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Koedukation fördert die Kompetenz des Zusammenlebens und vermindert Rollen-Klischees
Gemeinsam lernen sie gleich gut und erliegen weniger Rollen-Klischees. Zu diesem Schluss kommt eine neue Auswertung von Studien.
Die Überblicksstudie hat das Wissenschaftsmagazin «Science» veröffentlicht. Fazit des Forschungsteams um Psychologin Diane Halpern vom Claremont McKenna College in Kalifornien: «Wir glauben, dass eine nach Geschlechtern getrennte Erziehung schwer verfehlt ist. Man hat eine solche häufig aufgrund schwacher, selektiver oder missgedeuteter wissenschaftlicher Behauptungen gerechtfertigt.»
Getrennte Mädchen- und Jungenklassen mit schlechten Studien gerechtfertigt
Renommierte Pädagoginnen, Psychologinnen und Hirnforschende aus den USA haben für die Studie Untersuchungen aus den USA, Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland und Daten der Pisa-Studien ausgewertet und verglichen. Studienleiterin Diane Halpern: «Es gibt keine wissenschaftlich guten Studien, die zeigen, dass die getrennte Erziehung die Lernergebnisse verbessert.»
Einige Studien hätten zwar minimal bessere Leistungen für Kinder aus getrennten Klassen festgestellt. Doch die getesteten Kinder waren nicht miteinander vergleichbar: In den Schulen mit getrennten Klassen waren die Kinder aus bildungsbewussten Elternhäusern übervertreten.
Das Zusammenleben wird nicht gelernt
Getrennter Unterricht zementiert Rollenklischees Mit der Trennung von Mädchen und Jungen im Unterricht würden hingegen kleine Unterschiede erst grosse Bedeutung erhalten, heisst es in der Studie. Kinder in solchen Klassen lernten nämlich, dass die Geschlechtszugehörigkeit ein grundlegendes Merkmal sei. Dies zementiere Rollenklischees. Beide Geschlechter hätten es schwerer, das Zusammenleben zu lernen.
Die Psychologin Marianne Horstkemper, Professorin für Allgemeine Didaktik an der Universität Potsdam, war an zahlreichen Forschungsprojekten zum gemischten und getrennten Unterricht beteiligt. Sie bestätigte im «Tagesspiegel» das Fazit der US-Studie: «Es gibt keine klaren Belege dafür, dass die Ergebnisse in getrenntgeschlechtlichen Lerngruppen besser wären, weder im Primar- noch im Sekundarschulbereich.»
Das Bewusstsein für die Risiken des getrennten Unterrichts sei im Laufe ihres Forscherinnenlebens gewachsen, sagt Marianne Horstkemper. Den getrennten Schulunterricht halte sie heute allenfalls noch in «homöopathischen» Dosen für sinnvoll.
Koedukation seit Jahrzehnten ein Thema
Die Debatte über die beste Unterrichtsform für Mädchen und Jungen ist Jahrzehnte alt. So forderte die Zeitschrift «Emma» 1989 unter dem Titel «Koedukation macht dumm» den getrennten Unterricht. Mädchen würden in gemischten Klassen nicht genug gefördert. Heute gibt es auch Männerforscher, welche die Koedukation kritisieren. Jungen hätten schlechtere Chancen in einer «feminisierten» Schule, in der die Lehrerinnen und fleissige Schülerinnen dominieren.
Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht».
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