Der selbst ernannte Kalife und ISIS-Führer war in US-Gefangenschaft © via Syria Comment

Der selbst ernannte Kalife und ISIS-Führer war in US-Gefangenschaft

US-Politik radikalisierte ISIS-Führer Baghdadi

Red. / 15. Aug 2014 - Die US-Armee hatte Bakr al-Baghdadi im Jahr 2004 gefangen genommen, seine Gefährlichkeit aber nicht erkannt. Das enthüllt die NYT.

Der heute brutale ISIS-Führer und selbst ernannte Kalife Bakr al-Baghdadi stammt aus einer armen Bauernfamilie in der Nähe von Samarra. Die Familie gehörte den Sufis an, einer asketischen schiitischen Strömung, die für ihre Toleranz bekannt ist. «Die New York Times» NYT zitiert u.a. Hisham al-Hashimi, einen irakischen Wissenschaftler, der das Leben von Bakr al-Baghdadi erforscht hat.

Nicht im Visier des US-Geheimdienstes

Die erste Begegnung machte die US-Armee mit dem heutigen ISIS-Führer im Jahr 2004, als sie ihn in der Nähe von Falluja zusammen mit sunnitischen Aufständischen verhafteten. Sie betrachteten ihn als einen untergeordneten Gefolgsmann, von dem der US-Geheimdienst noch nie etwas gehört hatte. Sein Name war damals Ibrahim Awad Ibrahim al-Abdry.

Die Karriere des heutigen extremistischen «Kalifen» wurde «geformt von der Politik der USA im Irak», schreibt die NYT: «Die meisten Änderungen seiner politischen Haltung, die ihn zum radikalen Kämpfer und Führer machten, entstanden direkt als Folge von amerikanischen Handlungen». Die NYT erwähnt konkret das brutale Massakrieren von Minderheiten und gezielte Bombardierungen.

Nach Recherchen von Hisham al-Hashimi soll Bakr al-Baghdadi einige Zeit in einer Haftanstalt der USA im Irak verbracht haben, wo er noch stärker radikalisiert worden sei. «Bakr al Bagdhadis extremistische Ideologie wurde durch Grausamkeiten der US-Invasion geformt und verfeinert», kommt die NYT zum Schluss. Die Invasion der USA habe Baghdadi und seinen sunnitischen Alliierten einen Feind, ein Feindbild geschaffen und die Rekrutierung von Gefolgsleuten erleichtert. Bagdhdadi habe sich mit einer Clique von Geheimdienstleuten und früheren Militärs des Baath-Regimes Saddam Husseins umgeben, die das Kämpfen verstehen.

Die ISIS sei heute finanziell unabhängig, indem sie sich mit dem Ertrag eroberter Ölquellen und mit Zwangsabgaben finanziere, die sie in den eroberten Gebieten erhebt. Heute würde Bagdhadi nicht mehr nur einer terroristische Organisation vorstehen , sondern einer regelrechten Armee.

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Siehe

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Originalartikel der New York Times vom 12.8.2014: «American actions in Iraq fueled rise of rebel leader»

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Eine Meinung

@Bosshart. Den Link haben wir von Anfang an unter «Weiterführende Informationen» angegeben. Viele Artikel der NYT sind allerdings zahlungspflichtig, mindestens für einige Zeit. Das scheint auch bei diesem der Fall zu sein.
Urs P. Gasche, am 16. August 2014 um 12:44 Uhr

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