Homosexualität Kirche © SRF

«Schwul wird man nicht, schwul ist man!»

Homo aus freien Stücken – das wäre Emanzipation

Jürgmeier / 02. Mrz 2015 - «Homosexualität ist eine reine Laune der Natur», sagt Sänger Leonhard in der SRF-Arena vom 27. Februar zu Homo-Ehe und -Adoption.

Eigentlich müssten wir in Zeiten von Dichtestress&Ecopop froh um alle homosexuellen Paare sein. Sie tragen kaum etwas zur Überbevölkerung bei. Trotzdem geraten gleichgeschlechtlich Orientierte immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. So auch Carlo Schenker, der sich als Sänger&Moderator einen Namen, Leonhard eben, gemacht hat. Und in der Arena vom letzten Freitag erfrischend klar für Homo-Ehe und -Adoption einsteht.

«Homosexualität ist eine reine Laune der Natur», argumentiert er. Wie «Schuhgrösse 38 und 40, braune oder blonde Haare». Dies in einer Debatte, in der sich SVP-Nationalrätin Verena Herzog – «Ich habe nichts gegen Homosexuelle» – auch schon mal als Opfer inszeniert: «Wenn ich fürs Normale einstehe, werde ich in die erzkonservative Ecke gedrängt und bin dann die Böse.» Normal ist, was die Mehrheit macht, was «der Natur» entspricht.

Dass Leonhard sich seinerseits einer biologistischen Argumentation bedient, hat (homosexuelle) Tradition und wird beispielsweise in der Formel «Schwul wird man nicht, schwul ist man!» sichtbar. Da schwingt im Subtext der Satz mit: Wir können nicht anders. Das ist vermutlich auch als Strategie gegen den Vorwurf des vorsätzlichen Bruchs mit gesellschaftlichen Normen gedacht.

«Ich muss meine sexuelle Identität annehmen, wie immer sie aussehen mag»

Der offensichtlich fortschrittliche Trierer Bischof Stephan Ackermann beispielsweise hat im Juli letzten Jahres in Saarbrücken an einer Podiumsdiskussion des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes LSVD erklärt, «Homosexualität sei nicht frei gewählt … ‹Ich muss meine sexuelle Identität annehmen, wie immer sie aussehen mag.› …» Und: «Moralische Bewertungen könnten nur dann erfolgen, wenn Entscheidungen frei getroffen würden» (Website Saarländischer Rundfunk). Im Klartext: Wenn jemand aus freien Stücken, gewissermassen nach Lust&Laune, schwul oder lesbisch würde, dann wäre ihre oder seine moralische Verurteilung gerechtfertigt.

Oder eine Behandlung. «In vielen Fällen kann, insbesondere wenn die Praxis homosexueller Handlungen nicht verfestigt ist, eine geeignete Therapie zu positiven Ergebnissen führen.» Dieses Zitat findet sich auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz und sei, so der Mediensprecher des Bistums Chur Giuseppe Gracia in der Arena, heute noch die Haltung der katholischen Kirche und des Papstes.

In solchem Kontext ist es verständlich, dass immer wieder versucht wird, den Beweis zu erbringen, dass Homosexualität «wie Heterosexualität definitiv eine angeborene, biologisch fundierte und vollständig normale Variante des Begehrens» ist (www.zeit.de). Das ist bisher nicht wirklich gelungen. Das Homosexualitäts-Gen wurde so wenig gefunden wie das Intelligenz-Gen. Genauso unklar ist, was zuerst war – die Hirnwindungen oder das mit ihnen verknüpfte Verhalten. Das weibliche Gehirn oder weibliches Verhalten, männliches Verhalten oder das männliche Gehirn, ein schwules Gehirn oder die lesbische Lebensweise.

Angeboren oder frei gewählt

Ist Heterosexualität angeboren oder frei gewählt – die Frage wird noch seltener, wenn überhaupt, gestellt als die Frage, inwieweit Geschlechterunterschiede biologisch gegeben beziehungsweise sozial erworben sind. Da hat der auf Simone de Beauvoir zurückgehende Satz «Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht» längst weitgehende Gültigkeit erlangt, auch für Männer. Kein Vater, der den Kinderwagen schiebt; keine Frau, die boxt, würde sich heute noch damit verteidigen, es sei «eine Laune der Natur» wie ihr Bart und sein femininer Hintern.

Männer und Frauen können heute «gegengeschlechtliche» Lebensformen wählen, ohne gleich unter Rechtfertigungsdruck zu kommen. Soviel Freiheit ist schon, wenn es um Männlichkeiten&Weiblichkeiten geht. Auch wenn längst noch nicht jene Vielfalt erreicht ist, die den Begriffen «männlich» und «weiblich» im Duden den Vermerk «veraltet» eintrüge. Weil sie für die realen Verhaltensweisen von Menschen nicht mehr brauchbar wären.

Wo Homosexuelle, als Selbstschutz, noch mit dem ihnen von der Natur Vorgegebenen, wenn auch von der gesellschaftlichen Norm Abweichenden, argumentieren müssen, da ist die Gleichstellung sexueller Lebensformen noch lange nicht eingelöst. Das wäre erst der Fall, wenn die Frage «frei gewählt oder angeboren?» bedeutungslos geworden ist. Wenn Menschen zwischen verschiedensten (sexuellen) Lebensformen wählen und sie im Verlaufe eines Lebens auch wechseln könnten. Gesellschaftlich wirklich anerkannt ist nur, was auch frei&vorsätzlich gewählt oder verworfen werden kann.

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Keine

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Verletzte Gefühle – Kussverbot. Krieg abgesagt. (auf Infosperber)

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5 Meinungen

Man vergisst, dass es tatsächlich neben Homos und Heteros beispielsweise sehr viel mehr als man denkt Bisexuelle gibt, also solche, die durchaus eine Wahlmöglichkeit haben. Hier verweise ich weniger auf päpstliche Ratschläge als auf das beim Hellwach Verlag Zürich erschienene Buch von Adriano* (Pseudonym) «Kick, Verlangen, Leidenschaft», zu dem ich eine männergeschichtliche Einleitung geschrieben habe. Am besten wäre eine möglichst ideologiefreie Diskussion, was es aber nach wie vor kaum gibt.
Pirmin Meier, am 03. März 2015 um 06:44 Uhr
Was ist diese neue Infosperber-Mode mit den «&» statt «und"? Das liest sich nicht wie ein richtiger Artikel, eher wie eine SMS. Bitte in Zukunft seriös und sauber schreiben!
Peter Zweigelt, am 04. März 2015 um 09:36 Uhr
@Zweigelt. Ich halte diese Kritik für berechtigt. Ein im Prinzip sprachsensibler Autor wie Jürgmeier hätte weder diese Marotte noch das Genderdeutsch unbedingt nötig, niemand unterstellt ihm Macho-Ideologie. Der Artikel ist inhaltlich trotzdem bedenkenwert, weil er einen Einspruch erhebt gegen den sexuellen Determinismus. Dass hier, auf diesem Gebiet, eine gewisse Einschränkung der Willensfreiheit besteht, kann man jedoch schwerlich bestreiten.
Pirmin Meier, am 04. März 2015 um 09:55 Uhr
Warum lassen wir Jürgmeier diese «Marotte» nicht ? Ich lese seine Texte gerne und erkenne sie sofort an dieser Art des Textschreibens. Toleranz auch hier, nicht nur gegenüber Lesben und Schwulen. Und
Hans Arnold, am 05. März 2015 um 09:34 Uhr
ich bin völlig einverstanden damit, dass die Bandbreite von rein maskulin bis rein feminin sich nicht in der körperlichen Art und Form erschöpft, auch das Wesen, bzw, das Gehirn, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Gepaart mit Erlebnissen, auch Ereignissen, die eine Sein- und Denk-Art zusätzlich prägen können.

Das aber täuscht nicht darüber hinweg, dass es Männer gibt, die, unbesonnen des Geschlechts, alles packen, was sich packen lässt. Insbesondere, weil Mann sich ja nicht mehr schämen muss, es zu tun, es ist ja nicht nur legal, es wird ja gar empfohlen, zur gesellschaftlichen Normalität erklärt, Mann wäre daher doch nur dumm, den Aufwand auf sich zu nehmen, sich eine komplizierte Frau zu suchen, wenn es mit Männern doch genau so gut funktioniert, nur viel einfacher, und erst noch gratis...

Ob es allerdings Normal ist, oder zumindest je Normal wird, so zu sein, wie ich beschrieb, dann wäre es doch eigentlich nur noch eine Frage des Schutzalters, um zwischen Normalen und Abnormalen überhaupt noch unterscheiden zu können.

Was mich aber eher noch mehr beschäftigt, ist der ununterbrochene Lärm. Furzt ein Schwuler irgendwo, dann spricht/schreibt Alles darüber. Da können Normale furzen, wie sie wollen, das hört nicht mal wer. Solange das aber so ist, stimmt einfach irgend etwas nicht, die Normalen machen doch auch nicht die ganze Zeit Lärm, um ihre Sexualität, nur um der Welt zu beweisen, wie Normal sie eigentlich doch seien.

Das aber hinterlässt halt auch offene Fragen.
Ernst Jacob, am 28. März 2015 um 04:24 Uhr

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