophie. Im Jahr 2011 publizierte er seinen Debütroman «Pfister». Er hat zwei Töchter, 8 und 24. Beide essen gerne Fleisch.

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6 Meinungen

Obwohl selber nicht Veganer, möchte ich doch für diese Ernährungsform plädieren, die von Erich Gysling nur am Rande erwähnt, und von Heinz Emmenegger als totalitär und lustfeindlich abgetan wird.

Insbesondere der Konsum von viel Kuhmilch und Milchprodukten, auf die auch ich nicht verzichte, führt zu einem Überangebot von Kälbern, die geschlachtet werden müssen. Handeln da nicht Fleischesser ethischer, die zwar erwachsene Tiere essen, aber auf Milch und Tierkinder verzichten?

Veganer verzichten auf beides und gleich noch auf Eier und Fisch. Aber das muss nicht lustfeindlich sein: es gibt eine schmackhafte vegane Küche, die ich immer bevorzuge wenn möglich. Aber zugegeben, es ist bei uns schwieriger so zu kochen und das Angebot ist kleiner oder beinhaltet fade oder merkwürdige «Fleischersatz"-Industrieprodukte, die zudem manchmal nicht besonders ökologisch sind. Und man muss schon etwas planen, oder sich mindestens zusätzliche Vitamin B12-Präparate zuführen. Aber «Totalitär"?

Wenn man es rein ökologisch betrachtet, ist ein bestimmter Fleischanteil in der Nahrung sinnvoll. Aber der bei uns übliche Anteil ist viel zu hoch, nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen - wir üben dafür in anderen Ländern indirekt eine Art Landraub aus. Viele Veganer sind diesbezüglich einfach konsequent und vermeiden gleichzeitig automatisch die gesundheitlichen Risiken von zu vielen Tierprodukten, müssen dafür darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren, um alle essentiellen Stoffe zu bekommen.
Theo Schmidt, am 18. März 2017 um 13:07 Uhr
'Könnten alle Menschen zumindest als Vegetarier leben? Nein, einige Ethnien gewiss nicht, weder jene, die in Grönland, noch jene, die im Norden Sibiriens leben. Die meisten anderen wahrscheinlich schon.'

Millionen von Menschen bleibt einzig noch der Fleischverzehr um zu überleben. Denn die Kühe können noch von dem spärlichen dürren Gras und dem stagnanten verfaulten Wasser zehren. Für die Produktion von eg. Mais und Getreide reicht es nicht, weil der Regen wiederum nicht kam. Dann ist das Fleisch, die Milch und das Blut der Tiere, welches diesen Menschen eine Möglichkeit bietet bis zur nächsten Regenzeit überleben zu können... in der Hoffnung das der Regen auch wirklich kommen wird... vielleicht, vielleicht auch nicht. Wenn nicht, dann bleibt noch das dürre Gras, dass nicht mal mehr den Kühen genügte... und das sterben.

Erinnerungen an den Süd Sudan 2002/03.

Über das Thema des Fleischverzehrs schon nur nachdenken zu können, stellt für mich ein absolutes Privileg dar.
Elisabeth Zulauf, am 18. März 2017 um 13:21 Uhr
Genügsamkeit ohne viel Ideologie - Warum nicht?
Viele Menschen nehmen als geistige „Beilage“ zum Fleischverzehr eine grausame Tierhaltung, qualvolle Tiertransporte sowie den widerlichen industriellen Schlachthofbetrieb in Kauf. Wer möchte nicht ein besseres Gewissen haben, wenn er ein Stück Fleisch isst!
Sich vegan zu ernähren ist weder totalitär noch genussfeindlich. Aber etwas aufwändig und im Sozialleben kompliziert bei Einladungen. Gesundheitlich ist bei Veganer Ernährung nur eine mangelde Vitamin B12- Zufuhr, welche es zu substituieren gilt, zu beachten. Dembegenüber ist wöchentlich 1 kg Fleisch pro Person ist ungesund; eine Reduktion auf ½ kg würde Übergewicht, hohen Blutdruck, Zuckerkrankheit, Gicht und rheumatische Erkrankungen günstig beeinflussen. Dann kann man sich mit dem ersparten Geld Fleisch, Eier und Milchprodukte aus artgerechter Haltung leisten.
Grundwasser, Seen und Flüsse werden bei tiergerechter Haltung weniger stark belastet, denn es wird massiv weniger Gülle (Nitrate, Pestizide, Antibiotika) ausgebracht als bei Massentierhaltung.
Sukzessive kann der Fleischkonsum reduziert werden, denn man lernt Gemüse, Linsen Bohnen, Kichererbsen, Buchweizen und Tofu als Eiweissquelle zu schätzen.
Wir vermeiden dadurch zugleich Treibhausgase (Methan, Stickstoffverbindungen) und wirken der Vertreibung von Kleinbauern und der Abholzung des Regenwaldes entgegen.
Jacques Schiltknecht, pens. Allgemeinarzt, Luzern
jacques schiltknecht, am 18. März 2017 um 19:04 Uhr
Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.
Antonietta Tumminello, am 20. März 2017 um 14:06 Uhr
Erich Gisling ist kein Veganer, aber ein rational konsequent argumentierender und wohl auch speisender Vegetarier mit einem geschärften Bewusstsein für Umwelt-Zusammenhänge. Beispiel: Zerstörung der Wälder und Belastung der Atmosphäre durch Massen-Viehzucht. Brasilien! Da zählt jetzt noch die Korruption und der aufgedeckte Gammelfleisch-Handel dazu… Ich will den thematischen Horizont aber ausweiten und frage Erich Gisling, ob er zum Beispiel ein ebenso konsequent umweltbewusster Verkehrsteilnehmer ist. Also konkret: ob er zur politisch gewichtigen Mehrheit der PW-Besitzer gehört, sich vielleicht schon für den „Mix aus ÖV und Carsharing“ entschieden hat oder möglichst selektiv nur öffentliche Verkehrsmittel benützt.


Heinz Emmenegger ist zwar kein Vegetarier, vertritt aber eine einfühlend-altruistische Haltung gegenüber dem Tier. Mich beeindruckt, dass er - grundsätzlich und besonders gegenüber der „totalitären“ Ideologie des Veganismus - dem Lustprinzip den Vorrang gibt, aber mit Blick auf das Verhältnis zum Tier wie zur Natur überhaupt an einer ganzheitlichen Optik festhält. Ausserdem, dass er der Schuldfrage nicht ausweicht. Ja, Empathie - Freude, Zuwendung und Mitleid - wiegt einen Teil der Schuld auf. Eine Frage: Wie würde der Nicht-Vegetarier in einem Satz ein (im Vergleich zum Menschenrecht) bei Weitem nicht erschöpfend durchdachtes Tierrecht definieren? Ja, bloss in einem Satz!
Walter Dierauer, am 20. März 2017 um 18:42 Uhr
herr dierauer... haben sie sich schon mal gefragt, was die Leistung eines schiffdieselmotors ist, was ihr Smartphone zu ihnen gebracht hat? wenn sie noch etwas von Mathematik, Physik und Chemie verstehen, werden sie nie mehr jemand nach car sharing fragen...
die flaggen sind hoch gehiest, aber man muss nicht raufschauen...die wissenschaft hinter all dem, was sie anprangern, ist extrem einfach...
Rene Baur, am 21. März 2017 um 00:35 Uhr

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