Sperberauge

Fussball: Leder rund, Sprache bunt

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Jürg Lehmann /  Die Sprache treibt im Fussball eigene Blüten. Die Saison ist noch nicht alt und schon treffen wir sie wieder an.

«Nach dem 1:0 haben wir aufgehört, Fussball zu spielen.» Das sagte Trainer Murat Yakin nach dem Auswärtssieg des FC Basel in der Champions-League-Qualifikation gegen den bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad in Sofia. Der FCB siegte am Ende mit 4:2.

Doch was war nach dem 1:0 los? Traten die FCB-Spieler in einen Sitzstreik? Gingen sie geschlossen vom Platz, bis ihnen die Klubleitung höhere Erfolgsprämien versprach? Zogen sie es plötzlich vor, mit den Händen zu spielen statt mit den Füssen? Nein. Yakin wollte sagen, seine Spieler hätten es nach der Führung an Konzentration und Disziplin fehlen lassen, wohl auch seine Anweisungen ignoriert. Der Satz war eine kollektive Massregelung.

Yakin ist bei weitem nicht der einzige, der diese eigentliche Absurdität in die Mikrophone spricht. Wo immer Fussball gespielt wird, ist die Wortfolge heute inflationär im Gebrauch: Bei Trainern, Spielern, Funktionären, Kommentatoren, Journalisten. Der Satz ist bequem, weil er von der Analyse entbindet. Gibt man auf Google «Wir-haben-aufgehört-Fussball-zu-spielen» ein, spuckt das System 9’950 Fundstellen aus.

Auf immerhin 6’500 Google-Einträge bringt es «Wir-müssen-unsere-beste-Leistung-abrufen». Auch so ein Hammersatz aus der Fussball- und übrigen Sportwelt, den man nicht mehr hören mag. Er wird vor Spielen verwendet, um die Herausforderung zu verdeutlichen, die auf dem Feld wartet. Murat Yakin und seine Spieler werden ihn auch im Repertoire haben, wenn es nächsten Dienstag im Rückspiel um den definitiven Einzug in die Champions-League-Gruppenphase geht, die Millionen in die Klubkasse des Vereins am Rheinknie spielen würde.

Bleibt also nur zu hoffen, dass der FC Basel dann wieder Fussball spielt.


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