SVP-Inserat: "Kosovaren schlitzen Schweizer auf" © svp

SVP-Inserat: "Kosovaren schlitzen Schweizer auf"

Gott sei Dank der Bischofskonferenz!

Robert Ruoff / 28. Aug. 2011 - Die katholische Bischofskonferenz fordert die Zeitungsverlage auf, das «menschenverachtende Hetzinserat» der SVP abzulehnen.

Es hat mir die Sprache verschlagen, ich habe keine Worte mehr gefunden. Obwohl ich wusste, dass ich dazu etwas sagen wollte, sollte, musste, als ich das Inserat vor Augen hatte. Aber vor soviel Dreistigkeit und zynischer Menschenverachtung bin ich verstummt. Hilflos mit der noch immer bescheidenen Plattform «Infosperber», im Angesicht eines Apparats mit soviel Geld und politischer und publizistischer Macht wie der SVP.

Aber manchmal kommt Hilfe von ganz unerwarteter Seite, von allerhöchster Stelle, möchte man in diesem Falle sagen. Die Schweizer Bischofskonferenz, von deren Organisation, der römisch-katholischen Kirche, ich mich vor Jahrzehnten bereits verabschiedet habe, hat sich zu Wort gemeldet. Mit einer Medienmitteilung: «Gegen gotteslästerliche Menschenverachtung in Inseraten und Plakaten».

Die Bischofskonferenz tritt an gegen das Inserat der SVP, das den Titel trägt: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf!». Es lohnt sich, die Medienmitteilung im Wortlaut zu lesen:

«Seit einigen Tagen erscheint in verschiedenen Zeitungen ein Inserat der SVP mit dem Titel: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf!» – verschiedene Medienhäuser verweigerten allerdings die Publikation dieses Inserats. Die Kommission für Kommunikation und Medien sowie die Dienststelle Migratio der Schweizer Bischofskonferenz protestieren aufs Schärfste gegen die Veröffentlichung dieses Hetzinserates. Darin wird ein Verbrechen zweier Täter zu einem Verbrechen einer ganzen Volksgruppe gemacht und unverhohlen der Hass einer Volksgruppe auf eine andere geschürt. Die Publikation dieses Hetzinserates stellt einen erneuten Dammbruch in der politischen Kultur der Schweiz dar. Wir fordern alle Verantwortlichen in den Medien auf, dieser gotteslästerlichen Menschenverachtung keinen Platz mehr einzuräumen. Denjenigen Medienschaffenden, welche die Publikation ablehnten, danken wir ausdrücklich.»

Dem ist nichts hinzuzufügen. Man sagt: «Gott sei Dank, dass sich da jemand von einigem Gewicht unmissverständlich äussert.» Oder vielleicht besser: Dank den Autoren, dass sie diese klaren Worte gefunden haben. Und der Bischofskonferenz, dass sie den Text autorisiert.

Und vielleicht noch etwas: Die Hoffnung, dass diese Haltung in der ganzen römisch-katholischen Kirche, auch von der Kanzel, nachhaltige Verbreitung findet. Und in den anderen christlichen und nicht-christlichen Gemeinschaften, die sich der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit verpflichtet fühlen.

Und noch ein Letztes: Die «Weltwoche», die bekanntlich «punktgenau» die politischen Ziele und Kampagnen von Christoph Blocher und der SVP abbildet (wie Roger Schawinski zu Recht im Tagi-Interview sagte), schürt in ihrer gegenwärtigen Ausgabe die gleichen fremdenfeindlichen Gefühle gegen die Kosovaren in der Schweiz. Nicht ohne zu betonen, es seien «natürlich nicht alle in der Schweiz lebenden Kosovo-Albaner kriminell.» Sie versucht, die Stimmungsmache statistisch zu verkleiden und hat selbstverständlich eine anonyme Kosovarin gefunden, deren Aussage sie auf der Front und im Titel missbrauchen kann: «Die brauchen das irgendwie.» Wer braucht was?

Wer den Verantwortlichen für solche Agitation – wie «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel und anderen - auch künftig noch Podien bietet (wie jüngst noch die Jungsozialisten und immer wieder das Schweizer Fernsehen in der «Arena» und anderen Sendungen), auf denen diese Agitatoren sich mit geschliffenen Reden interessant machen können, muss selber einen Teil der Verantwortung für fremdenfeindliche Entwicklungen übernehmen.

Nachtrag

Die Freikirche der Adventisten in der Schweiz teilt uns mit, dass sie ebenfalls gegen das Hetzinserat der SVP protestiert hat. Der Präsident der Deutschschweizer Adventisten, Günther Maurer, weist darauf hin, dass seine Freikirche die Kampagne 'Fairplay im Wahlkampf' der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) unterstützt, und dass sich die Freikirche insbesondere gegen die «Verletzung der Menschenwürde» wendet, wie sie im SVP-inserat stattfindet.

Wir tragen das hier gerne nach.

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2 Meinungen

Vielen Dank für diesen Artikel. Ohne irgendeine kriminelle Tag entschuldigen zu wollen, kann ich nur sagen, dass seit ich auf dieser Welt bin, fühle ich mich verfolgt und verachtet. Die Geschichte der Kosovaren ist tief traurig und nicht in Worte zu fassen. Immer verfolgt, gedemütigt, gefangen und gefoltert. Die Geschichte meiner Urgrosseltern, meiner Grosseltern, meiner Eltern und von mir sieht genau gleich aus. Es wurde ums Überleben gekämpft, um eine Basisbildung, um eine menschenwürdige Freiheit, und um sich Albaner nennen zu dürfen. Zuerst wurde uns die islamische Religion aufgezwungen, danach mussten wir unsere richtige Identität ablegen und muslimische Namen annehmen (so wie ich einen habe), unsere Geschichte wurde vertuscht und vernichtet, danach sollten wir nicht einmal unsere Muttersprache auf der offenen Strasse sprechen. Auch heute noch werden Horrorgeschichten über uns verbreitet. Es ist einfach das Opfer zu spielen, was nicht meine Absicht ist, aber das ist nun mal die bittere Wahrheit. Unsere Wahrheit. Viele dieser Menschen sind heute in der Schweiz. Die Meisten kennen nur Angst und Verachtung. Die wenigsten, die in den 70er als Gastarbeiter dahin kamen, sind gebildet. Es werden noch Jahre vergehen bis diese Leute ihre Angst und die Erlebnisse verarbeitet haben. Hier in der Schweiz fühlen wir uns nicht anders. Schon wieder erleben wir die Geschichte der Verfolgung und der Hetzpolitik. Wann hört die Geschichte auf sich zu wiederholen? Wann bekommen wir eine echte und faire Chance? Wieso wird nie darüber berichtet, wieviele Kosovaren eine erfolgreiche Karriere in der Schweiz haben, sei es als Mediziner, als Anwälte, als Bänker, als Musiker, als Sportler etc.? Es hätte viel mehr positives über diese Überlebenskünstler zu berichten als die negativen Schlagzeilen. Es sieht so aus, als würde die SVP und ihre Anhänger alles andere ausblenden, um ihre typische, billige menschenverachtende Hetzpolitik zu verfolgen und zu begründen. Sie mögen heute aus der Angst der Schweizer profitieren aber diese Strategie wird wie alle ähnlichen Strategien auf der Welt scheitern, hoffe nur nicht mit zahlreichen Opfern. Nichts desto trotz verabscheue und verurteile ich die kriminellen Taten. In solchen Situationen sehe ich keine Nationalität, keine Religion oder Rasse. Ich sehe nur Psychopathen, Mörder und Kriminelle, die weggesperrt gehören, weil sie für jeden einzelnen, egal wo auf der Welt, gefährlich sind. Hass zeugt Hass und genau die Schweizer sollten diese Art von Strategie gar nicht kennen, denn sie waren lange Zeit die glücklichen dieser Erde, die eine echte Chance im Leben hatten. Ich wünsche allen Bevölkerungsgruppen der Welt die gleichen Chancen im Leben zu haben wie die Schweizer, denn nur so hat der Mensch die Möglichkeit sich zu entfalten, zu entwickeln und einen gesunden Menschenverstand zu haben, wie Herr Ruoff in diesem Artikel beweist. Danke nochmals. Wir sollten unseren Fokus auf das Positive richten und wir werden Positives sehen und erfahren. Das Negative sollte nicht ausgeblendet werden, sondern durch das Positive im Keim erstickt werden.
Fitore Aliu, am 02. September 2011 um 22:06 Uhr
Der zynisch-demagogische Charakter des SVP-Plakat «Kosovaren schlitzen Schweizer auf» ist ja zu offensichtlich, als dass Vernunftbegabte dem Urteil der Schweizer Bischofskonferenz nicht folgen könnten.

Seltsam antiquiert und befremdlich tönt allerdings die Begründung, das Plakat sei «gotteslästerlich". Offenbar halten die Bischöfe den katholischen Gott für eine Instanz, die man einfach so lästern, verfluchen oder auch anbeten kann, als wäre er ein Wesen, das objektiv vorkommt. Das halte ich für mittelalterlich, unbesonnen und mithin unglaubwürdig. Die durchaus auch christliche verstandene Menschlichkeit des Menschen würde sich selbst durchaus genügen.

Fritz P. Schaller, Küsnacht
Fritz P. Schaller, am 29. August 2011 um 11:30 Uhr

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