Ausschnitt aus dem Buchcover

Kapitale Fehler – Vorschläge zu ihrer Behebung

Matthias Weik und Marc Friedrich / 11. Aug 2016 - «Wie liebe ich die Kühnheit! Wie liebe ich die Leute, die aussprechen, was sie denken.» Voltaire (Teil 4)

Red. Aus dem neusten Buch der beiden Ökonomen, Querdenker und Publizisten Matthias Weik und Marc Friedrich «Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen» dürfen wir vier Kapitel in gekürzter Form übernehmen. Im Folgenden als 4. Teil die Forderungen der Autoren in gekürzter Fassung.

Problem verschlimmbessert

Je weniger die Finanzwelt reguliert wird, umso häufiger kommt es zu Krisen. Der heute herrschenden irrsinnigen Zockerei muss Einhalt geboten werden. Doch unsere «Elite» hält am Status quo fest. Bis zum bitteren und sehr teuren Ende.

Im Gegensatz zu den Jahren nach 1929 wurden aus den letzten beiden Krisen in den Jahren 2000 und 2008 keine Konsequenzen gezogen. Das Problem wurde nicht gelöst, sondern verschlimmbessert. Im Folgenden legen wir bescheidene Vorschläge dar, wie sich die Schieflagen beseitigen liessen. 

Abschied vom Euro

Mehr denn je sind wir uns gewiss: Der Euro ist gescheitert. Wie lange wollen wir noch ganze Volkswirtschaften, vorwiegend im Süden Europas, in die Knie zwingen, um das Währungsexperiment Euro künstlich am Leben zu erhalten? Die volkswirtschaftlichen Eckdaten zahlreicher Euro-Länder sprechen für sich. Dem Grossteil der Menschen in den Euro-Ländern Portugal, Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich geht es heute in vielerlei Hinsicht wirtschaftlich schlechter als vor Einführung des Euro! Sie alle weisen höhere Arbeitslosenzahlen, eine wesentlich höhere Staats-, Unternehmens- und Privatverschuldung und eine erheblich geminderte Industrieproduktion auf. Von Jahr zu Jahr bauen diese Länder wirtschaftlich mehr ab. Es ist unverkennbar, dass die vielen teuren Rettungspakete nichts gebracht haben. Das ganze Geld können wir abschreiben, da die Länder Südeuropas ihre Schulden niemals zurückzahlen können. Fakt ist: Im Korsett des Euro werden diese Länder niemals wieder auf die Beine kommen.

Das neuste Buch von Matthias Weik und Marc Friedrich (siehe Link unten)

Sollte sich die Abwärtsspirale, die historisch einmalig ist, weiter fortsetzen, werden extremistische Parteien noch stärkeren Zulauf bekommen. Dies gilt es zu verhindern. Spätestens diese Gruppierungen werden das Ende des Euro und der EU einleiten; allerdings auf eine Art und Weise, die sich keiner wünschen kann. Wie viele Beweise benötigt die EZB und Brüssel eigentlich noch, dass der Euro den Menschen mehrheitlich mehr schadet als nutzt? Sind erst soziale Unruhen, Bankenpleiten, Deflation oder sogar eine Hyperinflation erforderlich, bevor die notwendigen Schritte eingeleitet werden?

Wir fordern:

  • Den sofortigen Stopp des irrsinnigen Aufkaufprogramms der Europäischen Zentralbank EZB. Niemals in der Geschichte der Menschheit wurde eine Krise durch das Drucken von Geld gelöst.
  • Eine strukturierte und geordnete Auflösung des Euro, bevor er offiziell und chaotisch scheitert. Die Einführung von nationalen, souveränen Währungen nach einem neuen Bretton-Woods-Verfahren in einem neu gestrickten Geldsystem (siehe weiter unten).
  • Das Ende von Geheimverhandlungen hinter dem Rücken der Bürger wie beispielsweise bei den TTIP-Verhandlungen mit den USA. Transparenz und Kontrollierbarkeit sollten ganz oben stehen.
  • Eine Insolvenzordnung für Staaten, denn auch Staaten müssen pleitegehen dürfen. Nach einem weltweiten Schuldenschnitt oder -erlass muss für die Krisenländer im Süden Europas ein Marshallplan implementiert werden, um die europäische Idee im Kern zu retten und den Krisenländern die Chance zu geben, eine wertschöpfende Industrie aufzubauen.

Strikte Regulierung der Finanzmärkte

Die bisherigen Regeln in «Basel I - III» sind tausende von Seiten dick. Selbst Experten müssen sich wochenlang einlesen. Denn damit entzieht sich die Finanzwelt der demokratischen Kontrolle. Wie sollen Bürger und Politiker ein System hinterfragen, das sie nicht verstehen, bzw. wieder Vertrauen schenken?

Wir fordern auf globaler Ebene:

  • Eine weltweite Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, wie dies lange hervorragend funktioniert und Banker davon abgehalten hat, mit fremdem Geld, was meint: mit Kundengeldern, zu zocken.
  • Acht oder zehn Prozent Eigenkapital für Banken reichen nicht aus. Am liebsten wären uns 100 Prozent, mindestens aber 20 Prozent, so wie es auch von Kunden als Sicherheit bei einer Kreditvergabe gefordert wird. Je grösser die Bilanzsumme eines Finanzinstituts ist, umso höher muss die Eigenkapitalquote prozentual steigen. Grosse Finanzkonzerne dürfen keine Anreize mehr bekommen, ihre Bilanz aufzublähen, um in den Status der Systemrelevanz zu kommen.
  • Banken, die bereits als systemrelevant gelten, müssen eine Sondersteuer bezahlen, da sie einen klaren Vorteil gegenüber kleineren Banken haben, nämlich den, dass sie notfalls vom Steuerzahler gerettet werden.
  • Implementierung eines Insolvenzplans für systemrelevante Banken und Versicherungen. Finanzinstitute müssen genauso pleitegehen und abgewickelt werden können wie jedes andere Unternehmen auch. Keine Sonderstellung mehr! 
  • Manager sollen für Fehlverhalten ihrer Banken persönlich haften müssen.
  • Schluss mit der vollkommen realitätsfernen Bezahlung bei Topmanagern und Investmentbankern in der Finanzbranche. Topverdiener sollen maximal das 20-Fache inklusive Boni dessen verdienen dürfen, das derjenige mit dem niedrigsten Gehalt im Unternehmen erhält. Wenn die Manager viel Geld verdienen möchten, müssen sie zunächst dafür Sorge tragen, dass ihre Angestellten gut verdienen.
  • Die Finanzwelt darf nicht liberalisiert und dereguliert werden. Es braucht permanente Kontrolle und Regulierungen. Und zwar nicht larifari, wie es beispielsweise die US-Aufsichtsbehörde SEC und die deutsche BaFin machen, sondern knallhart. Sobald ein Institut die festgelegten Grenzen verletzt, wird es hart bestraft und gegebenenfalls sogar dichtgemacht – basta! Dann tritt die unabhängige Notenbank an, um die Insolvenz abzuwickeln und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. 
  • Alle Finanzprodukte müssen vor Zulassung, wie jedes Medikament auch, auf Herz und Nieren eingehend geprüft werden. Ist die Gefahr zu gross, das Risiko nicht abschätzbar oder der Nutzen fragwürdig, dann werden die Produkte nicht zugelassen! Wie Medikamente müssen auch Finanzprodukte permanent überprüft werden. Sollte sich herausstellen, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen oder sogar Schaden bringen, dann müssen sie vom Markt genommen werden.
  • Jeglicher Handel mit Finanzprodukten muss transparent über öffentliche Börsen laufen. Ohne Wenn und Aber! Es darf nicht sein, dass Derivate im Volumen von über 650 Billionen Dollar ausserhalb der Bankbilanzen herumwabern und keiner weiss, wer auf was, mit oder gegen wen, in welcher Höhe gewettet hat. Daher: Es muss endlich Schluss sein mit den intransparenten OTC-Geschäften (over the counter). Derivate müssen in den Bilanzen der Banken erscheinen und von der Börsenaufsicht streng überwacht werden. Es darf nicht mehr sein, dass eine Bank wie die Deutsche Bank bei einer Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro 101 Derivate im Volumen von über 50 Billionen Euro ausserhalb der Bilanz stehen hat. Die Alternative: ganz verbieten!
  • Leerverkäufe gehören verboten. Leerverkäufer sind Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen. Sie leihen sich Vermögenswerte wie beispielsweise Aktien gegen eine Gebühr und verkaufen diese in der Hoffnung, dass der Preis sinkt, um den Vermögenswert zu einem späteren Zeitpunkt zum niedrigeren Preis zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn. 
  • Nach wie vor sind wir für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Diese würde den Irrsinn, dass Aktien oder Anleihen x-mal täglich die Eigentümer wechseln, definitiv beenden. Die durchschnittliche Haltedauer von Wertpapieren beträgt momentan 22 Sekunden. 1994 waren es noch vier Jahre! Geschuldet ist dies dem Hochfrequenzhandel. Dieser sollte verboten werden oder ihm wenigstens Einhalt geboten werden.

Wir benötigen ein neues Geldsystem

Das Grundübel ist unser derzeitiges, völlig falsch gestricktes Geldsystem. Hier muss der Hebel angesetzt werden:

  • Es ist Zeit für ein Bretton-Woods-System 2.0. Wir fordern ein transparentes und idealerweise gedecktes Geldsystem (ganz oder teilweise gedeckt, z. B. mit einem Rohstoffkorb) ähnlich dem sogenannten Bretton-Woods-System, das mehrere Jahrzehnte erfolgreich funktioniert hat. 
  • Wir sind für die Abschaffung des heutigen Giralgeldsystems, dadurch können Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts schöpfen und es gegen Zins verleihen.
  • Stattdessen sind wir starke Befürworter des Vollgelds (Monetative), weil ausschliesslich Notenbanken dann Geld schöpfen können und der Gewinn aus der Geldschöpfung – die Seigniorage – ungeschmälert den öffentlichen Haushalten zugutekommt. 
  • Wir verlangen eine unabhängige, demokratische Notenbank, welche den Menschen dient, statt sie durch Niedrigzinsen zu enteignen. Eine Notenbank, deren Präsident vom Volk gewählt wird, und keine, bei der ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker als Chef eingesetzt wird und dessen Entscheidungen meist nur seinen ehemaligen Kollegen dienen. 
  • Es muss eine Schuldenkonferenz geben, bei der, ähnlich wie nach dem zweiten Weltkrieg, Schulden gestrichen werden. Es wird alle treffen, alle werden abgeben müssen und Vermögen verlieren. Aber, um einen todgeweihten Patienten zu heilen, sind radikale Eingriffe notwendig. Parallel dazu wird es eine Vermögensabgabe geben. Damit sich dieser Massnahme niemand entziehen kann, müssen zuvor die Steuerschlupflöcher und Steueroasen ausgetrocknet werden.

Leider ist unser derzeitiges System für einige Profiteure dermassen lukrativ, dass uns ein harter Kampf bevorsteht. Bisher hat sich kein Politiker an die kapitalen Fehler herangetraut. Für ein humanes, nachhaltiges und krisenresistentes Geldsystem, das allen und nicht nur einigen wenigen Menschen dient, müssen wir den Mut und den Willen aufbringen, einen schwierigen Weg zu gehen.

Bisher war jedes pervertierte System gegen die Menschen gerichtet und im Endeffekt zerstörerisch. Es ist höchste Zeit für ein neues, faires und vor allem menschlicheres Wirtschaftssystem und ein neues Wirtschaftsdenken. Eine nochmalige Rettung der Finanzwelt kann sich die Welt schlichtweg nicht mehr leisten. Packen wir’s an!

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Im Jahr 2012 hatten die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich das Buch «Der grösste Raubzug der Geschichte – warum die Fleissigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden» veröffentlicht. Es folgte das Buch «Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten». Es war das meistverkaufte Wirtschaftsbuch des Jahres 2014. Die Autoren sind Initiatoren der Petition «EZB Stoppen – wir zahlen nicht für Eure Krise».

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik

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