Millionen-Ottmars EM-Pleite

Niklaus Ramseyer / 27. Mrz. 2011 - Für die nächste EM hat die Schweizer Nati wohl ausgespielt. Doch ihr Trainer bleibt bis 2014 - für gut 2 Millionen Franken im Jahr.

Schon vor der Nullnull-Pleite vom Samstag hatten sich Fachleute und Laien gewundert, warum der Schweizer Fussballverband den noch bis 2012 laufenden Vertrag mit Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld huschhusch vorzeitig bis 2014 erneuert habe. Jetzt weiss man eine Antwort: Diesen Vertrag jetzt zu verlängern, nachdem der deutsche «Startrainer» in Bulgarien eindrücklich gezeigt hat, was er nicht kann, hätte noch viel blöder ausgesehen. Doch die Frage stellt sich umso drängender.

CS machte Druck

Und eine mögliche Antwort hat der Journalist und bekannte Fussballfachmann Walter de Gregorio am Samstag im Tessiner Fernsehen gegeben: Die Grossbank CS habe als Hauptsponsor der Nati Druck gemacht, weil auch sie Hitzfeld noch bis 2014 werbemässig vermarkten wolle. Doch beweisen könne man das nicht. Immerhin ist aus anderen stark vermarkteten Sportarten Ähnliches bekannt: So bieten etwa in der Formel 1 Gross-Sponsoren oftmals nicht nur ihre Millionen-Pakete an, sondern auch noch gleich einen Fahrer, ohne den leider nichts gehe.

De Gregorio ist einer der wenigen in der weitgehend unkritischen Sport-Medienszene, der den «Darkroom» (Dunkelkammer) der Vertrags-Mauscheleien im Fussballverband ausleuchten will. Über Hitzfelds Salär schweigen sich die meisten Zeitungen ebenfalls aus. Doch «Futebol Finance» hat anlässlich der WM unter dem Titel «Statista» eine Hitparade der bestbezahlten Nationaltrainer ins Netz gestellt. Und da erscheint Ottmar Hitzfeld auf Platz 5 hinter den Trainern von England, Italien, Deutschland und Holland mit 1,75 Millionen Euro im Jahr. Das wären dann über 2 Millionen Franken.

2 Millionen im Jahr – ohne Leistungsklausel?

Weniger als der wenig erfolgreiche Hitzfeld verdienten gemäss dieser Liste Leute wie Weltmeistertrainer Vincente del Bosque (Spanien) aber auch die Nationaltrainer Brasiliens und Argentiniens. Jetzt hat «Infosperber» dem Fussballverband folgende drei Fragen gestellt:

1. Stimmt es, dass der Vertrag mit Hitzfeld auf Druck der CS vorzeitig verlängert wurde?

2. Verdient der Nati-Trainer immer noch 1,75 Millionen Euro pro Jahr?

3. Hat der verlängerte Vertrag eine Leistungsklausel (bezüglich EM-Qualifikation und so)?

Auf die Antworten sind wir gespannt. Und es steht zu hoffen, dass auch de Gregorio dran bleibt. Sollte es nämlich stimmen, dass nicht fachliche Qualifikation und Erfolg für die Verlängerung des Vertrags unseres Nati-Trainers entscheidend sind, sondern die PR-Pläne der CS, dann wäre diese Grossbank nicht nur für die Schweizer Wirtschaft ein Klumpenrisiko (too big to fail), sondern sogar auch für den Schweizer Fussball.

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