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SVP-Inserat: "Kosovaren schlitzen Schweizer auf"
Die katholische Bischofskonferenz fordert die Zeitungsverlage auf, das «menschenverachtende Hetzinserat» der SVP abzulehnen.
Es hat mir die Sprache verschlagen, ich habe keine Worte mehr gefunden. Obwohl ich wusste, dass ich dazu etwas sagen wollte, sollte, musste, als ich das Inserat vor Augen hatte. Aber vor soviel Dreistigkeit und zynischer Menschenverachtung bin ich verstummt. Hilflos mit der noch immer bescheidenen Plattform «Infosperber», im Angesicht eines Apparats mit soviel Geld und politischer und publizistischer Macht wie der SVP.
Aber manchmal kommt Hilfe von ganz unerwarteter Seite, von allerhöchster Stelle, möchte man in diesem Falle sagen. Die Schweizer Bischofskonferenz, von deren Organisation, der römisch-katholischen Kirche, ich mich vor Jahrzehnten bereits verabschiedet habe, hat sich zu Wort gemeldet. Mit einer Medienmitteilung: «Gegen gotteslästerliche Menschenverachtung in Inseraten und Plakaten».
Die Bischofskonferenz tritt an gegen das Inserat der SVP, das den Titel trägt: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf!». Es lohnt sich, die Medienmitteilung im Wortlaut zu lesen:
«Seit einigen Tagen erscheint in verschiedenen Zeitungen ein Inserat der SVP mit dem Titel: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf!» – verschiedene Medienhäuser verweigerten allerdings die Publikation dieses Inserats. Die Kommission für Kommunikation und Medien sowie die Dienststelle Migratio der Schweizer Bischofskonferenz protestieren aufs Schärfste gegen die Veröffentlichung dieses Hetzinserates. Darin wird ein Verbrechen zweier Täter zu einem Verbrechen einer ganzen Volksgruppe gemacht und unverhohlen der Hass einer Volksgruppe auf eine andere geschürt. Die Publikation dieses Hetzinserates stellt einen erneuten Dammbruch in der politischen Kultur der Schweiz dar. Wir fordern alle Verantwortlichen in den Medien auf, dieser gotteslästerlichen Menschenverachtung keinen Platz mehr einzuräumen. Denjenigen Medienschaffenden, welche die Publikation ablehnten, danken wir ausdrücklich.»
Dem ist nichts hinzuzufügen. Man sagt: «Gott sei Dank, dass sich da jemand von einigem Gewicht unmissverständlich äussert.» Oder vielleicht besser: Dank den Autoren, dass sie diese klaren Worte gefunden haben. Und der Bischofskonferenz, dass sie den Text autorisiert.
Und vielleicht noch etwas: Die Hoffnung, dass diese Haltung in der ganzen römisch-katholischen Kirche, auch von der Kanzel, nachhaltige Verbreitung findet. Und in den anderen christlichen und nicht-christlichen Gemeinschaften, die sich der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit verpflichtet fühlen.
Und noch ein Letztes: Die «Weltwoche», die bekanntlich «punktgenau» die politischen Ziele und Kampagnen von Christoph Blocher und der SVP abbildet (wie Roger Schawinski zu Recht im Tagi-Interview sagte), schürt in ihrer gegenwärtigen Ausgabe die gleichen fremdenfeindlichen Gefühle gegen die Kosovaren in der Schweiz. Nicht ohne zu betonen, es seien «natürlich nicht alle in der Schweiz lebenden Kosovo-Albaner kriminell.» Sie versucht, die Stimmungsmache statistisch zu verkleiden und hat selbstverständlich eine anonyme Kosovarin gefunden, deren Aussage sie auf der Front und im Titel missbrauchen kann: «Die brauchen das irgendwie.» Wer braucht was?
Wer den Verantwortlichen für solche Agitation – wie «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel und anderen - auch künftig noch Podien bietet (wie jüngst noch die Jungsozialisten und immer wieder das Schweizer Fernsehen in der «Arena» und anderen Sendungen), auf denen diese Agitatoren sich mit geschliffenen Reden interessant machen können, muss selber einen Teil der Verantwortung für fremdenfeindliche Entwicklungen übernehmen.
Nachtrag
Die Freikirche der Adventisten in der Schweiz teilt uns mit, dass sie ebenfalls gegen das Hetzinserat der SVP protestiert hat. Der Präsident der Deutschschweizer Adventisten, Günther Maurer, weist darauf hin, dass seine Freikirche die Kampagne 'Fairplay im Wahlkampf' der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) unterstützt, und dass sich die Freikirche insbesondere gegen die «Verletzung der Menschenwürde» wendet, wie sie im SVP-inserat stattfindet.
Wir tragen das hier gerne nach.
keine
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